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Bio-Gifte: Die Gefahr lauert in der Kartoffelschale

Bio ist in - weil die Produkte naturbelassen sind. Gefahr droht jedoch nicht nur durch chemische Zusätze und Pestizide: Obst und Gemüse kann auch natürliche Giftstoffe enthalten, wenn es falsch zubereitet wird.

Gesundheitsbewusste Verbraucher suchen beim Einkaufen naturbelassene Produkte aus - Hauptsache, es sind keine chemischen Zusätze wie Aromen und Konservierungsstoffe enthalten. Doch es gibt auch natürliche Gifte, mit denen nicht zu spaßen ist. "Wir beobachten, dass die Menschen mit solchen Stoffen eher lax umgehen", sagt Claudia Weiss von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg.

Klassisches Wissen verschwinde zusehends. Dazu gehört nach Angaben der Verbraucherschützerin, dass grüne Bohnen nicht roh verzehrt werden dürfen. "Das ist gesundheitsschädlich", sagt Weiss. Schuld daran ist der Inhaltsstoff Phasin, der jedoch durch Kochen unschädlich gemacht wird. Unbehandelt führt das Eiweiß dazu, dass die roten Blutkörperchen miteinander verkleben. Dadurch kann es zu einer blutenden Magen-Darm-Entzündung kommen, die im schlimmsten Fall zum Tod führen kann. Schon der Verzehr von fünf bis sechs rohen grünen Brech- oder Stangenbohnen kann dazu ausreichen.

Kartoffen am besten immer schälen

Auch bei Kartoffeln ist große Vorsicht geboten: Bei unsachgemäßer Behandlung ist das Nachtschattengewächs richtig giftig. Kartoffeln bilden zur Abwehr von Schädlingen natürliche Gifte wie das Alkaloid Solanin. Bei falscher Lagerung der Knollen dringt das Gift auch ins Innere vor. Gefahr besteht zum Beispiel, wenn Kartoffeln in durchsichtigen Verpackungen gelagert und Neonlicht ausgesetzt sind. In hohen Dosen genossen, verursachen die Naturgifte unter anderem Durchfall, Übelkeit und Benommenheit.

Verbraucherschützer raten dringend zum Schälen von Kartoffeln, ob Bioprodukte oder nicht; stark gegrünte oder gekeimte Kartoffeln sollten am besten gar nicht gegessen werden. Damit der Alkaloidgehalt erst gar nicht ansteigt, müssen die Erdäpfel dunkel und kühl gelagert werden.

Bitterer Geschmack ist ein Alarmsignal

Grund zur Panik gibt es aber nicht, wie der für Kartoffeln zuständige Abteilungsleiter der Bundesforschungsanstalt für Ernährung und Lebensmittel in Detmold, Norbert Haase, erläutert. Hohe Alkaloidgehalte machen sich ohnehin durch bitteren Geschmack bemerkbar - ab einer Konzentration von 140 Milligramm pro Kilogramm Kartoffeln.

Ein Grund, weshalb seine Mitarbeiter neue Kartoffelsorten vor der Zulassung durch das Bundessortenamt einem Geschmackstest unterziehen. Ergebnis: Unter den rund 130 zugelassenen Sorten gebe es keine bitter schmeckende. Als Grenzwert für eine toxische Dosis würden 200 Milligramm pro Kilogramm Knollen angesehen. Nachgewiesen habe sein Institut in Kartoffeln maximal 30 Milligramm Alkaloide pro Kilo, in ungeschälten allerdings schon bis zu 100 Milligramm. Haase: "Wenn ich 200 Gramm nur Schale zu mir nehme, kann ich mir Probleme einhandeln. Doch wenn ich mich normal verhalte, nicht." Vom Verzehr frittierter Kartoffelschalen - unter anderem in den USA sei dies gerade sehr angesagt - rät der Experte deshalb dringend ab.

Imke Zimmermann/AP / AP
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