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Philadelphia, USA Mann sitzt wegen Falschaussage 37 Jahre unschuldig im Gefängnis

Ein Gefängnis in den USA als Symbolfoto
37 Jahre verbrachte ein Mann in den USA hinter Gefängnismauern – weil ein Zeuge gelogen hatte (Symbolfoto)
© Imago Images
In Philadelphia saß ein Mann 37 Jahre unschuldig hinter Gittern. Jetzt wurde er entlassen, weil ein Zeuge zugab, damals eine Falschaussage getätigt zu haben – im Gegenzug dafür sollen ihm Polizisten Sex und Drogen angeboten haben.

Nach 37 Jahren ist Willie Stokes endlich wieder ein freier Mann. Der 61-Jährige saß 37 Jahre in Philadelphia im Gefängnis – für einen Mord, den er nicht begangen hat. Ein Hauptzeuge, der ihn belastete, hatte gestanden, vor Gericht gelogen zu haben, weil ihm Polizeibeamte im Gegenzug zu der Falschaussage angeblich eine Belohnung versprochen hatten – in Form von Sex und Drogen.

Wie unter anderem die "Associated Press" berichtet, saß der Zeuge damals im Jahr 1983 wegen Vergewaltigung und Mordes in Untersuchungshaft. Die beiden Polizisten, die inzwischen verstorben sind, hätten ihm Straferleichterung zugesichert wenn er ihnen dabei helfen würde, einen Mordfall abzuschließen. Zudem ließen sie angeblich seine damalige Freundin zum Sex mit ihm ins Polizeipräsidium rufen, die sogar Marihuana und ein paar Dutzend Opioidpillen mitbringen durfte. "Ich wurde schwach und ging auf das Angebot ein", sagte der Mann im November vor einem Bundesrichter, zu dem er per Telefonkonferenz aus der staatlichen Strafvollzugsanstalt Chester zugeschaltet war.

Im Mai 1984 behauptete er bei einer vorläufigen Anhörung, Stokes, ein Freund aus der Nachbarschaft, habe gestanden, einen anderen Mann während eines Würfelspiels getötet zu haben. Zwar widerrief der Zeuge seine Geschichte bei Stokes' Mordprozess im August 1984, aber der Afroamerikaner wurde dennoch verurteilt und erhielt eine lebenslange Haftstrafe ohne Bewährung. Einige Tage später klagte die Staatsanwaltschaft von Philadelphia den Zeugen wegen Meineids an – nicht wegen seiner Aussage vor Gericht, sondern wegen der ersten Aussage, die er bei der vorläufigen Anhörung gemacht hatte. Er bekannte sich schuldig und gab zu, das Geständnis erfunden zu haben Er wurde zu einer maximalen Gefängnisstrafe von sieben Jahren verurteilt.

Willie Stokes erfuhr erst 2015 von der Verurteilung wegen Meineids

Der verurteilte Willie Stokes, der dies in seinen Berufungen hätte verwenden können, bekam davon jedoch nie etwas mit. Er erfuhr erst im Jahr 2015 davon. Vergangene Woche dann hob ein Bundesrichter die Verurteilung von Stokes auf und begründete dies mit der "ungeheuerlichen Verletzung der verfassungsmäßigen Rechte des Klägers durch die Zurückhaltung entscheidender entlastender Beweise".

Bezirksstaatsanwalt Larry Krasner sagte in einer Erklärung: "Dieser bemerkenswerte Fall ist geprägt von staatsanwaltschaftlichen und polizeilichen Praktiken, die während der so genannten harten Verbrechensbekämpfung in den 1980er und 1990er Jahren zu weit verbreitet waren und leider auch heute noch in viel zu vielen Gerichtsbarkeiten bestehen. Staatsanwälte haben die Pflicht, sich um Gerechtigkeit zu bemühen und den Erfolg der Staatsanwaltschaft neu zu definieren – nicht durch 'Gewinne' in Form von Verurteilungen, sondern durch Genauigkeit und Fairness bei der Aufklärung von strafrechtlichen Ermittlungen und der Strafverfolgung".

Quellen:  AP, "The Philadelphia Inquirer", "Newsweek"


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