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Wikileaks-Gründer: Julian Assange befürchtet Mordanschlag

Sein Schicksal liege in der Hand der britischen Regierung, sagt Julian Assange. Der Wikileaks-Gründer, der sich gerade unter Hausarrest in Großbritannien aufhält, fürchtet um sein Leben, wenn er an die USA ausgeliefert werden sollte. Er vergleicht sich mit dem mußtmaßlichen Mörder von John F. Kennedy.

Der Gründer der Online-Enthüllungsplattform Wikileaks, Julian Assange, fürchtet für den Fall seiner Auslieferung an die USA um sein Leben. Es gebe eine "große Chance", dass er in einem US-Gefängnis von verärgerten Mithäftlingen getötet werde, sagte er der britischen Tageszeitung "The Guardian" vom Freitag. Die USA suchen derzeit nach Wegen, Assange wegen Geheimnisverrats vor Gericht zu stellen.

Wenn Großbritannien seine Eigenständigkeit wahren wolle, sei die Auslieferung jedoch "politisch unmöglich", sagte Assange der Zeitung. Das Land habe das Recht, bei politischen Delikten eine Überstellung zu verweigern. "Spionage ist der klassische Fall eines politischen Verbrechens", fügte er hinzu. Es liege daher im Ermessen der britischen Regierung, sich auf diese Ausnahme zu berufen.

Ein Mord im "Jack-Ruby-Stil"

Im Falle einer Auslieferung rechne er mit Einzelhaft. Er glaube, diese mental aushalten zu können. Er befürchte aber, in einem US-Gefängnis im "Jack-Ruby-Stil" getötet zu werden, sagte er in Anspielung auf den Mann, der Lee Harvey erschoss, den mutmaßlichen Mörder von US-Präsident John F. Kennedy.

Seine Plattform hatte in den vergangenen Monaten US-Dokumente zu den Einsätzen in Afghanistan und im Irak sowie Depeschen aus US-Botschaften in aller Welt öffentlich gemacht. Assange steht derzeit in Großbritannien unter Hausarrest. Schweden fordert wegen des Verdachts auf Vergewaltigung und sexuellen Missbrauch seine Auslieferung. Der 39-jährige Australier befürchtet, dass er letztlich an die USA überstellt wird.

Norwegische Zeitung hat die 250.000 Geheimdepeschen

Die norwegische Zeitung "Aftenposten" teilte unterdessen mit, sie sei die erste Medienorganisation, die außer den fünf Wikileaks ausgewählten Nachrichtenmagazinen und Zeitungen Zugang zu allen 250.000 US-Geheimdepeschen erlangt habe, mit denen die Enthüllungsplattform zuletzt weltweites Aufsehen erregt hatte. "Wir haben dies Dokumente ohne Auflagen und ohne etwas dafür zu bezahlen bekommen" sagte Redaktionsleiter Ole Erik Almlid. Die Zeitung werde die ihr wichtig erscheinenden Depeschen veröffentlichen und unter Umständen heikle Informationen wie Namen unkenntlich machen. Wikileaks hatte die US-Diplomatendepeschen dem Hamburger "Spiegel, der "New York Times", dem Londoner "Guardian", der Pariser "Le Monde" und der spanischen Zeitung "El Pais" zur Verfügung gestellt.

swd/AFP/DAPD