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Weltkulturerbe in Gefahr Unesco droht Venedig Konsequenzen an, sollten die Kreuzfahrtschiffe nicht endlich verschwinden

Ein Kreuzfahrtschiff fährt durch die Lagune von Venedig
Die Unesco fordert, dass Kreuzfahrtschiffe zukünftig aus der Lagune von Venedig verbannt werden sollen (Symbolbild)
© Hilda Weges / Picture Alliance
Dem Weltkulturerbe Venedig droht die Aufnahme auf die Rote Gefährdungsliste der Unesco – sollten weiterhin riesige Kreuzfahrtschiffe in die Lagunenstadt einlaufen. 

Die Bilder von baumhohen Kreuzfahrtschiffen, die sich der pittoresken Lagunenstadt Venedig nähern, sind bekannt – es sind Bilder der Kontraste und die Grundlage für heftige Diskussionen. Als Anfang Juni der erste Kreuzfahrtgigant nach anderthalbjähriger Pandemie-Pause wieder auf das Weltkulturerbe zusteuerte, hagelte es Proteste. Jetzt wird auch die Unesco aktiv und übt Druck auf die italienische Regierung aus: Sollte Venedig es nicht schaffen, Kreuzfahrtschiffe aus seiner Lagune zu verbannen und ein dauerhaftes Anlegeverbot zu erlassen, könnte das Weltkulturerbe auf die Rote Liste gefährdeter Weltkulturstätten gesetzt werden.

"Ein ernsthaftes Problem für unser Land"

"Eine langfristige Lösung ist dringend notwendig", zitiert die italienische Nachrichtenagentur Ansa die Unesco. "Eine Lösung, die den Zugang zur Lagune komplett verhindert und die Schiffe auf geeignetere Häfen in der Region umleitet." Das Überleben der einzigartigen Lagunenstadt hänge davon ab. Den Vorschlag, Venedig auf die Liste gefährdeter Weltkulturstätten zu setzen, wird die Unesco im Juli dieses Jahres auf ihrer alljährlichen Vollversammlung diskutieren. Sollte diesem Vorschlag zugestimmt werden, wäre die italienische Regierung dazu aufgefordert, bis Februar 2022 einen konkreten Maßnahmenplan auszuarbeiten und der Unesco vorzulegen. 

"Leider liegt die Entscheidung der Unesco schon seit einiger Zeit in der Luft", sagte der italienische Kulturminister Dario Franceschini zu Ansa. "Venedig auf die Bedrohungsliste zu setzen, wäre ein ernsthaftes Problem für unser Land, und es gibt keine Zeit mehr zu verlieren." Zwar sei mit dem Erlass des jüngsten Dekrets bereits ein wichtiger Schritt gemacht, jedoch müsse noch mehr getan und vor allem die Durchfahrt großer Schiffe durch den Giudecca-Kanal verhindert werden, sagte Franceschini weiter.

Venedigs Industriehafen als Alternative

Die italienische Regierung hatte in der Vergangenheit bereits angekündigt, die Kreuzfahrtgiganten aus dem historischen Zentrum Venedigs zu verbannen. Statt durch den Giudecca-Kanal sah der Plan vor, die Schiffe in den Industriehafen von Marghera umzuleiten, während Pläne für den Bau eines Kreuzfahrtterminals außerhalb der Lagune ausgearbeitet werden sollten. Ein dazugehöriges Dekret wurde im April vom Unterhaus des italienischen Parlaments gebilligt, jedoch sind umfangreiche Infrastrukturarbeiten nötig, damit Kreuzfahrtschiffe überhaupt in den Hafen von Marghera umgeleitet werden können.

Derzeit befinden sich dort zwei Terminals, die jedoch ausschließlich auf die Abwicklung des Containerverkehrs spezialisiert sind. Damit Kreuzfahrtpassagier:innen dort von Bord gehen können, müsste zunächst ein neues, geeignetes Terminal gebaut werden. In der Zwischenzeit ist und bleibt die einzige Möglichkeit für die Schiffe, in Venedig einzulaufen, der Giudecca-Kanal.

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Die Drohung der Unesco, Venedig auf die Rote Liste zu setzen, hat neues Öl ins Feuer um die Kreuzfahrtriesen und das Weltkulturerbe gegossen. Auch vor Ort ist man dessen bewusst und hofft auf schnelles politisches Handeln: "Es ist ein weiterer Weckruf für die Regierung", sagte der Stadtrat für Tourismus von Venedig, Simone Venturini, der Ansa. "Die Exekutive muss das Heft in die Hand nehmen."

Venedig zählt bereits seit 1987 zum Weltkulturerbe. Sollte der Gefährdungsanlass beseitigt sein, kann Venedig wieder von der Roten Liste gestrichen werden. Wird er nicht beseitigt und ist die herausragende Weltkulturerbe-Bedeutung zerstört, könnte jedoch Venedig auch gänzlich durch die Unesco von der Welterbeliste gestrichen werden.

Quellen:Ansa / "The Guardian"

as

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