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Wetter-Chaos: Es fährt ein Zug nach Nirgendwo

Leise rieselt der Schnee, es ist krachkalt und wohltuend still - aber wehe dem, der an Weihnachten verreisen musste. Egal, ob im Flieger, im Auto oder in der Bahn.

Vereiste Oberleitungen und umgestürzte Bäume haben den Bahnverkehr an Heiligabend auf wichtigen Routen in Deutschland lahmgelegt. Auf dem Weg zu Familien und Freunden mussten Reisende oft stundenlang in überfüllten Zügen ausharren. Riesenprobleme gab es auf der Strecke Berlin-Hannover. Die Ost-West-Achse zählt zu den wichtigsten Verbindungen im bundesweiten Bahnnetz. Dort war gegen Mittag in Sachsen-Anhalt nur ein Gleis frei, über das ICE-Züge in beide Richtungen gelenkt wurden. Am frühen Freitagabend war die die Strecke Berlin-Hannover wieder auf beiden Seiten befahrbar, wie ein Bahnsprecher sagte. Es sei aber nicht ausgeschlossen, dass sich durch den Eisregen wieder Eiszapfen an den Oberleitungen bilden.

Viele wartende Fahrgäste auf den Bahnsteigen nahmen die Situation gelassen oder mit Sarkasmus auf. "Ich hoffe, dass ich heute überhaupt noch ankomme", sagte ein junger Mann am Berliner Hauptbahnhof. "Wir sagen den Verwandten Bescheid, dass wir später kommen, und dann wird eben länger gefeiert", meinte eine andere.

Horror-Crash auf der A17

Ebenso kritisch war die Situation auf den zum Teil spiegelglatten Straßen. Bei einer Massenkarambolage auf der Autobahn 17 bei Pirna wurden am Freitag ein Mensch getötet und acht Menschen teils schwer verletzt worden. Wie die Polizei mitteilte, waren bei Glatteis am Morgen fünf Lkw und sieben Pkw kurz vor dem Grenzübergang zu Tschechien ineinandergerast. Der Fahrer eines polnischen Lastzuges wurde dabei tödlich verletzt. Unter den Verletzten sind vier Kinder. Die A17 war vorerst in beiden Richtungen komplett gesperrt.

Auch mit dem Flieger ging es nur selten weiter. Auf dem Pariser Flughafen Charles de Gaulle tobte Weihnachten das Chaos: Etwa 2000 Passagiere saßen fest. Übermüdet, frustriert und verärgert mussten sie erleben, wie bereits am Morgen 400 der geplanten 1160 Flüge gestrichen wurden. Der Grund: Am Flughafen gab es kaum noch das Enteisungsmittel Glykol für die Flugzeuge. Bis Mittag wurde daher auf Empfehlung der Zivilluftfahrtbehörde die Hälfte, am Nachmittag dann noch immerhin 35 Prozent aller geplanten Flüge gestrichen. Als ein Hallendach unter den Schneemassen nachzugeben drohte, musste das Terminal 2E geräumt werden.

Hallendächer in Deutschland eingebrochen

Nicht einmal die Daheimgebliebenen waren überall sicher. Unter der großen Schneelast brachen in mehreren deutschen Städten Hallendächer zusammen. Allein im Raum Aachen stürzten am Freitag die Dächer zweier Reithallen sowie ein Scheunendach ein. "In allen Fällen gab es keine Verletzten", teilte die Polizei mit. In Münster konnte das Dach einer Turnhalle nicht mehr standhalten, in Dortmund gab die Überdachung einer Lagerhalle nach. Im thüringischen Hermsdorf brach die Lagerhalle eines Hausmeisterdienstes unter der Last einer 50 Zentimeter dicken Schneedecke zusammen. Auch bei diesen Vorfällen wurde niemand verletzt.

lk/DPA/DAPD / DPA