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Experiment "Mars500" mit Erfolg abgeschlossen: Einmal roter Planet und wieder zurück

Das Isolationsprojekt gilt als wichtiger Schritt zu einem Flug zum Mars: Nach 520 Tagen steigen sechs Männer in Moskau vor den Augen der Weltpresse aus einem nachgebauten Raumschiff. Nach dem gefühlten Flug von 100 Millionen Kilometern wirken sie blass - aber glücklich.

Es wirkte täuschend echt: Blass, mit deutlich zu weiten Overalls, aber glücklich strahlend kehrten am Freitag sechs freiwillige "Astronauten" von ihrer simulierten Marsmission zurück. 520 Tage lebten die drei Russen, ein Chinese, ein Italiener und ein Franzose in ihrem "Raumschiff" auf dem Parkplatz eines Forschungszentrums in Moskau abgeschnitten von der Außenwelt, während sie zum Mars und wieder zurück "flogen". Pünktlich um 11 Uhr MEZ wurde ihre Mission für glücklich beendet erklärt und das Siegel an der Ausstiegsluke gebrochen.

Familie, Freunde und die Wissenschaftler, die sie bei ihrem Experiment begleiteten, warteten schon sehnsüchtig auf die Ankömmlinge. Die Forscher gratulierten zur "hervorragenden Erfüllung dieses Programms". Auf dem Boden seien alle froh, sie wieder willkommen zu heißen. Als Dank erhielt jedes Crewmitglied eine rote Rose.

Als erster ergriff der französische Astronaut Romain Charles das Wort. "Wir sind stolz, bewiesen zu haben, dass Menschen zum Mars fliegen können", sagte er. Mit vor Freude geballter Faust ergänzte der Italiener Diego Urbina, es sei "eine Ehre gewesen, an dem wichtigen Experiment mitgewirkt zu haben". Er hoffe, es werde der Menschheit eines Tages helfen, "neue Träume zu verwirklichen".

520 Tage ohne Frischluft und Sonnenlicht

Während einige der Teilnehmer sprachen, suchten die anderen mit ihren Augen bereits nach ihren Liebsten im Publikum. Doch schon nach wenigen Minuten wurde die Crew von Mitarbeitern des russischen Instituts für biomedizinische Probleme weggeführt.

In den vergangenen anderthalb Jahren wurde bei dem Experiment die Auswirkungen der Dauer und Isolierung der Reise zum Roten Planeten auf die Menschen untersucht. Die sechs "Mars-Abenteurer" mussten sich von Weltraumnahrung ernähren, ohne Frischluft und Sonnenlicht auskommen und konnten wie bei einem tatsächlichen Flug ins All nur mit großer Zeitverzögerung mit der Bodenkontrolle kommunizieren.

Einer der Höhepunkte der Reise war im Februar die "Landung" auf dem Mars, der in Wirklichkeit nichts weiter war als jede Menge Sand auf russischem Boden. Drei der Männer erkundeten bei einem "Weltraumspaziergang" damals trotzdem vorsichtig tapsend in Astronautenanzügen das Gelände.

Isolationsexperiment gelungen - Patient lebt

Auch wenn vor allem der "Weltraumspaziergang" im Sandkasten für einiges Gespött sorgte, sind die Wissenschaftler mit ihrem Experiment zufrieden. Als Vorbereitung für eine tatsächliche Reise zum Roten Planeten sei es unerlässlich gewesen, versichern sie. Es habe vor allem gezeigt, dass Besatzungen die unvermeidliche Isolation während einer echten Mars-Mission aushalten können, sagte Patrik Sundblad von der Europäischen Raumfahrtbehörde ESA. Psychologisch gesehen sei eine Mars-Mission mithin vorstellbar. ESA und NASA gehen davon aus, dass bemannte Flüge zum Mars in etwa 30 Jahren möglich werden.

In den nächsten Tagen müssen sich die Projektteilnehmer noch zahlreichen medizinischen Tests unterziehen. Zunächst sind sie in Quarantäne, erst am Dienstag werden sie auf einer Pressekonferenz ausführlich Stellung nehmen. Ab Anfang Dezember dürfen sie endgültig zu ihren Familien zurückkehren. Jeder von ihnen ist dann nach Informationen der russischen Nachrichtenagentur Interfax um drei Millionen Rubel (knapp 71.000 Euro) reicher.

Stuart Williams, AFP / AFP
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