Hintergrund Der Herr der Ringe


Saturn ist der zweitgrößte Planet unseres Sonnensystems und aufgrund seiner Ringe eine echte Schönheit.

Zehn Mal so weit von der Sonne entfernt wie die Erde zieht der zweitgrößte Planet nach Jupiter seine Bahn: der Saturn.

Am bekanntesten ist der Saturn wohl für seine Ringe, die der Astronom Galileo Galilei 1610 entdeckte. Er vermutete in den geheimnisvollen Strukturen noch Arme des Saturn, während sein niederländischer Kollege Christiaan Huygens 45 Jahre später erstmals von einem Ring sprach.

Stürme, größer als die Erde

Saturn ist wie alle äußeren Planeten des Sonnensystems ein Gigant aus Gas: Er besteht zum größten Teil aus Wasserstoff und einem Teil Helium. Die Erde würde vom Volumen her 750 Mal in ihn hinein passen. Saturns Dichte jedoch ist die geringste aller Planeten - so gering, dass er sogar in Wasser schwimmen würde.

30 Jahre benötigt der Saturn für einen Umlauf um die Sonne. Um seine eigene Achse wirbelt er hingegen in nur 10 Stunden einmal. Diese schnelle Drehung bewirkt eine starke Abplattung des Planeten an seinen Polen.

Saturns Atmosphäre besteht aus mehreren Schichten, durch die sich gewaltige Stürme und Wetterbänder ziehen. In den oberen Wolkenschichten ist es bitterkalt: minus 179 Grad Celsius wurden gemessen. Saturn ist außerdem einer der zugigsten Orte unseres Sonnensystems: Am Äquator wurden Windgeschwindigkeiten von bis zu 1800 Kilometern pro Stunde registriert. Von Zeit zu Zeit toben auf dem Saturn Stürme, die größer als die Erde sind.

Ein gewaltiger Dynamo erzeugt das starke Magnetfeld

Der Atmosphärendruck auf Saturn ist so hoch, dass sich der gasförmige Wasserstoff zu Flüssigkeit verdichtet, je tiefer man ins Planeteninnere abtaucht. Letztlich ist der Druck so enorm, dass der flüssige Wasserstoff metallische Eigenschaften annimmt und sogar elektrisch leitfähig wird.

Ein Raumfahrzeug könnte daher nicht auf dem Planeten landen. Es könnte höchstens langsam an einem Fallschirm hinabgleiten und solange Informationen senden, bis es durch den Druck zerstört wird.

Der metallische Wasserstoff und die schnelle Drehung des Planeten erzeugen aufgrund des Dynamoeffektes ein starkes Magnetfeld, das weitaus stärker als das irdische ist. Es schützt den Saturn vor dem Sonnenwind. Saturns Kern ist vermutlich aus festem Gestein, in dem Temperaturen um 15.000°C herrschen.

Saturns Markenzeichen: die Ringe

Die Ringe setzen sich aus Billionen Bruchstücken von Gestein, gefrorenen Gasen und Eis zusammen. Diese Trabanten haben die unterschiedlichsten Ausmaße: von Staubkorn- bis Hochhaus-Größe.

Außerdem weisen sie Muster auf, die von abstürzenden Asteroiden stammen könnten. Andere Strukturen könnten durch winzige, bisher unentdeckte Monde in der Nähe der Ringe entstanden sein. Ein Teil der Muster erklärt sich vermutlich auch durch Schwerkraftverschiebungen, die durch die bisher bekannten 31 Saturn-Monde ausgelöst wurden.

Die Ringe, die mit dem Saturn zusammen einen Durchmesser von der Ausdehnung Erde-Mond besitzen, sind jedoch nur einen Kilometer dick. Sie bestehen aus sieben Hauptbändern, jedes wiederum ist in hunderte kleinster Ringe unterteilt. Insgesamt gibt es mehr als 100.000 einzelne Ringe. Der größte sichtbare Spalt innerhalb der Ringe ist die sogenannte "Cassini-Teilung". Sie ist über 4000 Kilometer breit. Über die Herkunft der Ringe weiß man nicht viel. Möglicherweise sind sie Bruchstücke einer gewaltigen Kollision von Planetoiden gewesen.

Titan, die "junge Erde" unter Saturns Monden

Für die Forschung interessanter als der Saturn selbst sind seine Monde. Insgesamt sind 31 bekannt. Fast die Hälfte der bekannten Saturn-Monde wurden erst in den letzten Jahren durch die Raumsonde "Cassini" entdeckt. Die größten sind Titan, Rhea, Iapetus und Tethys. Der kleinste von ihnen ist der Pan, mit nur rund 9 Kilometern Durchmesser. Die Monde rotieren fast alle kreisförmig, stets mit derselben Seite und in seiner Äquatorebene gelegen um den Saturn.

Titan ist interessant, weil auf ihm Bedingungen herrschen, die denen der jungen Erde sehr ähnlich sind. Seine kohlenwasserstoffhaltige Atmosphäre reagiert mit dem Sonnenlicht zu organischen Molekülen, wie Sonden-Sensoren nachweisen konnten. Nur ist es auf dem Titan mit minus 180 Grad Celsius leider zu kalt, als dass sich dort Leben entwickeln könnte. Dennoch erwarten die Forscher mit Spannung erwarten die geplante Landung der Raumsonde "Huygens" im Januar 2005 auf dem Mond.

Was die Sonde dort erwarten wird, ist unklar. Über die Oberfläche Titans, die unter einem Dunstschleier aus Stickstoff und Methanwolken verborgen ist, lassen sich nur Vermutungen anstellen. Besteht sie aus Fels und Eis, oder wird man Ozeane vorfinden, falls ja, woraus werden sie bestehen? Aus Wasser und Kohlenstoffen, oder aus flüssigem Stickstoff, Ethan und Methan? "Huygens" wird wohl nur 30 Minuten Zeit haben, um die Geheimnisse des Titan zu lüften, denn länger wird die Sonde diese unwirtlichen Umgebung vermutlich nicht überstehen.


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