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Spätrömische Herrschaft Statue Konstantins des Großen nach Hunderten von Jahren mit fehlendem Finger vereint

Das sind die Reste einer ehemals fast 12 Meter hohen Figur.
Das sind die Reste einer ehemals fast 12 Meter hohen Figur.
© Zeno Colantoni/Musei Capitolini / PR
Er etablierte das Christentum im Römischen Reich und gründete Konstantinopel, das heutige Istanbul. Ein Finger seiner Kolossalstatue in Rom lag unbeachtet im Archiv des Louvre, nun ist der Finger wieder an seinem Platz.

Der Bronzekoloss von Konstantin in den kapitolinischen Museen in Rom hat seinen lange vermissten Finger wieder zurückbekommen. Das fehlende Stück wurde 2018 von der Wissenschaftlerin Aurélia Azéma in der Sammlung des Louvre entdeckt. Dort wurde es als römischer Zeh aufgeführt, aber Azéma erkannte, dass es sich um einen Finger handelte.

Der Fehler ist erstaunlich, da die einstmals etwa 12 Meter hohe Statue wohlbekannt ist. Die Bronze Konstantins und das Gegenstück aus Marmor sind die einzigen erhaltenen Reste von römischen Statuen dieser Größe. Der Konstantin-Koloss hat dabei eine Vorgeschichte. Der Kopf wurde ursprünglich im 1. Jahrhundert angefertigt, lange vor der Herrschaft Konstantins. Im Laufe der Zeit wurde der Kopf auf mehrere Herrscher neu angepasst.

Meisten Teile gingen verloren

Im Mittelalter taucht die Statue als Teil der päpstlichen Sammlung wieder auf. Der Kopf, die Hand, ein Teil des Unterarms und eine Kugel, die mit einem spitzen Stachel gekrönt ist, wurden im Innenhof des Lateran aufgestellt. Der Kopf hat ursprünglich eine goldene Krone getragen. Die Weltkugel wurde in der riesigen Hand gehalten, ein Symbol der kaiserlichen Macht. Die Kugel befand sich noch 1465 in der Hand.

Aber später wurde die Kugel von der Hand gelöst und auf dem ersten Meilenstein der Via Appia angebracht. Daher fehlt der Teil der Handfläche, auf dem die Kugel lag. Es ist anzunehmen, dass dabei auch der Finger abgetrennt wurde. Der Fund tauchte dann 1863 in Frankreich auf, als Teil einer großen Akquisition des Louvre-Museums von Stücken aus der Sammlung des römischen Bankiers Marquis Giampietro Campana, der eine der größten Sammlungen römischer und griechischer Antiquitäten des Jahrhunderts angehäuft hatte.

Etablierte das Christentum

Konstantin der Große lebte zwischen 270 und 337 nach Christus. Er gilt als einer der bedeutendsten Herrscher Roms und steht an der Zeitenwende zur Spätantike. Traditionell wird er in einem positiveren Licht als sein Vorgänger Diokletian gesehen, da unter Konstantin das Christentum anerkannt wurde. Kurz darauf wurde es zur Staatsreligion und begann, alle anderen Kulte im Reich brutal zu verfolgen.

Der Aufstieg Konstantins geschah noch im Rahmen der Reichsreformen Diokletians. Nach einer Epoche der Schwäche errichtete Diokletian die Herrschaft Roms erneut. Er reformierte das Militär, die Verwaltung und die Steuereinnahmen. Dabei führte er das System der Tetrarchie ein – vier Personen sollten das Reich regieren. Je ein Unter- und ein Oberkaiser im Westen wie im Osten. Damit sollte den militärischen Bedrohungen an den Grenzen besser begegnet werden. Die Sukzession sollte nicht erblich erfolgen, sondern sich am System der Adoptivkaiser orientieren. Die Christen verfolgte Diokletian jedoch unerbittlich, da ihre dem Jenseits zugewandte Lehre seiner Meinung nach das Reich schwächen musste.

Der Zug nach Osten

Die Tetrarchie wurde allein vom Willen und der Macht Diokletians über seine Mitherrscher zusammengehalten. Das komplizierte System brach mit dem Rückzug Diokletians ins Privatleben zusammen. In einer ganzen Reihe von Bürgerkriegen setzte sich Konstantin gegen seine Rivalen durch. In der Schlacht an der Milvischen Brücke besiegte er 312 seinen Rivalen im Westen, Maxentius. Nach der christlichen Legende hatte Konstantin in der Nacht vor der Schlacht eine Erscheinung im Traum und befahl seinen Truppen ein Kreuz als Zeichen Christi auf die Schilde zu malen.

Nachdem Konstantin auch den Osten des Reiches erobert hatte, gründete er Konstantinopel, das spätere Byzanz und heutige Istanbul. Er nahm damit die Verlagerung des Reiches in den Osten und die allmähliche Aufgabe des Westteils vorweg. 395 trennten sich die Reichsteile endgültig, ohne die Ressourcen des reichen Ostens ging der Westteil 476 unter. Konstantinopel bestand fast 1000 Jahre länger, erst 1453 gelang es den Osmanen, das zweite Rom zu erobern.


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