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Zusammenstoß in Shanghai: U-Bahn-Unglück geht glimpflich aus

Zwei Monate nach dem verheerenden Zusammenstoß zweier chinesischer Hochgeschwindigkeitszüge sind am Dienstag in Shanghai zwei U-Bahnen miteinander kollidiert. Die Passagiere hatten Glück im Unglück: Die meisten kamen mit Prellungen und Knochenbrüchen davon.

Zwei Monate nach einem schweren Zugunglück in Ostchina sind beim Zusammenstoß zweier U-Bahnen im Stadtzentrum von Shanghai am Dienstag mehr als 260 Menschen verletzt worden. Amtlichen Medien zufolge ereignete sich vor dem Unfall eine Signalstörung, so dass die Fahrer ihre Anweisungen per Telefon bekamen. Die Züge stießen in der Nähe des bei Touristen beliebten Yu-Yuan-Gartens zusammen. Nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Xinhua erlitten die meisten Verletzten Prellungen und Knochenbrüche. Die Internetseite der Zeitung "Dongfang Zaobao" berichtete von 20 Schwerverletzten. Im Internet veröffentlichte Fotos zeigten Menschen mit blutüberströmten Gesichtern und Rettungskräfte bei ihrer Arbeit im Innern der Züge.

"Dieser Unfall hätte nicht passieren dürfen", sagte der Passagier Wen Pei der Nachrichtenagentur AFP in der Notaufnahme des nahegelegenen Ruijin-Hospitals. "Ich hatte das Gefühl, der Zug fuhr mit ziemlicher Geschwindigkeit", berichtete ein weiterer Verletzter. "Plötzlich stoppte der Zug, ich verlor das Gleichgewicht, schlug mit dem Kopf gegen eine Stange und fing sofort an zu bluten".

Die betroffene Linie wurde 2010 eröffnet. Das U-Bahnnetz der Handelsmetropole ist in den vergangenen Jahren rasant gewachsen. Shanghai hatte laut Xinhua im Jahr 2005 erklärt, dass Zusammenstöße dank moderner entwickelter Technik in seinem U-Bahnsystem nicht passieren könnten.

Verärgerte Kommentare im Internet

Über den Unfall am Dienstag wurde in Internetforen heftig diskutiert. Auch nach dem Zusammenstoß zweier Hochgeschwindigkeitszüge im Juli äußerten viele Chinesen Verärgerung über die Regierung und warfen ihr vor, zu langsam zu reagieren und das Unglück vertuschen zu wollen. Damals waren 40 Menschen getötet und rund 200 weitere verletzt worden. Obwohl das Ergebnis der Untersuchung noch aussteht, gehen die Behörden davon aus, dass ein Haltesignal nicht umgesprungen war. Obwohl das Ergebnis der Untersuchung noch aussteht, gehen die Behörden davon aus, dass ein Haltesignal nicht umgesprungen war. Nach einem Onlinebericht des renommierten Magazins "Caixin" wurden die Signale auf der Unglücksstrecke von damals von der selben Firma gefertigt wie die der U-Bahn in Shanghai.

Zusätzliche Empörung rief ein Fernsehbericht hervor, wonach drei Schaffner ebenfalls im Osten Chinas einen Zugpassagier totgeschlagen haben sollen. Laut dem Lokalsender der Provinz Jiangxi hatte sich der Mann in einen Streit mit einem weiteren Passagier eingemischt - daraufhin hätten die Schaffner ihn an der Gurgel gepackt, auf ihn eingeprügelt und den Mann dabei so schwer verletzt, dass er noch auf dem Weg ins Krankenhaus gestorben sei. Der Bericht zeigte ein von 20 Mitreisenden unterzeichnetes Dokument, die den Vorfall bezeugten. Daraufhin kündigte ein Bahnsprecher am Dienstag Ermittlungen der Bahnpolizei an.

jwi/Reuters/AFP / Reuters
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