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Astronomie: Nachweis von Wasser auf fernem Gesteinsbrocken

Wasser ist eine Voraussetzung für Leben - nun haben Astronomen Hinweise auf einen wasserreichen Kleinplaneten oder Asteroiden außerhalb unseres Sonnensystems gefunden.

Astronomen haben in den Überresten eines Felsbrockens tief im All Hinweise auf große Mengen Wasser gefunden - und damit auf die Existenz bewohnbarer Planeten außerhalb unseres Sonnensystems. Die Trümmerstücke des kleinen Himmelskörpers umkreisen einen Stern in rund 150 Lichtjahren Entfernung, wie die Forscher der britischen Universitäten Cambridge und Warwick am Donnerstag im US-Fachmagazin "Science" berichteten. Damit wurden erstmals außerhalb unseres Sonnensystems zwei "Schlüssel-Zutaten" für bewohnbare Himmelskörper gemeinsam nachgewiesen - nämlich Wasser und eine steinige Oberfläche. "Unsere Ergebnisse zeigen, dass definitiv das Potenzial für bewohnbare Planeten in diesem Exoplanetensystem existierte", betonte Jay Farihi von der britischen Universität Cambridge in einer Mitteilung. Hinweise auf Leben haben die Forscher aber nicht entdeckt.

Anzeichen für Wasser außerhalb unseres Sonnensystems waren zuvor bereits in den Atmosphären von großen Gasplaneten gefunden worden, nicht jedoch in felsigen Himmelskörpern. Die nun untersuchten Staub- und Schuttteile des früheren Kleinplaneten umkreisen einen sogenannten weißen Zwergstern, eine sterbende Sonne von hoher Dichte. "Die Überreste des Felsbrockens bergen chemische Hinweise, wonach es sich früher um einen wasserreichen, terrestrischen Himmelskörper gehandelt haben könnte", erläuterte der Physiker Boris Gänsicke von der University of Warwick.

Die immense Schwerkraft des Weißen Zwergs hat einen Asteroiden oder Kleinplaneten zerstört, berichten die Forscher. Die Trümmer stürzen nach und nach auf den Stern und sind dort nachweisbar. In der Atmosphäre des Weißen Zwergs stießen die Astronomen dabei auf unerwartet viel Sauerstoff. "Dieser Sauerstoffüberschuss kann entweder von Kohlenstoff oder durch Wasser getragen werden", erläuterte Ko-Autor Boris Gänsicke von der Universität Warwick (Großbritannien). "Und in dem Stern gibt es praktisch keinen Kohlenstoff - was zeigt, dass es beträchtliche Mengen Wasser gegeben haben muss."

Blick in unsere eigene Zukunft

Die beobachteten Trümmer stammen sehr wahrscheinlich von einem Kleinplaneten, der mindestens 90 Kilometer Durchmesser hatte, aber vermutlich deutlich mehr, wie die Forscher errechnet haben. Aus dem Vergleich mit der Häufigkeit der nachgewiesenen Gesteinszutaten wie Magnesium, Silizium und Kalzium bestimmten sie den Wasseranteil des zerstörten Himmelskörpers zu 26 Prozent. Zum Vergleich: Die Erde besteht nur zu 0,02 Prozent aus Wasser.

Der Blick der Forscher auf den Weißen Zwerg mit der Bezeichnung GD 61 und den ihn umkreisenden Schutt könnte demnach auch ein Blick in unsere eigene Zukunft sein. Denn auch unsere Sonne wird in sehr ferner Zukunft als weißer Zwerg enden. Sollte in sechs Milliarden Jahren ein außerirdischer Astronom Felsmaterial bei unserer ausgebrannten Sonne entdecken, könnte er zu demselben Schluss kommen wie jetzt die Astronomen beim Blick auf GD 61 - nämlich dass einst terrestrische Planeten unsere Sonne umkreist haben.

kave/AFP/DPA / DPA