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Streit mit Bundesbehörden Wildwest in Oregon: Miliz besetzt Wildschutzgebiet - und droht mit Gewalt


Es klingt wie eine Geschichte aus dem Wilden Westen: Eine schwer bewaffnete Miliz besetzt in Oregon ein nationales Wildschutzgebiet und fordert so die US-Behörden heraus. Notfalls wollen die Milizionäre das Gebiet bis zum Tod verteidigen. Kommt es zum Showdown?

Blutige Konfrontationen zwischen schwer bewaffneten Paramilitärs und US-Sicherheitskräften sind bislang ausgeblieben. Nun aber bahnt sich im Bundestaat Oregon eine Situation an, die schnell eskalieren könnte: Eine Gruppe Milizionäre hat das staatlich betriebene "Malheur Wildlife Refuge" samt des Hauptgebäudes besetzt. Wie die US-Zeitung "The Oregonian" berichtet, begann die Besatzung durch Milizionäre und örtliche Sympathisanten nach einer Demonstration mit etwa 300 Teilnehmern gegen die Verhaftung von zwei ortsansässigen Farmern, die wegen Brandstiftung zu einer Haftstrafe verurteilt wurden.

Wie die Nachrichtenagentur "Associated Press" (AP) berichtet, sollen Dwight Hammond Jr. und Steve Hammond 2011 und 2006 Brände gelegt haben, um ihr eigenes Land vor Waldbränden zu schützen und die Ausbreitung invasiver Pflanzenarten zu unterbinden. Die Hammonds haben bereits Haftstrafen wegen der Delikte verbüßt. Kürzlich urteilte ein Richter jedoch, dass die beiden Männer zurück ins Gefängnis müssen, weil die Strafen unter nationalem Recht zu milde ausgefallen seien. Den Hammonds drohen nun vier Jahre Gefängnis.

Schnell wuchs bei Milizen im ganzen Land daraufhin die Unterstützung für die Hammonds, die in diesem Fall ein klassisches Beispiel der Unterdrückung aus dem weit entfernten Washington sehen. Unter den Besatzern des staatlichen Wildschutzgebietes sind auch zwei Söhne des Viehzüchters Cliven Bundy, der mit seinem Widerstand gegen die US-Behörden international Schlagzeilen gemacht hatte. Weil er seine Kuhherde seit mehr als 20 Jahren auf unter Naturschutz stehendem Weideland in Nevada grasen lässt, schuldet Bundy der US-Regierung eine große Summe Geld. Zur Verteidigung seiner zweifelhaften Rechte standen sich zwischenzeitlich schwer bewaffnete Milizionäre und US-Sicherheitsbehörden gegenüber - eine angespannte Situation, die schnell hätte eskalieren können.

"Wir planen hier jahrelang zu bleiben"

In einem Telefoninterview mit dem "Oregonian" sagten die Bundy-Brüder, das Ziel der angeblich "an die hundert" Bürgerwehr-Mitglieder im besetzten Wildschutzgebiet sei es nicht, jemanden zu verletzten. Sie würden aber nicht vor Gewalt zurückschrecken, sollten die Polizeibehörden versuchen sie zum Gehen zu zwingen. "Wir planen hier jahrelang zu bleiben" (…) "Dies ist keine Entscheidung, die wir in der letzten Minute getroffen haben".

Laut Ryan Bundy habe die Bürgerwehr keine Geiseln genommen, es werde aber verlangt, dass die Mitglieder der Familie Hammond umgehend freigelassen werden und dass die US-Regierung ihre Ansprüche auf das Malheur-Wildschutzgebiet aufgeben. Zur Not wollen sie für das Recht, örtliche Ländereien unter örtliche Verwaltung zu stellen, bis "zum Tode" kämpfen. "Was wir tun, ist keine Rebellion. Was wir tun steht in Übereinstimmung mit der Verfassung, dem obersten Gesetz des Landes."

Die US-Behörden nehmen die Konfrontation mit den Milizionären durchaus ernst: In einem Statement des örtlichen Sheriffs steht, "gemeinsam bemühen sich verschiedene Behörden um eine Lösung. Solange wird gebeten, sich von der Gegend fernzuhalten." Regierungsquellen bestätigten dem "Oregionian", dass die Bürgerwehr auch plane, ihre Besatzung auf andere Einrichtungen in der Gegend auszuweiten.

"Patrioten im ganzen Land" - kommt mit euren Waffen

Paramilitärische Milizen haben in den USA eine lange Tradition. In vielen ländlichen Gebieten stören sich Teile der Bevölkerung an jeglicher Einflussnahme aus der US-Hauptstadt Washington - egal, ob es um die Zahlung von Steuern oder um Regierungsansprüche auf Ländereien geht. Die teilweise als rechtsextrem geltenden Milizionäre in den USA werden in der Regel dem amerikanischen Konservatismus zugeordnet. In den letzten Jahren beobachten die US-Bundesbehörden mit Sorge einen starken Zulauf bei den Milizen - auch weil der amtierende US-Präsident schwarz ist, und das Land sich in einem demographischen Wandel befindet. Auch die Weltwirtschaftskrise 2007 und die daraus resultierenden Verschwörungstheorien haben den Milizen viele neue Mitglieder eingebracht. 

Im Falle der Konfrontation von Oregon sieht sich die US-Bundesbehörde FBI "über die Lage im Bilde", berichtet AP weiter. Auch die Bundespolizei des Bundesstaates sowie das örtliche Sheriff-Büro seien involviert. Die Milizionäre denken offenbar nicht daran, klein beizugeben: Ammon Bundy veröffentlichte auf Facebook ein Video, indem er "Patrioten im ganzen Land" aufruft, sich im Wildschutzgebiet einzufinden - mit ihren Waffen. Das erklärte Ziel der Paramilitärs sei es, Land, welches sich im nationalen Besitz befindet, an örtliche Viehzüchter, Holzfäller oder Bergmänner zurückzugeben.

Unter den Besatzern des "Malheur Wildlife Refuge" soll sich auch ein US-Armee-Veteran befinden. Bei der letztjährigen Konfrontation zwischen Bundy-Unterstützern und den US-Behörden in Nevada, will er Bürgerwehr-Scharfschützen befohlen haben, US-Sicherheitsbeamte ins Visier zu nehmen und abzudrücken, sollten diese "eine falsche Bewegung" machen. In letzter Zeit wurde er mehrfach beobachtet, wie er mit einer Pistole bewaffnet in der Gemeinde unterwegs war. Bei einem Gemeinde-Treffen gab er laut dem "Oregonian" kürzlich an, "die Agenda sei, die Verfassung zu schützen. Das ist alles."


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