VG-Wort Pixel

Unternehmen in der Krise Die Chefs von Media Markt und Saturn erklären, wie sie die Elektronikläden retten wollen

Eine Saturn-Filiale
Die Elektronikläden der Ceconomy - dazu gehören Media Markt und Saturn - stehen vor einem großen Umbruch.
© Bildagentur-online/Schoening/ / Picture Alliance
Die Elektronikläden Media Markt und Saturn durchleben turbulente Zeiten. In einem Interview erklären die neuen Chefs nun, wie sie die Krise hinter sich lassen wollen – und rechnen mit der alten Führung ab.

Wer einen neuen Trockner, einen größeren Fernseher oder eine DVD für den Filmabend wollte, ging lange zu Media Markt und Saturn. Doch mittlerweile sind die Elektronikhändler ins Straucheln geraten: Immer mehr Kunden kaufen ihre Technik online, was die Gewinne drückte und die Aktie abschmieren ließ. Eine Neustrukturierung sollte Abhilfe schaffen: Vor zwei Jahren wurden die beiden Elektroketten aus dem Metro-Konzern herausgelöst und firmieren seither unter dem Namen Ceconomy als eigenständiges Unternehmen.

Doch die Maßnahme läutete nicht die erhoffte Trendwende ein - im Gegenteil. Interne Querelen lähmten den Betrieb, das Management wurde großflächig ausgetauscht. Der erst Anfang März installierte Ceconomy-Chef Jörn Werner wurde bereits Mitte Oktober wieder entlassen. Derzeit leiten Interims-Chef Bernhard Düttmann und Media-Saturn-Chef Ferran Reverter. Im "Handelsblatt" sprachen die beiden Top-Manager nun erstmals über die Neuausrichtunng des Konzerns.

Die Filialen sollen kleiner werden

Was den Konzern von anderen Händlern wie Amazon unterscheidet, sind die 1000 Filialen. Diese seien jedoch zu groß, habe eine interne Analyse ergeben: Im Schnitt zählen diese 3000 Quadratmeter, die optimale Größe liege jedoch "in der Regel zwischen 1700 und 1800 Quadratmeter", erklärte Reverter im Interview. Die Läden müssten deshalb perspektivisch kleiner werden. "Aber wir können die Flächen nicht von heute auf morgen reduzieren." Diese Umstellung werde dauern und erfordere weitere Maßnahmen. So soll auch das Sortiment ausgedünnt werden, ohne dass dies für die Kunden von Nachteil sei. "Man muss nicht unbedingt 200 verschiedene TV-Geräte im Angebot haben. Wenn es die richtigen sind, reichen auch 100", ist sich der Chef sicher. Vereinzelt werde man aber weiterhin auf Flagship-Stores mit mehr als 3500 Quadratmetern setzen.

+++ Lesen Sie auch: Der Chef von Amazon Deutschland spricht im stern-Interview über den Stress von Paketlieferanten und und Nachhaltigkeit im Online-Handel +++

Doch nicht nur die Größe der Filialen sei ein Problem, sondern auch die Atmosphäre, die Düttmann häufig noch als "zu kühl" empfinde. Die Läden sollen deshalb interessanter werden: "Die Leute wollen etwas erleben, sie wollen Spaß haben beim Einkaufen", so Düttmann. Um das Einkaufserlebnis der jährlich 320 Millionen Besucher zu verbessern, sollen die Mitarbeiter kompetenter und besser ausgestattet werden. Ein Wachstumshebel seien etwa die sogenannten Smartbars, das sind Anlaufstellen für Direktreparaturen und sonstige Services.

"Da wurde nur koordiniert, nicht umgesetzt"

Das neue Management-Duo spart im "Handelsblatt"-Interview aber auch nicht mit Kritik an den Vorgängern. Über Kurzzeit-Chef Werner sagt Düttmann: "Ein CEO muss immer die Mannschaft hinter sich bringen, sonst kann er nichts umsetzen." Dies sei Werner nicht gelungen. Deutliche Worte fand er auch für dessen Vorgänger Pieter Haas. "Als ich in den Aufsichtsrat einzog, zeigte man uns viele Schaubilder über die Transformation des Unternehmens. Die sahen erst mal toll aus", erklärte Düttmann. Im Laufe der Zeit sei aber immer deutlicher geworden, dass von den vielen Plänen nur wenig umgesetzt werde. Auch das operative Management handelte nicht so, wie es nötig gewesen wäre: "Da wurde nur koordiniert, nicht umgesetzt", konstatiert Düttmann.

Quelle: Handelsblatt


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker