Weltkindertag in Myanmar Eine Schule für Nway


Als am 2. Mai der Wirbelsturm Nargis über Myanmar gefegt war, hinterließ er fast 85.000 Tote und 2,5 Millionen Obdachlose. Nway verlor ihre komplette Familie und das Haus, in dem sie gelebt hatte. Der Internationale Kindertag am Samstag ist für sie dennoch ein Tag der kleinen Freude: Die Siebenjährige kann endlich wieder zur Schule gehen.
Von Manuela Pfohl

Vom Internationalen Weltkindertag, der seit 1954 jährlich am 20. September gefeiert wird, hat Nway noch nie etwas gehört. Die Siebenjährige aus Myanmar geht nicht mit ihren Eltern in den Zoo, oder ins Kino. Sie sitzt im Kinderzentrum der internationalen Hilfsorganisation World Vision und hofft wie jeden Tag darauf, dass ihre Eltern wiederkommen und ihre drei Geschwister. Doch sie kommen nicht wieder. Sie starben, als der Zyklon am 2. Mai über das kleine Dorf Nat Sin im Irrawaddy-Delta fegte und fast alles zerstörte.

Nway hat alles verloren

Nway erinnert sich an jede Minute, immer wieder hat sie den Helfern im Auffanglager davon erzählt: "In der Nacht, nach stundenlangem wütenden Wind und Regen, schwächte sich der Sturm ab. Die meisten Häuser im Dorf hatten schon ihre Dächer verloren, und das Wasser war bis zu fünf Fuß hoch gestiegen. Die Leute dachten, das Schlimmste wäre vorüber. Aber dann kam der Sturm um Mitternacht wieder.

Als unser Haus zusammenbrach, brachte mich mein Onkel zum Haus des Gemeindeältesten, das ungefähr hundert Meter von unserem Haus entfernt war. Mehr als hundert Leute quetschten sich in das Haus. Einige waren verletzt. Als die Sonne aufging, erkannten wir, dass das Haus des Gemeindeältesten das einzige war, das noch stand." Ein Viertel der 400 Dorfbewohner war in den Fluten umgekommen. Nways Familie gehörte dazu. Seitdem ist das kleine Mädchen allein.

Endlich wieder lernen

Aus dem sogenannten PONJA-Report, einer gemeinsamen Untersuchung von UN-Organisationen, Hilfsorganisationen und Regierungsstellen geht unter anderem hervor, dass in den am schlimmsten betroffenen Gebieten etwa 450.000 Wohnhäuser und 60 Prozent aller Schulen zerstört wurden. Bis zu 2,5 Millionen Menschen haben alles verloren. Hunderte Wasserquellen sind verseucht, zahllose Reisfelder unbrauchbar geworden. Schätzungsweise eine Million Kinder sind seit der Katastrophe auf fremde Hilfe angewiesen.

Nway muss lernen, ohne ihre Familie zu leben. Jedes Stückchen Alltag hilft ihr dabei. Wie die Schule, in die sie endlich wieder gehen kann. Das Gebäude, in dem das Mädchen vor einem Jahr eingeschult wurde und in dem sie stolz ihre ersten Buchstaben schrieb und neue Lieder lernte, war vom Zyklon zwar zerstört worden. Dank internationaler Hilfe konnte aber eine Baracke errichtet werden, die jetzt als Schule dient.

Organisationen, wie World Vision und Unicef versuchten schon Ende Mai in den betroffenen Regionen Notschulen einzurichten. "Das ist ein wichtiger Schritt, auf dem langen Weg zurück in die Normalität. Die Kinder brauchen Sicherheit und Stabilität und dazu gehört besonders der tägliche Schulbesuch", erklärt der Leiter von Unicef in Myanmar, Ramesh Shrestra.

1000 Schulzelte, 100.000 Schulpakete und 200.000 Plastikplanen wurden im Rahmen der Aktion "Zurück in die Schule" bereitgestellt. 150.000 Kinder bekamen bereits vier Wochen nach dem Zyklon neue Bücher. Auch Nway hat jetzt wieder Stifte, Papier, Bücher und sogar eine Schuluniform. Sie will lernen - und wie alle anderen Kinder auf der Welt glücklich sein. Vielleicht schon am Kindertag 2009.


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker