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Vater von ertrunkenem Flüchtlingskind spricht "Die ganze Welt soll es sehen!"


Die Bilder gehen um die Welt: die Leiche des dreijährigen Flüchtlingkindes Ailan, angespült am Strand von Bodrum. Der Vater des Jungen hat nun über die dramatischen Ereignisse der Unglücksnacht gesprochen.

Abdullah Kurdi ist der einzige aus seiner Familie, der die Überfahrt über die Ägäis überlebt hat: Sein dreijähriger Sohn Ailan, sein fünfjähriger Sohn Galip und seine Frau Rehan - sie sind alle bei einem Bootsunglück auf dem Mittelmeer ums Leben gekommen. Fotos der Leiche des kleinen Ailan sorgten weltweit für Bestürzung. Nun sprach der Vater des toten Flüchtlingsjungen und appellierte an die Weltöffentlichkeit. "Das, was uns hier in diesem Land passiert ist, in dem Land, in dem wir Zuflucht suchten, um dem Krieg in unserer Heimat zu entgehen, das soll die ganze Welt sehen“, sagte Abdullah Kurdi laut "Bild"-Zeitung zu Reportern in der Türkei. "Wir wollen die Aufmerksamkeit der Welt, sodass anderen nicht das gleiche passiert. Lasst es das letzte Mal gewesen sein!"

Nachdem Abdullah die Leichen seiner Söhne und Frau in einer Leichenhalle nahe Bodrum identifizierte, brach er zusammen. Journalisten erzählte er weinend, was sich in der schrecklichen Nacht zugetragen hat, als seine Familie ertrank.

"Meine Kinder rutschten mir aus den Händen"

Hoher Wellengang brachte demnach das Flüchtlingsboot zum Kentern. "Ich half meinen beiden Söhnen und meiner Frau und versuchte mehr als eine Stunde lang, mich am gekenterten Boot festzuhalten. Meine Söhne lebten da noch. Mein erster Sohn starb in den Wellen, ich musste ihn loslassen, um den anderen zu retten", sagte Abdullah dem syrischen Radiosender Rosana FM. Doch auch ihm konnte er nicht helfen: "Meine Kinder rutschten mir aus den Händen". Als er sich dann um seine Ehefrau habe kümmern wollen, habe er sie tot vorgefunden. "Es war dunkel, und alle schrien. Deshalb haben meine Frau und meine Kinder meine Stimme nicht gehört. Danach war ich drei Stunden im Wasser, bis die Küstenwache ankam und mich rettete." 

Die Familie hatte zunächst vergeblich versucht, nach Kanada auszuwandern. Der Vater erklärte, Kanada habe ihm nun die Staatsbürgerschaft angeboten. Er habe abgelehnt.

Die Zeitung "Hürriyet" zitierte aus einer Erklärung des Vaters gegenüber der Polizei, dass er zweimal Schleuser bezahlt habe, um die Familie nach Griechenland zu bekommen. Doch die Versuche seien gescheitert. Dann hätten sie sich entschlossen, selbst mit einem Boot die Überfahrt zu wagen. Doch als Wasser eingedrungen und die Menschen in Panik geraten seien, sei das Boot gekentert.

Hier noch einmal die Botschaft Abdullah Kurdis:

"Das, was uns hier in diesem Land passiert ist, in dem Land, in dem wir Zuflucht suchten, um dem Krieg in unserer Heimat zu entgehen, das soll die ganze Welt sehen."

"Wir wollen die Aufmerksamkeit der Welt, sodass anderen nicht das gleiche passiert. Lasst es das letzte Mal gewesen sein!"

ivi DPA

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