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Interview mit US-Waffenverkäufer: "Sie müssen einfach nur abdrücken"

Seit den Terrormorden melden Waffenhändler in den USA Rekordverkäufe. stern-Reporter Norbert Höfler ließ sich von Terry McGuire beraten. Sein Geschäft bei San Bernardino heißt "Get Loaded".

Terry McGuire führt seit 20 Jahren den Waffenladen "Get Loaded" in Grand Terrace bei San Bernardino. Er ist einer von über 50 Händlern in der Gegend. Dem stern führte er Pistolen und Sturmgewehre vor.

Terry McGuire führt seit 20 Jahren den Waffenladen "Get Loaded" in Grand Terrace bei San Bernardino. Er ist einer von über 50 Händlern in der Gegend. Dem stern führte er Pistolen und Sturmgewehre vor.

Die Leute stehen in ihrem Laden Schlange. Was ist los?

Die Männer und Frauen, die sie hier im Laden sehen wollen sich schützen.

Verkaufen Sie nach dem Terroranschlag mehr Waffen?

Ja, etwa 20 Prozent mehr. So einen Boom habe ich noch nie erlebt.

Welche Waffe würden Sie mir empfehlen? Ich habe keine Erfahrung mit Pistolen oder Gewehren.

Für Sie passt ein Revolver von Smith & Wesson. Ich rate zu dem Modell 642 Airweight, fünf Schuss, Kaliber 38.

(Er zeigt den Revolver, prüft ob die Waffe auch nicht geladen ist und zieht dann den Abzug drei Mal durch.)

Warum diese Waffe?

Weil Sie einfach nur abdrücken müssen.

Die Pistole hat ja nicht mal eine Sicherung?

Der Abzug ist sehr schwer und träge. Das ist Sicherheit genug.

Wie sollte ich die Waffe tragen?

Die können Sie in die Jackentasche stecken. Oder Sie tragen sie in einem Holster, innen im Hosenbund.

Man zieht und schießt.

Dafür sind diese Pistolen gemacht.

Wie viel kostet sie?

439 Dollar.

Bekommt bei Ihnen jeder eine solche Waffe?

Nein. Ich schicke auch schon mal Kunden wieder weg.

Warum?

Wenn ich den Eindruck habe, die sollten besser keine Waffe besitzen. Ich will nie erleben, dass mit einer aus meinem Laden ein Unschuldiger erschossen wird.

Gibt es noch andere Gründe?

Manche können mit Schusswaffen nicht umgehen. Sie sind zu zögerlich, zu unsicher. Sie scheinen mir auch ein solcher Typ zu sein.

Wieso?

Ich sehe doch mit einem Blick, dass Sie die Pistole nicht mögen, dass Sie Skrupel hätten abzudrücken. Vielleicht passt eine Elektroschock-Pistole, ein Teaser besser zu Ihnen. Damit können Sie in der Regel nicht töten.

Das Gebäude der Gesundheitsbehörde in San Bernardino war eine waffenfreie Zone. Nun sagen US-Politiker: Hätten die Opfer Pistolen gehabt, Sie hätten sich wehren können. Wie denken Sie darüber?

Vielleicht hätte es weniger Tote gegeben. Aber die Mörder kamen zur Tür herein, mit zwei Sturmgewehren und feuerten sofort los. Da sind die Chancen, sich verteidigen zu können, nicht sehr groß. Keiner rechnet mit einem Angriff während einer Weihnachtsfeier mit Kollegen. Die Leute waren wie Enten auf einem Teich, wehrlose, hilflose Opfer.

Überlebende sagen, die Frau trat in den Raum und feuerte sofort los. Das Nachladen ging sehr schnell. Sie hatte ein AR-15 Sturmgewehr, die Sicherung, die das schnelle Nachladen verhindern sollte, war ausgebaut.

(McGuire holt ein AR-15 aus dem Regal hinter ihm und zeigt auf einen Sicherungsknopf.) Wer sich ein wenig auskennt, baut die Sperre in wenigen Minuten aus. Kein Problem.

Könnte ich dieses Sturmgewehr heute bei Ihnen kaufen?

Ja. Wenn Sie sich zum Beispiel mit einem Führerschein als Bürger Kaliforniens ausweisen können. Dann verkaufe ich Ihnen die Waffe. Aber das Gewehr bleibt erst einmal zehn Tage bei mir im Laden. So lange dauert der Backgroundcheck.

stern-Reporter Norbert Höfler und Fotograf David McNew im Waffenladen von Terry McGuire

Terry McGuire zeigt stern-Reporter Norbert Höfler (l.) und Fotograf David McNew seinen Waffenladen "Loaded Gun"

Was wird überprüft?

Ob Sie Vorstrafen haben, im Knast waren. Ob Sie mit psychischen Problemen auffällig geworden sind. Wenn das alles nicht zutrifft, können Sie nächste Woche kommen und das Gewehr abholen. Ich würde Ihnen aber viele Trainingsrunden empfehlen. Ich kann Ihnen beibringen, wie man wirklich sicher damit umgeht.

Der Preis?

Neu, 750 Dollar.

Die AR-15 der Täter sollen angeblich ohne Überprüfungen auf Waffenmessen - sogenannten Gun-Shows - gekauft worden sein.

Das höre ich auch. In Kalifornien wäre das legal nicht möglich.

Warum?

Ich selbst habe Verkaufsstände auf solchen Messen. Wenn Sie legal eine Waffe kaufen wollen, gilt die gleiche Prozedur wie eben besprochen: Ausweis oder Führerschein und Backgroundcheck.

Wie umgeht man die Kontrollen?

Sie fahren über die Grenze nach Arizona. Dort fragt niemand.


Eine ausführliche Reportage über das geheime Leben des Terror-Paares von San Bernandino lesen Sie im neuen stern.