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Wetterkapriolen im Herbst: Ein November der Superlative

Seit sechs Wochen kein Regen, der Rheinpegel im Keller und Waldbrände in Bayern, die Skisaison ist in Gefahr: Der November trumpft mit neuen Wetterextremen auf.

Von Rebecca Brockmeier

Ohne Frage, dieser November entschädigt für vieles: Mit seinen ungewöhnlich hohen Temperaturen und extrem wenig Regen lässt er sogar den total feuchten und kalten Sommer fast vergessen. Die Wetterkapriolen führen dabei zu einigen Kuriositäten: Durch die aktuell anhaltende Inversionswetterlage, bei der sich die Wetterverhältnisse in der Höhe und am Boden umkehren, ist es zum Teil in höheren Lagen deutlich wärmer als im Flachland. Doch wenn man der Mehrheit der Wetterdienste Glauben schenkt, sollten wir uns jetzt langsam mal warm anziehen – es wird kalt.

Der Onlinewetterdienst Wetter.net hat die vergangenen Monate jetzt in Zahlen zusammengefasst und gleichzeitig eine Prognose für den Winter abgegeben. Und so wie es aussieht, wird dieser November wohl als trockenster seit Beginn der Wetteraufzeichnungen in die Annalen eingehen: "Der Niederschlag liegt bei unter einem Prozent dessen, was normalerweise im Durchschnitt im November herunterkommt", so Diplom-Meteorologe Dominik Jung von wetter.net. In vielen Städten liege der Niederschlag sogar bei null Prozent. Es ist so ungewöhnlich trocken, dass in Bayern am Sonntag sogar ein Feuer ausbrach, das aktuell immer noch mit Hubschraubern aus der Luft bekämpft wird.

Rekordverdächtig dünne Schneedecke auf der Zugspitze

Besonders bemerkbar macht sich der fehlende Niederschlag in den Alpen: Auf der Zugspitze liegen gerade einmal 20 Zentimeter Schnee, der zweitniedrigste Wert, der jemals gemessen wurde. Wenn nicht bald die ersten Flocken fallen, steht ein Schneemangel-Rekord bevor. "Dass am Monatsende noch Schnee fällt, ist dieses Jahr mehr als fraglich, denn die kommenden Tage dauert das beständige Hochdruckwetter an", so Jungs Prognose. Auch für die Flussschifffahrt hat der fehlende Regen Konsequenzen: Im Rhein tun sich bereits die ersten Sandbänke auf, Schiffer dürfen ihre Kähne nicht mehr voll beladen.

Regenmangel und viel Sonne: Rund 20 Prozent länger als üblich schien sie bis jetzt im November. Aber, wer diese Woche bereits zum ersten Mal über den Weihnachtsmarkt gestreift ist, hat es bemerkt: Es ist deutlich kälter als Anfang des Monats. War der November zu Beginn noch viel zu warm, sank der Wärmeüberschuss in den vergangenen Tagen kontinuierlich. Aktuell sind es 1,2 Grad über dem Durchschnitt, Tendenz fallend.

Erster Regenwolken sind unterwegs

Noch hält Hochdruckgebiet Yana sämtliche Tiefs fern und sorgt für weiterhin stabiles Wetter. Damit ist im Norden bald Schluss: Am Wochenende ziehen dort die ersten kleinen Regengebiete durch. Zum ersten Mal seit sechs Wochen sollte also jeder, der nicht gern nass wird, den Regenschirm einpacken. Was danach kommt, da sind sich die Wetterdienste noch nicht ganz einig: Während Wetter.net und der österreichische Wetterdienst ZAMG einen überdurchschnittllich kalten Winter prognostizieren, geht der Deutsche Wetterdienst aktuell von durchschnittlich kalten Temperaturen aus. Es bleibt also abzuwarten, ob der Winter zum Skifahren taugen wird oder nicht. Was die meisten mehr interessieren dürfte: Wie sieht es mit weißen Weihnachten aus? Meteorologe Jung wagt eine erste Prognose: "In höheren Lagen über 200 Metern liegt die Wahrscheinlichkeit bei 60, darunter bei 40 Prozent."