ESA-Mission "Rosetta" muss warten


Wegen schlechten Wetters ist der Start der europäischen Kometensonde "Rosetta" um mindestens einen Tag verschoben worden.

Die Enttäuschung unter den Wissenschaftlern im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Köln hielt sich in Grenzen. Zwar musste der für Donnerstagmorgen geplante Start des in der Geschichte der Raumfahrt ersten Landeunternehmens auf einem Kometen verschoben werden. Doch das Startfenster vom europäischen Weltraumzentrum Kourou in Französisch Guayana bleibt noch bis 16. März offen.

Entscheidung fiel 9 Minuten vor Startbeginn

Starke Höhenwinde über der Nordküste von Südamerika hatten es den Verantwortlichen geraten erscheinen lassen, den Start der Ariane-5G-Rakete mit der fast eine Milliarde Euro teuren "Rosetta"-Sonde an der Spitze zu stoppen. Die Entscheidung fiel rund neun Minuten vor dem geplanten Starttermin um 08.36 Uhr Mitteleuropäischer Zeit.

Das sei sogar noch günstig, erläuterte die Triebwerksexpertin Anja Frank in Köln. Da sich die Ariane noch nicht in der sieben Minuten vor dem Abheben beginnenden automatischen Startsequenz befunden habe, seien keine möglicherweise Zeit raubenden Reparaturen erforderlich. Schon für Freitagmorgen ist ein neuer Startversuch angesetzt.

Bei einer geplanten Flugzeit von über zehn Jahren zum 1967 entdeckten Kometen Tschurjumow-Gerasimenko scheint eine Verzögerung von einem Tag nicht tragisch. Allerdings wartet "Rosetta" schon mehr als ein Jahr auf den Einsatz. Ursprünglich war der Start für 13. Januar 2003 vorgesehen. Doch vier Wochen zuvor war die Ariane-Trägerrakete bei einem Teststart wegen eines Fehlers am Haupttriebwerk explodiert. Wegen der daraus resultierenden Verzögerung mussten die Wissenschaftler den Plan, den Kometen Wirtanen zu untersuchen, zu Gunsten eines neues Ziels aufgeben.

Mitte 2014 soll "Rosetta" den Kometen erreichen

Vom Flug zu Tschurjumow-Gerasimenko erhoffen sich die Wissenschaftler neue Erkenntnisse über die Entstehung des Sonnensystems. Kometen seien sozusagen Leitfossilien aus der Zeit vor rund 4,5 Milliarden Jahren, sagt der Astrophysiker Hans-Joachim Blome. Sie seien Zusammenballungen von Materie, die sich nicht zu Planeten zusammengefunden hätten. Da sie normalerweise in eisiger Weltraumkälte weit entfernt von der Sonne ihre Bahnen ziehen, sei in ihnen der physikalische und chemische Zustand der Frühphase des Sonnensystems konserviert.

Anders als die europäische Giotto-Sonde, die Mitte der 80er Jahre den Halley’schen Kometen beim Vorbeiflug aus 600 Kilometer Entfernung fotografierte, soll die "Rosetta"-Mission ihrem Zielkometen buchstäblich auf die Pelle rücken. Die von europäischen und amerikanischen Wissenschaftlern ausgerüstete drei Tonnen schwere Sonde soll den Kometen von Mitte 2014 an mehr als ein Jahr lang umkreisen, fotografieren und mit insgesamt elf Messeinrichtungen erforschen.

Entwicklung des Schweifs in Live-Bildern

Noch einen Schritt weiter geht "Philae". Die von den deutschen Forschern Berndt Feuerbacher (DLR) und Helmut Rosenbacher vom Max-Planck-Institut für Aeronomie entwickelte, rund 100 Kilogramm schwere Landeeinheit soll im November 2014 von "Rosetta" aus einer Höhe von nur einem Kilometer auf den etwa drei Kilometer großen Himmelskörper geschubst werden. Wegen der geringen Schwerkraft des kleinen Kometen dürfte die Landung weniger schwierig sein als zu verhindern, dass "Philae" von der Oberfläche abprallt. Deshalb soll die Landeeinheit mit zwei Harpunen auf dem aus schmutzigem Eis bestehenden Kometen verankert werden.

"Philae", ein mit Solarzellen verkleideter Würfel von einem Meter Kantenlänge, hat neun Geräte an Bord, darunter eine Panorama- und eine Stereokamera sowie ein Bohrer, mit dem Proben vom Kometen aus etwa 20 Zentimeter Tiefe genommen und analysiert werden sollen.

"Rosetta" und der Lander sollen Tschurjumow-Gerasimenko auf dem Anflug zur Sonne treffen. Zum Zeitpunkt des Rendezvous ist der Kometenkern noch inaktiv. Das wird sich bald dramatisch ändern: Mit Annäherung an die Sonne beginnt die zunehmende Strahlung, den "schmutzigen Schneeball" aufzuheizen. Durch ausströmende Gase und Staubpartikel entwickelt sich dann der charakteristische Kometenschweif. "Rosetta" soll diese Vorgänge aus nächster Nähe verfolgen und - wenn alles gut geht - spektakuläre Bilder zur Erde senden. Leider erst in zehn Jahren.

Joachim Sondermann, AP


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