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"Kepler"-Teleskop: Jagd nach einer zweiten Erde

Seit 2009 ist das Teleskop "Kepler" erst im All und hat schon eine erstaunliche Bilanz vorzuweisen. Mehr als 1200 Planeten-Kandidaten hat das Superauge bereits erspäht - darunter ein Sextett, das einen 2000 Lichtjahre von der Erde entfernten Stern umkreist.

Gibt es in unserer Galaxie noch andere erdähnliche Planeten? Diese Frage beschäftigt nicht nur Astronomen schon lange. Ein wertvolles Instrument bei der Suche nach solchen Kandidaten ist das Weltraumteleskop "Kepler", das seit 2009 im All Ausschau hält. Nun zieht die US-Weltraumbehörde Nasa eine erste beeindruckende Bilanz.

Demnach hat "Kepler" in seiner bis jetzt kurzen Dienstzeit zahlreiche neue Planeten entdeckt. Über fünf Monate habe "Kepler" mehr als 156.000 Sterne unter die Lupe genommen und dabei 1235 Planeten-Kandidaten aufgespürt, teilte die Nasa mit. 54 von ihnen befänden sich in einer Zone, in der die Temperaturen moderat genug seien, dass es flüssiges Wasser geben könnte - eine Voraussetzung für Leben, wie wir es kennen. Vor allem fünf kämen als erdähnliche Kandidaten infrage.

Nach Einschätzung von Astronomen werde es aber Jahre dauern, bis feststehe, ob es sich tatsächlich um Planeten handele, berichtete die "New York Times" . Dabei müsse beispielsweise mit Hilfe von Teleskopen auf der Erde die Masse der Himmelskörper bestimmt werden. Forscher erwarten aber, dass rund 90 Prozent der Funde bestätigt werden.

Stern mit sechs Planeten

Eine andere Entdeckung, die zeitgleich in der britischen Fachzeitschrift "Nature" veröffentlicht wird, legt zudem nahe, dass Planeten auch in anderen Sonnensystemen keine Seltenheit sind. Demnach hat der Planetenjäger "Kepler" ein fernes Sonnensystem mit mindestens sechs Planeten aufgespürt. Diese sogenannten Exoplaneten umkreisen einen sonnenähnlichen Stern, der rund 2000 Lichtjahre von der Erde entfernt ist. Mit 2,3 bis 13,5 Mal der Masse der Erde gehören die neu entdeckten Planeten zu den leichtesten, die bislang außerhalb unseres Sonnensystems gefunden worden sind, heißt es in "Nature". Für Leben ist es auf ihnen allerdings zu heiß.

Fünf der sechs Planeten umkreisen ihren Heimatstern "Kepler-11" in weniger als 50 Tagen und enger als Merkur, der innerste Planet unseres Sonnensystems. Der sechste Planet zieht weiter außerhalb seine Bahn und umrundet den Stern alle 118 Tage einmal. "Die größten der sechs Planeten ähneln wahrscheinlich Neptun und Uranus, aber die drei leichtesten sind anders als alles, was wir aus unserem Sonnensystem kennen", erläuterte einer der Entdecker, der Wissenschaftler Jonathan Fortney.

Der Planetenjäger "Kepler" war auf das Sonnensystem gestoßen, weil die fernen Planeten von der Erde aus gesehen genau vor ihrem Heimatstern vorbeiziehen. Dabei bedecken sie ihn jeweils ein klein wenig, was zu winzigen, regelmäßigen Helligkeitsschwankungen des Sterns führt. Aus der Stärke der Schwankungen lässt sich der Durchmesser jedes Planeten bestimmen, aus der Zeit zwischen zwei gleichen Abschattungen die Umlaufzeit.

Die fünf inneren Planeten des Systems kreisen zudem auf so nahen Bahnen, dass sie sich gegenseitig beeinflussen. Das führt zu ganz leichten Abweichungen in der Umlaufzeit, woraus sich wiederum die Masse der inneren fünf Planeten berechnen lässt. Die Masse des äußeren, sechsten Planeten ist unbekannt.

Einblick in die Entstehung von Sonnensystemen

Die inneren fünf Planeten haben alle eine geringere Dichte als die Erde. "Es sieht so aus, als könnten die innersten beiden hauptsächlich aus Wasser sein, mit einer dünnen Hülle aus Wasserstoff-Helium-Gas", berichtete Fortney. "Diejenigen weiter draußen haben eine geringere Dichte als Wasser, was auf eine bedeutende Wasserstoff-Helium-Atmosphäre hindeutet."

Das System ist nicht das erste mit mehreren Planeten. Mehr als 500 Exoplaneten sind bisher entdeckt worden, bei rund 60 fernen Sonnen haben Astronomen mehr als einen Planeten erspäht.

Die "Kepler"-Entdeckung ist auch deshalb so wertvoll, weil die den Forschern Einblicke in die Entstehung von Sonnensystemen gibt. Denn wie bei unserem eigenen System kreisen die fernen Planeten alle in einer Ebene um ihren Stern. Das stützt die Vorstellung, dass Planeten in flachen Staubscheiben entstehen, die um junge Sonnen kreisen.

lea/DPA / DPA
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