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Militär Gehaltsabrechnung eines Legionärs: So zogen die Römer ihre Soldaten über den Tisch

Der Kaiser Titus plünderte den Tempelschatz in Jerusalem.
Der Kaiser Titus plünderte den Tempelschatz in Jerusalem.
© akg-images / Werner Forman/ / Picture Alliance
Der Dienst in einer römischen Legion war hart und gefährlich. Und er lohnte sich unter Umständen nicht: Die Zahlmeister beherrschten die Kunst, durch Abzüge die Auszahlung auf null zu bringen.

In jeder Epoche macht das Militär den einfachen Soldaten große Versprechungen, die dann nicht eingehalten werden. Ein bekannter Trick bezieht sich auf den Sold. Nominell ist das meist eine stattliche Summe, nur ausgezahlt wird wenig.

Diese Methode beherrschten schon die Römer, was der Gehaltszettel eines Legionärs beweist, der bei der Ausgrabung eines 1900 Jahre alten römischen Lagers im heutigen Israel gefunden wurde. Legionär Gaius Messius hatte ohnehin kein gutes Los gezogen. Ihn verschlug es ins heutige Israel – im römischen Imperium galt die Gegend auch ohne Krieg schon als "Shithole Country".

Jüdischer Aufstand gegen Rom

Gaius Messius geriet in den großen jüdischen Aufstand gegen die römische Besatzung. Er nahm an der Belagerung der Bergfestung Masada teil. Die Anlage hatte Herodes ausgebaut. Sie lag uneinnehmbar auf einem steil aufragenden Felsen in der Wüste.

Roms Legionen kommen in vielen Filmen vor, hier etwa "Der Adler der IX Legion". Aber der Sold ist kein Thema für Hollywood.
Roms Legionen kommen in vielen Filmen vor, hier etwa "Der Adler der IX Legion". Aber der Sold ist kein Thema für Hollywood.
© PR

Gaius Messius sollte eigentlich 50 Denare für den Kriegsdienst erhalten. Wenn da nicht die "Abzüge" wären, sie drückten seine Auszahlung praktisch auf null. Ihm wurden Gerste, Lebensmittel und Ausrüstungsgegenstände in Abzug gebracht. Auch das Futter für ein Reittier wurde an ihn weiter gereicht. Der Lohnzettel wurde an dem Ort gefunden, an dem die Römer während der Belagerung ihr Lager aufgeschlagen hatten und ist auf die Zeit kurz nach dem Krieg datiert.

Die Übersetzung des Dokuments findet sich in der "Database of Military Inscriptions and Papyri of Early Roman Palestine".

Auf dem Zettel steht:

Im vierten Konsulat des Imperators Vespasianus Augustus.

Konten, Gehalt. Gaius Messius, Sohn des Gaius, vom Stamme Fabia, aus Beirut.

Ich habe meinen Lohn von 50 Denarii erhalten, wovon ich 16 Denarii Gerstengeld bezahlt habe. Lebensmittelkosten 20 Denare; Stiefel 5 Denare; Lederriemen 2 Denare; Leinentunika 7 Denare.

Die Summe der Abzüge beträgt exakt 50 Denare - Messius gesamtes Gehalt wurde abgezogen. Die Kosten sind allesamt unvermeidlich und sind nicht etwa auf Spiel oder Gelage zurückzuführen. Ein Legionär wie er konnte praktisch keinen Gewinn machen. Nur die Aussicht auf Beute und andere Einnahmen, die nicht der römische Staat bezahlen musste, konnten zu einem "Plus" führen.

Die Anlage Masada wurde von der Legion X Fretensis belagert. Doch nach dem langen Krieg war die Zehnte weit unter Sollstärke. Sie wurde von 4000 Mann Auxiliartruppen verstärkt. Zu ihnen gehörte vermutlich auch Gaius Messius. Dafür spricht zumindest sein Reittier und die lokale Herkunft. Auxiliarsoldaten erhielten meist weniger Sold als die regulären Legionäre.

Belagerung der Bergfeste

Heute ist Masada eine bekannte Touristenattraktion. Über Jahrhunderte wurde sie vergessen, erst 1842 wurde sie wiederentdeckt. Die Festung liegt auf einem isolierten Plateau. Die Felswände fallen 300 Meter tief steil zu den Seiten ab. Als der spätere Kaiser Titus Jerusalem im Jahr 70 n. Christus eroberte, flohen die letzten die Rebellen dorthin. Doch der Statthalter Flavius Silva setzte ihnen nach und belagerte die Bergfestung mit etwa 8000 Mann.

Die 960 Juden dachten, sie könnten mit den eingelagerten Vorräten einer langen Belagerung widerstehen. Doch um die Festung einzunehmen, schütteten die Römer eine gigantische Rampe auf einer natürlichen Erhebung auf. Auf ihr konnte ein riesiger Belagerungssturm hinaufgeschoben werden.

Die Ingenieurskunst der Römer bezwang die uneinnehmbare Festung. Auf dem Turm sammelten sich die tapfersten Legionäre, denn derjenige, der zuerst in eine Festung stürmte, verdiente sich eine hoch angesehene Auszeichnung, die Mauerkronen. Doch den Soldaten bot sich ein erschreckendes Bild, die 960 Juden in der Festung hatten sich das Leben genommen. Nur zwei Frauen und fünf Kinder fanden die Römer lebend vor.

Der Historiker Flavius Josephus schrieb über diesen Moment:

So warfen sie schnell den ganzen Besitz zu einem Haufen zusammen und legten Feuer an ihn. Durchs Los wählten sie darauf zehn Männer aus ihrer Mitte; sie sollten die Mörder aller anderen sein. Dann legte sich ein jeder neben die schon dahingestreckten seinen, die Frau und die Kinder, schlang die Arme um sie und bot schließlich den Männern, die den unseligen Dienst auszuführen hatten, bereitwillig die Kehle. Ohne Wanken mordeten jene alle insgesamt; darauf bestimmten sie dasselbe Gesetz des Loses auch für sich untereinander. … Der einsame Letzte aber überschaute ringsum die Menge der Dahingestreckten. … Als er erkannte, dass alle getötet seien, legte er an vielen Stellen Feuer an den Palast. Dann stieß er mit geballter Kraft das Schwert ganz durch seinen Körper und brach neben den seinen zusammen.

Quelle: Task and Purpose


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