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Golf im All: Mühsamer Abschlag im Stockdunkeln

Der Astronaut Michail Tjurin schlug den längsten Ball in der Golfgeschichte: von der ISS ins All. Die Aktion gestaltete sich unerwartet schwierig - auch zum Leidwesen von Thomas Reiter, der den Caddie gab.

Golf spielen im Weltall ist doch schwieriger als man denkt. Diese Erfahrung hat der russische Astronaut Michail Tjurin trotz umfangreicher Vorbereitungen an Bord der Internationalen Raumstation ISS machen müssen. Der 46-Jährige hat in den vergangenen Wochen immer wieder die Abschläge geübt. Und der deutsche Astronaut Thomas Reiter assistierte dabei als der perfekte Caddie. Reiter legte den Golfball immer wieder in die Drahtspirale, damit Tjurin ein Gefühl für den Ball in der Schwerelosigkeit bekam.

"Stell sicher, dass du nicht Michael triffst"

Es hat alles nichts geholfen. Bei seinem Außenbordeinsatz in der Nacht zum Donnerstag hatte der 46-Jährige Mühe, auf einer Leiter das Gleichgewicht zu finden. "Bitte stell sicher, dass du nicht Michael triffst", gab das russische Kontrollzentrum Tjurin besorgt mit auf dem Weg. Und der US-Astronaut Michael Lopez-Alegria musste dann auch noch Hilfsdienste verrichten: "Halte Mischas Füße fest", wies die Zentrale an.

Nun gut: Trotz aller Unterstützung schlug Tjurin mit seinem vergoldeten Schläger, einem Eisen der Stärke 6, den Golfball unorthodox in eine nicht vorher berechnete Richtung. Dennoch lobte das Kontrollzentrum: "Das war ein ausgezeichneter Schlag. Er (der Ball) flog ziemlich weit. Ich sehe ihn als kleinen schwarzen Punkt." Auf die geplanten zwei weiteren Schläge verzichtete das russische Kontrollzentrum dennoch. Allerdings lief auch die Zeit für die Live-Übertragung aus dem All aus, weil die beiden Astronauten fast eine Stunde brauchten, um Kamera und die Halterung für den Golfball zu installieren. Und zu Tjurins Ehrenrettung: Es war stockdunkel im All.

Der Ball verglüht in drei Tagen

"Der längste Abschlag in der Golfgeschichte" gehört zu einer Werbekampagne eines kanadischen Golfausrüsters aus Toronto. Der rund drei Gramm schwere Golfball wird jetzt drei Tage lang die Erde umkreisen und dann in der Erdatmosphäre verglühen. Allerdings will das kanadische Unternehmen auch an das erste Golfspiel vor 35 Jahren auf dem Mond erinnern. Am 6. Februar 1971 schwang US-Astronaut Alan Shepard den Schläger - und verfehlte den ersten Ball. "Habe mehr Dreck als Ball erwischt", berichtete Shepard zur Erde. Und beim nächsten Schlag staunte der Golfer: Der Ball fliege "Meilen und Meilen und Meilen".

Werbung auf der Raumstation ist ziemlich neu. Die russische Raumfahrtbehörde hat mit den Einnahmen die eigenen Kassen aufgebessert. Über die genaue Summe wurde Stillschweigen vereinbart.

Die Luke klemmte

Golf hin oder her: Es war einfach nicht der Tag von Tjurin. Der Außenbordeinsatz begann mit mehr als 80 Minuten Verzögerung, weil es Schwierigkeiten mit seinem Raumanzug gab. Und dann klemmte wie schon zuvor die Ausstiegsluke am russischen Segment der ISS. Schließlich schafften es die beiden Astronauten doch noch, zum 73. Außenbordeinsatz in der Geschichte der ISS auszusteigen. Für Lopez-Alegria war es der sechste, für seinen russischen Raumfahrtkollegen Tjurin der vierte Weltraumeinsatz.

DPA / DPA