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Wieder Notfahrplan: Berlin droht neues S-Bahn-Chaos

Die Berliner S-Bahn kommt nicht aus den Negativschlagzeilen: Erneut muss ein Großteil der Züge aus Sicherheitsgründen repariert werden. Da nur 30 Prozent der Bahnen fahren, gilt ab Dienstag ein Notfahrplan - Chaos ist programmiert.

Neue Fahrzeugmängel zwingen die Berliner S-Bahn abermals kurzfristig zu einem Notfahrplan, der bereits ab Dienstag gelten soll. Wie die Deutsche Bahn am Montagabend mitteilte, stehen erneut nur noch 30 Prozent der benötigten Fahrzeugflotte zur Verfügung. Der Vorstand Personenverkehr, Ulrich Homburg, sagte, dies sei ein "schwarzer Tag" für Berlin und die S-Bahn. Die Sicherheit habe aber uneingeschränkten Vorrang. Bei einem Großteil der Züge müssten unverzüglich die Bremszylinder ausgetauscht werden, teilte Homburg mit.

Während einer Routineüberprüfung war ein Wagen entdeckt worden, bei dem vier von acht Bremszylindern gleichzeitig ausgefallen waren. "Ich bin erschrocken darüber, dass wir solch gravierende Mängel finden", sagte er. Er kündigte eine lückenlose Überprüfung des Vorfalls an. Die Berliner Verkehrssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) zeigte sich in der "Berliner Zeitung" "fassungslos".

Dienstag wird es "außerordentlich holprig werden"

Für den Betrieb stehen laut Bahn nur noch 163 von rund 530 S-Bahnen zur Verfügung. Homburg rechnet damit, dass der Notfahrplan am Dienstag noch nicht recht funktionieren werde. Es werde "außerordentlich holprig werden". Auf mehreren wichtigen Linien fahren vorerst gar keine Züge. Ab Mittwoch solle der Notfahrplan aber komplett in Kraft sein. Zur Außerbetriebnahme der Züge gebe es keine Alternative, sagte Homburg. Reisenden wurde empfohlen, in der City U-Bahnen, Busse und Straßenbahnen zu nutzen. Die Berliner Verkehrsbetriebe haben sich laut Senat bereit erklärt, mit der S-Bahn wiederum über Nothilfen zu sprechen.

Dienstag wird es "außerordentlich holprig werden"

Ein Szenario für die Wiederinbetriebnahme steht laut Homburg noch nicht. Dies hänge auch von der Lieferfähigkeit neuer Bremszylinder ab. Konstruktionsfehler sind offenbar nicht die Ursache der Sicherheitsmängel. Homburg sprach von schweren Versäumnissen bei der S-Bahn Berlin, die wahrscheinlich in das Jahr 2004 zurückreichten. Verantwortliche hätten gegen das eigene Regelwerk verstoßen. Sie müssten "ohne Wenn und Aber" zur Rechenschaft gezogen werden, forderte er. Die Versäumnisse lägen in der Zeit des harten Sparkurses.

Die Berliner S-Bahn hat seit Monaten Probleme. Ihr Fahrplan war im Frühjahr durcheinander geraten, weil Mängel an Rädern auffielen. Seitdem müssen auf Druck des Eisenbahnbundesamts Wagen häufiger als zuvor kontrolliert werden. Verbindungen wurden deshalb eingeschränkt. Seit Ende Juli hatte sich der S-Bahn-Verkehr wieder teilweise normalisiert. Inzwischen waren 70 Prozent der Züge wieder im Einsatz. Ob die Rückkehr zum normalen Fahrplan wie bisher angestrebt im Dezember zu halten sei, könne man noch nicht absehen, so Homburg. Laut Eisenbahnbundesamt hat die S-Bahn "in eigener Verantwortung entschieden, eine große Zahl von Zügen stillzulegen."

AP/DPA / AP / DPA