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Annahme von Harvard-Forschern: Mysteriöser Komet: Schauten Aliens mit einer Sonde in unserem Sonnensystem vorbei?

Im Oktober 2017 tauchte er plötzlich auf und verschwand dann wieder: Der Komet "Oumuamua" schaute in unserem Sonnensystem vorbei – als erster interstellare Besucher überhaupt. War er eine außerirdische Sonde?

Komet "Oumuamua"

Der Komet "Oumuamua" in einer künstlerischen Darstellung. Fotos existieren vom Himmelskörper nicht

Ausgerechnet Harvard-Wissenschaftler sind unter die Alien-Forscher gegangen. Das kommt umso überraschender, da in der Regel in eher zweifelhaften Youtube-Videos über außerirdische Technologie spekuliert wird. Doch zwei Astro-Physiker der Eliteuniversität halten es für möglich, dass der Komet "Oumuamua" ein Raumschiff sei, das unser Sonnensystem besucht habe.

Am 19. Oktober 2017 erspähte das Pan-Starrs1-Teleskop auf Hawaii einen Himmelskörper, der in jeder Hinsicht einzigartig war. 400 Meter lang und in Form einer Zigarre trudelte der Brocken durch unser Sonnensystem. Schnell waren sich Astronomen sicher, dass der kosmische Besucher aus den Tiefen des Alls stammen müsste. Sein Ursprung musste in einem anderen Sternensystem liegen. Nur: Warum könnte es ein Raumschiff sein? Warum ziehen die Wissenschaftler ausgerechnet eine solche Erklärung in Betracht? 

Der Komet könnte eine Sonde gewesen sein

Der kosmische Besucher bekam den hawaiischen Namen "Oumuamua" verpasst – was soviel wie Botschafter heißt. Der Himmelskörper steuerte auf die Sonne zu, deren Schwerkraft ihm eine Kurve aufzwang. Dann flog er wieder aus unserem Sonnensystem. Seitdem ist er weder für Teleskope noch sonstige Messinstrumente erreichbar.

Wenn es nach den Astronomen Abraham Loeb und Shmuel Bialy aus Harvard geht, erfolgte diese Flugbahn nicht zufällig. Es sei nicht auszuschließen, dass "Oumuamua" eine außerirdische Sonde sei, die mit Absicht unser Sonnensystem besucht habe, schreiben sie in einem Aufsatz. Sie sei auf der Suche nach Leben gewesen. Als Antrieb könnten Sonnensegel an der Oberfläche des Objektes dienen. So führen die zwei Wissenschaftler an, "Oumuamua" habe nach bisherigen Messungen in nächster Nähe zur Sonne am stärksten beschleunigt. Der Schub sei außergewöhnlich stark gewesen und nicht allein mit Gasaustritt zu erklären.

Beide Astronomen argumentieren, auch irdische Sonden könnten bereits mit Sonnensegeln durchs All gleiten. Reisestrecken von bis zu 16.000 Lichtjahren seien so möglich. Die japanische Raumsonde "Ikaros" soll mit diesem Antrieb unseren Nachbarstern Alpha Centauri erreichen. 

Andere Forscher halten die These für zu gewagt

Beweisen können Loeb und Bialy ihre Annahmen nicht. Das räumen sie auch selber ein. Forscher-Kollegen halten ihre Thesen ohnehin für zu gewagt. So kritisiert der Astronom Alan Jackson von der University Toronto Scarborough beim Sender CNN, dass jeder Nachweis fehle und der Komet viel zu schnell um seine Achse drehe. Mit Sonnensegeln müsste er wesentlich stabiler durchs All gleiten. Auch seien keine Radiowellen gemessen worden, als er unser System passiert habe, so Jackson.

In letzter Konsequenz lässt sich nicht mehr belegen, ob "Oumuamua" eine außerirdische Sonde auf der Suche nach Leben war. Fotos existieren nicht und die Entfernung ist zum jetzigen Stand zu groß, um noch Messungen vornehmen zu können.

Video: Asteroiden-Forschung: MASCOT hat es in sich
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