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stern-Kolumne "Winnemuth": So einfach ist das nicht

Croissant plus Donut: Cronut. Brötchen plus Bagel: Brögel. Wenn man Tolles vermengt, kommt nicht automatisch etwas noch Tolleres dabei heraus.

Anstehen für Cronuts: Anscheinend kommt der Croissant-Donut-Hybrid beim gemeinen Backwarenliebhaber an

Anstehen für Cronuts: Anscheinend kommt der Croissant-Donut-Hybrid beim gemeinen Backwarenliebhaber an

Heute Morgen habe ich beim Bäcker einen Dinkel-Brögel mit Amaranth gekauft, bin auf dem Weg in meine neue Potsdamer Bleibe einem Goldendoodle und einem Maltipoo begegnet, habe ein 11-in- 1-Tab in die Geschirrspülmaschine geworfen und gedacht: Klasse, machen wir da jetzt eine oder drei Kolumnen draus? Okay, dieses Mal einfach eine 3-in-1-Kolumne, die liegt voll im Trend.

Fangen wir mit dem Brögel an. Dem was? "Das ist ein Bagel aus Brötchenteig", erklärte mir die Bäckereiverkäuferin. "Mit Dinkel drin und Amaranth drauf." Und vorbeigetragen an einem Sack Mohn und gelagert auf einem Sesambett und … Nein, schon gut. Seitdem die Backwarenbranche versucht, die deutsche Backkunst von der Unesco als "immaterielles Kulturerbe" schützen zu lassen (und damit zu vietnamesischer Đon-ca-tài-tu-Musik und belgischem Krabbenfischen zu Pferde aufzuschließen), überschlägt sie sich im Erfinden ständig neuer Brot- und Brötchensorten.

Stolz vermeldete Neuzugänge unter den inzwischen 3072 offiziell gezählten Brotspezialitäten sind das Erbsen- Kräuter-Käse-Brot, die Korntaler Brotsinfonie, das Spargelkrüstchen und das Senf-Paprika-Brot, dazu kommt Kleingebäck wie Maisbrögel, Dinkelkrusti und Knollie, das Kartoffelbrötchen. Schwer zu sagen, ob das am Ende nicht vielleicht sogar kontraproduktiv ist, denn ernsthaft: Ist das Senf-Paprika-Brot wirklich schützenswert? Sollte man es nicht lieber einen schnellen, gnädigen Tod sterben lassen?

Sich hauen und dabei was für den Rücken tun!

Die wuchernde Vervielfältigung des deutschen Backwerks hat vor Jahren mit der Kreuzung von Croissant und Laugenbrötchen begonnen und findet derzeit einen neuen Höhepunkt im Cronut, dem in Lifestyle- Blättern als Erweckungserlebnis gefeierten Mix aus Croissant und Donut. Will man die Kalorien wieder loswerden, begibt man sich in ein Fitnessstudio zu einer Stunde Piloxing (ganz recht: Pilates & Boxen) oder Pilardio (Pilates & Cardio), und wenn man danach noch Kraft hat, führt man seinen Labradoodle aus, den derzeitigen Top-Modehundmix aus Labrador und Pudel. Abends guckt man ermattet eine Doku-Soap oder eine andere Form von Edutainment.

Die Grundidee war ja mal gar nicht so schlecht: Wir nehmen die besten Attribute verschiedener Hunde/Sportarten/Fernsehformate und kombinieren sie zu etwas Unwiderstehlichem. Ein freundlicher Hund, der nicht haart und antiallergen ist! Sich bilden und sich dabei noch amüsieren! Sich hauen dürfen und dabei was für den Rücken tun!

Wir wollen betrogen werden

Leider sind, wie jeder Hundezüchter weiß, die dabei entstandenen Hybriden nicht geeignet für die Weiterzucht. Einmal und nie wieder, sonst brechen sich die miesen Eigenschaften Bahn. Immer wenn man Dinge zusammenzwingt, die nicht füreinander gedacht sind, kommt Mist dabei heraus. Zum Beispiel das neueste Ding auf dem Kosmetikmarkt: Bodylotions, die man noch unter der Dusche auf die nasse Haut aufträgt und dann gleich wieder abduscht? Um dann sofort in die Klamotten springen zu können? Ein Quatsch, randvoll mit Filmbildnern und Weichmachern und Augenwischerei.

Aber wir wollen so gern betrogen werden, wir hätten es halt gern bequem. Wir sind im 21. Jahrhundert, das muss doch gehen, das 3-in-1- oder gar 11-in-1-Prinzip (wenn Sie sich das je gefragt haben sollten, welche Zauberkräfte ein einziges Geschirrspülertab vereint: Reiniger, Fettlösekraft, Klarspülfunktion, Salzfunktion, Edelstahlglanz, Glasschutz, Silberschutz, Reinigungsverstärker, Maschinenschutz, Geruchsneutralisierer und Trockeneffekt. Gern geschehen). Nee. Klappt nicht. Multifunktionalität ist Murks, bei Menschen und Maschinen. Und bei Brötchen erst recht.

Die Kolumne ...

... von Meike Winnemuth finden Sie immer schon donnerstags im aktuellen stern.

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Themen in diesem Artikel
Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.