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Unwetter: Ausnahmezustand in Berlin

Fast soviel Regen wie in einem ganzen Monat ist in Berlin niedergegangen und hat in der Hauptstadt den Ausnahmezustand ausgelöst. Ein Konzert zur symbolischen Übergabe der WM an Südafrika auf der Fan-Meile fiel ins Wasser

Heftiger Platzregen und Sturmböen haben Berlin am Freitagabend in einen siebenstündigen Ausnahmezustand versetzt. Mehrere Großveranstaltungen in der Hauptstadt wurden abgesagt. Darunter auch das geplante deutsch-afrikanische Konzert im Rahmen der Fußball-WM sowie die Italienische Nacht bei den Classic Open Air Festival zum Opfer.

Die Fifa sagte das Konzert auf der Fanmeile ab, weil die Bühne völlig durchnässt war und Probleme mit der Elektrizität befürchtet wurden. Auf der Fanmeile am Brandenburger Tor stand das Wasser knöcheltief. Die Veranstaltung war als eine symbolische Übergabe der Weltmeisterschaft an Südafrika geplant.

Erst nach Mitternacht konnte die Feuerwehr die wetterbedingten Einsätze beenden. Insgesamt mussten Polizei und Feuerwehr 1190 Mal ausrücken. Mit mehr als 800 Kräften pumpten die Retter Hunderte Keller leer und räumten rund 50 umgestürzte Bäume sowie 25 weggeflogene Bauteile von den Straßen, teilte der Lagedienst mit. Es galt der Ausnahmezustand der Stufe 1. Über Verletzte und die Höhe des Sachschadens lagen bisher keine Angaben vor.

Zwischen 17 und 18 Uhr waren in Teilen Berlins mehr als 30 Liter pro Quadratmeter niedergeprasselt. Das entspricht nach Angaben des Wetterdienstes Meteomedia etwa der Hälfte der Regenmenge, die im Juli durchschnittlich in Berlin fällt. Zahlreiche Straßen im Nordosten und Südwesten der Stadt wurden überschwemmt. Mehrere voll gelaufene Straßentunnel mussten zeitweise gesperrt werden. Das Gewitter richtete vor allem im Südosten Berlins im Bezirk Treptow- Köpenick, in Friedrichshain und im südwestlichen Stadtteil Steglitz Schäden an.

Im Stadtteil Treptow schlug ein Blitz in ein Haus ein und entfachte ein Feuer im Dachstuhl. In Köpenick wurde ein 80 Quadratmeter großes Flachdach von den Sturmböen komplett abgedeckt. In Steglitz wurde eine zweigeschossige Tiefgarage geflutet. Etliche Autofahrer verloren ihre Autokennzeichen, als sie in die knöchelhoch stehenden Wassermassen hinein fuhren, sagte ein Polizeisprecher.

Schon am Freitagnachmittag hatten in Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt sowie in Hessen Unwetter getobt. Regengüsse überfluteten im hessischen Korbach Parkhäuser, Straßen und Keller. Innerhalb einer halben Stunde seien dort 60 Liter Wasser pro Quadratmeter gefallen.

Unwetter mit Überschwemmungen und Murenabgängen gab es in der Nacht zum Samstag auch in Nieder- und Oberösterreich. Besonders betroffen waren nach Angaben der Feuerwehr die Orte Feldkirchen und Aschach an der Donau. Die heftigen Regenfälle brachten in Aschach auch ein Hallendach zum Einsturz. Mehr als 1700 Feuerwehrleute seien zu über 100 Einsätzen ausgerückt. Im Raum Schlader im Bezirk Waidhofen an der Thaya setzten mehrere Blitze eine landwirtschaftliche Scheune in Brand. Bereits In der Nacht zum Freitag hatten schwere Unwetter im Westen der Alpenrepublik zu Überschwemmungen geführt.