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Thailand: Vom Waisen zum Helden: Wer ist der Mann, der die Jungs in der Höhle am Leben hielt?

Held – oder sorgloser 25-Jähriger? Fest steht: Ekapol Chanthawong, Trainer der in der Höhle gefangenen Jungen, hielt seine Schützlinge in einer aussichtslosen Lage am Leben. 

Tante Thamma zeigt ein Foto von Ekapol und seiner Großmutter

Tante Thamma zeigt ein Foto von Ekapol und seiner Großmutter

Es gibt Menschen, die in hoffnungslosen Situationen über sich selbst hinauswachsen – und zu Helden werden. Ihre Geschichten inspirieren uns und zeigen, zu welchen Leistungen wir fähig sind, wenn wir keine andere Wahl haben. Die Geschichte von Ekapol Chanthawong ist jedoch nicht nur die eines Helden.

Chanthawong, kurz "Coach Ek", ist Co-Trainer der Kinder, die tagelang in der Tham-Luang-Höhle in Thailand ausharren mussten. Der 25-Jährige wird gefeiert, hat sein Dorf, sein ganzes Land hinter sich. Dabei hatte er die Jungs erst in die Höhle geführt und sie damit in Lebensgefahr gebracht. Wer ist der junge Mann, der sein Fußballteam über die dunkelsten Tage, eingesperrt in einer Höhle, am Leben hielt? 

Sein Vorgesetzter schrieb noch: "Pass auf dich auf!"

Chanthawong ist Assistenztrainer der jungen Mannschaft der Wild Boars. Sein Vorgesetzter, Nopparat, hatte ihn am 23. Juni das erste Mal alleine mit den Kindern losziehen lassen. Die "Washington Post" sprach mit dem 37-jährigen, der ihm vor dem Ausflug noch eine Facebook-Nachricht mit einem Rat schickte: "Achte darauf, mit dem Fahrrad hinter ihnen herzufahren, damit du alle im Blick hast", schrieb er an Chanthawong. "Pass auf dich auf", stand da noch. 

Wie tragisch der Ausflug endete, bewegte kurz darauf die ganze Welt: Die Mannschaft verschwindet, wird neun Tage später umgeben von Wassermengen in einer dunklen Höhle vermutet. Lange gibt es keinen Plan – und nur wenig Hoffnung auf eine Rettung. Noch weniger Hoffnung auf das blanke Überleben.

Chanthawong kommt als einzigem Erwachsenen der eingeschlossenen Gruppe eine bedeutsame Rolle zu:

Er beruhigt seine Jungs, versucht über Tage und Nächte hinweg, aufsteigende Panik, Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung durch Meditation zu zerstreuen – und die zwölf Jungs vor allem auch bei Kräften zu halten. Rettern zufolge war Coach Ek einer der schwächsten unter den Geretteten, weil er in den ersten Tagen auf seine Ration Wasser und Lebensmittel verzichtete und sie an seine Jungs abtrat. 

"Coach Ek liebt diese Kinder sehr"

Gleichzeitig muss Chanthawong mit der eigenen Schuld zurechtkommen. Am Eingang hatte ein Schild davor gewarnt, in die Höhle hinabzusteigen, vor allem so kurz vor der Monsunzeit. Ein Freund von Chanthawong sagte der "Washington Post": "Ich kenne ihn und ich weiß, er wird sich selbst die Schuld geben."

Menschen aus seinem Umfeld beschreiben den jungen Mann, der Jahre seines Lebens als Mönch im Kloster verbracht hat, als "sehr guten Menschen". Seine Tante Thamma Chanthawong, die eigentlich seine Cousine ist, sprach mit CNN: "Coach Ek liebt diese Kinder sehr. Und die Kinder lieben es, Ausflüge mit ihm zu machen. Die Mütter der Kinder vertrauen ihm, dass er sich um sie kümmern kann, weil er Kinder so sehr liebt."

Chanthawong habe seine ganze Familie verloren, als er zehn Jahre alt war. Das Waisenkind habe seid seinem zwölften Lebensjahr als buddhistischer Mönch in einem Kloster gelebt. Dieses Leben habe er schließlich aufgegeben, um Kindern das Fußballspielen beizubringen.

"Mein lieber Ek, ich könnte dir nie die Schuld geben"

Trainer Nopparat macht Chanthawong keine Vorwürfe: "Er gibt viel von sich selbst für diese Jungen." Er behandle die Kinder wie seine Familie und übernehme Verantwortung für sie. Wenn die Eltern die Jungs nicht zum Training fahren konnten, holte er sie ab und brachte sie wieder sicher nach Hause.

Die Mehrheit steht hinter Coach Ek. Selbst eine der Mütter sagte der "Washington Post": "Wenn er herauskommt, werden wir sein Herz heilen müssen. Mein lieber Ek, ich könnte dir nie die Schuld geben." Eine Zeichnung von Chanthawong mit seinen zwölf Schützlingen, sicher in seinem Schoß, ging viral:

Das Wunder geschieht: Am 10. Juli schließlich sind Coach Ek und alle seine Jungs gerettet. Und Chanthawong wird zu Recht als Held gefeiert. Denn seine Geschichte zeigt: Auch wenn Menschen nicht immer die richtigen Entscheidungen treffen, haben sie anschließend das Zeug dazu, das Beste daraus zu machen und Geschichte zu schreiben.

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