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Meteorit trifft Erde: Die Gefahr aus dem Weltall

Ein kosmischer Besucher in Nordeuropa: Ein Feuerball leuchtete am Himmel, es gab ein gewaltiges Donnergrollen. Augenzeugen wollen Ufos gesehen haben. Vermutlich aber, so Otto Wöhrbach, Leiter des Freiburger Planetariums, handelte es sich um einen Meteoriten. Im stern.de-Interview erklärt er, welche Gefahr von den Gesteinsbrocken für die Erde ausgehen.

Herr Wöhrbach, am Samstagabend gab es einen grellen Lichtblitz über Teilen Norddeutschlands und Skandinavien, begleitet von einem Grummeln. Vielleicht war die skurrile Himmelserscheinung ein Ufo mit Besuchern aus dem Weltraum?

Vermutlich handelte es sich um kein Ufo – die Fremden hätten bestimmt mit uns Kontakt aufnehmen wollen und wären nicht einfach so verschwunden. Aber hundertprozentig kann man das nicht ausschließen.

Sie glauben an Lebewesen aus fremden Sphären?

Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass es etwas Ähnliches wie den Menschen irgendwo anders auch geben kann. Lebewesen mit einer vergleichbaren Intelligenz, oder sogar klügere Wesen. Es gibt aber keinerlei direkte Hinweise.

Um was könnte es sich dann bei dem Himmelsphänomen gehandelt haben?

Die Beschreibung der Augenzeugen ist sehr vage. Aber es deutet alles auf einen Meteor hin. Also einen Gesteinsbrocken – oder einen Brocken aus Eisen. Die lange, helle Lichtspur durch die Hülle der Erde ist ein Merkmal, sowie ein Knall - ähnlich eines Überschallknalls.

Was ist der Auslöser dafür, dass ein Meteor auf die Erde fällt?

Diese Brocken rasen millionenfach zwischen Mars und Jupiter umher, immer um die Sonne herum. Man nennt sie dann Asteroiden. Bei Zusammenstößen untereinander können kleinere Bruchstücke entstehen, die ins innere Sonnensystem hineindriften und unter anderem mit der Erde zusammenstoßen können. Das geschieht ununterbrochen jeden Tag und jede Nacht. Wenn ein Meteor mit der Erde zusammenprallt, dann rast er zunächst mit großer Geschwindigkeit durch die Lufthülle. Durch die Reibungshitze erhitzen sich der Meteor und auch die Luft entlang der Bahn des Meteors so stark, dass sie aufleuchtet. Nachts können wir das von der Erde aus als sogenannte Sternschnuppe wahrnehmen. Sind die Brocken größer, dann wird auch ihre Lichtspur länger und heller. Einen solchen sogenannten "Feuerball" haben die Menschen am Wochenende vermutlich gesehen. War der Brocken groß genug, konnte er die Lufthülle der Erde sogar durchdringen und ist auf den Erdboden oder ins Meer gefallen.

Wie groß können diese Brocken sein, die auf die Erde niedergehen?

Das ist unterschiedlich. Es gab schon welche, die faustgroß waren und Löcher in Hausdächer gerissen haben. Es gibt aber auch größere Brocken, sogar Felsbrocken von mehreren Kilometern Größe, die mit der Erde zusammenstoßen können. Erst vor kurzem wurde bekannt, dass ein Meteorit im Sudan einen Krater geschlagen hat.

Müssen wir uns jetzt Sorgen machen, dass eines Tages so ein Riesenbrocken uns auf den Kopf fällt und schlimme Verwüstungen anrichtet?

Das hängt natürlich vom Kopf ab, auf den er fällt. Aber im Ernst: Es ist nicht ausgeschlossen. Statistiker behaupten, dass die Gefahr, von einem Meteoriten erschlagen zu werden, größer sei, als bei einem Flugzeugabsturz umzukommen. Prallt ein großer Meteor mit der Erde zusammen, könnte es zu einem kontinentalen Chaos kommen. Ganze Städte oder sogar ganze Länder oder Kontinente könnten zerstört werden, je nach Größe des Meteors. Die Luftdruckwellen, die er bei seinem Absturz durch die Lufthülle auslöst, sind enorm, und durch die starke Erhitzung würden Feuersbrünste ausgelöst. Vergleichbar mit der Explosion von Atombomben.

Keine guten Aussichten. Was kann man dagegen tun?

Es gibt automatische Absuchsysteme, die Asteroiden im Sonnensystem aufspüren können. Zum Beispiel das Projekt "NEAT" (Near Earth Asteroid Tracking) der Nasa, bei dem Fernrohre ununterbrochen den Himmel nach Asteroiden absuchen und auch entdecken. Für jeden neu entdeckten Asteroiden wird seine Bahn berechnet, um festzustellen, ob er auf Kollisionskurs mit der Erde liegt. Wäre dies der Fall und wäre er so groß, dass Gefahr von ihm ausgeht, dann könnten wir eine Raumsonde zu ihm schicken und versuchen, weich auf ihm zu landen und ihn dann auf eine andere Bahn zu lenken, so dass er der Erde ausweicht.

Könnte man diesen Brocken nicht auch einfach zerstören?

Das wäre keine gute Lösung, denn von mehreren Brocken gingen auch einige auf die Erde nieder – und die Gefahr wäre dadurch nicht gebannt, sondern vervielfacht.

Wie viel Zeit haben die Experten, wenn sie so eine Gefahr im Weltall entdecken, den Brocken zu zerstören?

Das hängt davon ab, wie früh man den Asteroiden auf Kollisionskurs mit der Erde entdeckt. Größere Asteroiden würde man wohl 10 oder 20 Jahre vor seinem Einschlag auf der Erde entdecken.

Interview: Stefanie Zenke