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Internationale Raumstation ISS: Zehn Jahre Leben im All

Die "teuerste WG der Welt" ist seit zehn Jahren bewohnt: Im Oktober 2000 flogen zum ersten Mal Astronauten zur Internationalen Raumstation ISS. Seitdem wird dort gewohnt, geforscht - und mit kaputten Toiletten gekämpft.

Herzlichen Glückwunsch, ISS! Seit zehn Jahren leben dauerhaft Menschen auf der Internationalen Raumstation - scherzhaft als "teuerste Wohngemeinschaft der Welt" bezeichnet. Was am 31. Oktober 2000 als großes Abenteuer begann, ist ein Jahrzehnt später fast Normalität. Für Aufsehen sorgen heutzutage weniger die wichtigen Forschungsprojekte oder schwierigen Außeneinsätze, sondern Kuriositäten und Pannen. Dazu zählen bespielsweise mehrere gescheiterte Abdockmanöver der russischen Sojus-Kapsel oder ein Stromausfall beim Außeneinsatz.

Etwa 200 Raumfahrer aus 16 Ländern bewohnten bis jetzt den Außenposten der Menschheit in 350 Kilometern Höhe. Der erste Deutsche war 2006 der Astronaut Thomas Reiter. Auch sieben Abenteuertouristen haben den weiten Weg ins All bereits auf sich genommen - 20 Millionen Dollar zahlte jeder von ihnen. Irdische Probleme waren dabei inklusive: Immer wieder sind etwa die Millionen Euro teuren High-Tech-Klos kaputt.

Am Bau und der Finanzierung der ISS beteiligten sich ungefähr 15 Nationen, darunter Deutschland. Erst im kommenden Jahr soll die Station endgültig fertig sein. Geplantes Betriebsende: Frühestens 2020. Schon jetzt ist die ISS die am längsten dauerhaft bewohnte Raumstation, der sowjetische Vorgänger Mir war 2001 im Pazifik versenkt worden. Gegner kritisieren die immensen Investitionen von etwa 100 Milliarden Euro. Zudem lägen die Forschungsprojekte hinter dem Zeitplan.

Brot ist verboten

Aber auch die Unterhaltskosten für die Station selbst sind astronomisch. Schließlich gibt es im All nichts zu kaufen, deshalb muss der gesamte Nachschub mühsam mit Raumfähren herangeschafft werden: Tonnenweise Wäsche, Post von der Erde, Sauerstoff, Nahrungsmittel. Und das Essen im All kostet so viel wie in einem echten Sterne-Restaurant. Umgerechnet 350 Euro pro Besatzungsmitglied werden jeden Tag fällig. Dabei gibt es kaum eine kulinarische Abwechslung für die Bewohner. Der Speiseplan wiederholt sich alle acht Tage. Und zu essen gibt es nur Gerichte, die wegen der Schwerelosigkeit gut am Besteck haften bleiben wie etwa Eintopf. Brot ist hingegen verboten - die Krumen könnten die teure Technik verkleben.

Millimeterarbeit ist beim Andockmanöver gefragt, bei gleichzeitig enormen Tempo, denn die ISS rast mit etwa 28 000 Kilometern pro Stunde durchs All. Immer wieder muss sie Weltraumschrott ausweichen. Etwa anderthalb Stunden braucht die Station für eine Erdumrundung. An Silvester können die ISS-Bewohner deshalb etwa 15 Mal auf das neue Jahr anstoßen.

"Ein verblüffendes Raumschiff"

"Die Station ist schön, sauber, hell, alles funktioniert", funkte der Kosmonaut Juri Gidsenko dereinst seine ersten Eindrücke aus der ISS zur Erde. Mit seinem Landsmann Sergej Krikaljow und dem US-Astronauten William Shepherd gehörte er zur ersten ISS-Besatzung, der "Mission One". "Es ist ein verblüffendes Raumschiff", schwärmt der zuständige Manager der US-Weltraumbehörde Nasa, Mike Suffredini, zehn Jahre später. Für ihn ist die ISS schlicht "die wohl schwierigste Aufgabe, die die Menschheit je gemeistert hat".

Von 2011 an stellen die USA ihre Shuttle-Flüge ein. Dann können Mensch und Material nur noch mit russischen Sojus und Progress ins All fliegen. Beobachter fürchten, dass sich wegen der geringeren Transportmöglichkeiten die Entwicklung des Weltraumlabors weiter verzögert. Doch nun hat Russland den Bau von zwei Raumfähren ausgeschrieben. Es ist ein klares Signal: Die stolze Raumfahrtnation Russland hält an bemannten Flügen ins All fest.

DPA/te / DPA
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