Tödlicher Unfall durch Erlkönig Auto Club Europa will Daimler in Haftung nehmen


Der tödliche Unfall durch eine Mercedes-Testfahrer hat eine heftige Debatte ausgelöst. Nun fordert der Auto Club Europa eine Mithaftung von Daimler. Zudem will er ein Verbot von Probeläufen auf öffentlichen Straßen.

Der Auto Club Europa (ACE) fordert Konsequenzen aus der tödlichen Testfahrt eines Mercedes-Prototyps: Er verlangt eine Mithaftung des Daimler-Konzerns. "Der betriebliche Verhaltenskodex für die Testfahrer mit der Aufforderung, sich strikt an die Verkehrsregeln zu halten, ist das Papier nicht wert, auf dem er steht", sagte ein ACE-Sprecher heute in Stuttgart. Nach nun vier Toten durch Testfahrer auf öffentlichen Straßen müsse überlegt werden, "ob Daimler als Fahrzeughalter in Mithaftung genommen werden muss".

In der Nacht zum Samstag war der Testfahrer eines neu entwickelten Mercedes der M-Klasse auf der Autobahn 81 bei Rottweil mit hoher Geschwindigkeit in eine Unfallstelle gerast. Dabei wurde ein 26-jähriger Mann getötet, der nach dem Unfall auf der linken Fahrspur sein beschädigtes Auto verlassen hatte. Der 52-jährige Testfahrer wurde schwer verletzt.

Die Hoffnung auf eine schnelle Aufklärung des Unfalls schwindet jedoch: Der Testfahrer verweigert jede Aussage. Auch ein Gutachten, das eigentlich binnen weniger Tage vorliegen sollte, werde wohl noch einige Wochen brauchen, sagte ein Polizeisprecher. Ursprünglich war von einigen Tagen die Rede. Die Staatsanwaltschaft prüfe dann auf Grundlage des Gutachtens und der Zeugenaussagen, ob gegen den Testfahrer wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung ermittelt werde.

Hillgärtner plädierte erneut dafür, dass Autohersteller ihre Neuentwicklungen, die sogenannten Erlkönige, bei sehr hohem Tempo ausschließlich auf Teststrecken und nicht auf öffentlichen Straßen testen. Ansonsten verstießen sie gegen Paragraph 1 der Straßenverkehrsordnung, wonach sich jeder Verkehrsteilnehmer unter anderem so zu verhalten hat, dass "kein anderer geschädigt" oder "gefährdet" wird.

In den vergangenen Jahren kamen mehrfach Menschen bei Unfällen von Mercedes-Testfahrern ums Leben: Am 14. Juli 2003 verursachte einer von ihnen auf der Autobahn bei Karlsruhe den Tod einer 21-jährigen Autofahrerin und ihrer zweijährigen Tochter. Im Februar 2005 kam zudem ein Testpilot bei einer Fahrt von Stuttgart ins nordschwedische Arjeplog wegen zu hohem Tempos in einer Kurve von der schneebedeckten Straße ab. Dabei erfasste er eine 44-jährige Mutter und verletzte sie tödlich.

AFP AFP

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