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Weltraum-Tourist Olsen: Château Raumstation, der Wein aus dem All

Bei seiner Reise zur Raumstation ISS hatte der Weltraum-Tourist Greg Olsen zwei Rebstöcke im Gepäck. Die Reben gingen ein - aber Olsen hat noch eine andere Idee für Wein mit Weltraum-Flair in petto.

Die Basis für den ersten Wein aus der Schwerelosigkeit des Alls hatte der amerikanische Weltraumtourist Greg Olsen dabei, als er im Oktober 2005 von der Raumstation Baikonur aus abhob. In der Enge seiner Kapsel an Bord der Sojus-Rakete flogen zwei Rebwurzel-Stöcke mit, die in einem mit Spezial-Gel gefüllten Behälter sicher verwahrt waren. Olsen hat sie in der Internationalen Raumstation ISS gehegt und gepflegt - doch nach der Rückkehr gab es eine herbe Enttäuschung. "Wir wissen nicht, was schief ging, aber als wir sie in Südafrika erhielten, waren sie beide abgestorben", sagte Carin Botha der südafrikanischen Zeitung "Sunday Times".

Botha ist Marketing-Managerin von Olsens Weingut "La Vinette" im südafrikanischen Städtchen Paarl. Trotz des Fehlschlags mit den Rebstöcken aus dem All hat sie zurzeit jede Menge Nachfragen nach Wein mit All-Flair zu beantworten. Denn der 60 Jahre alte Wein-Fan Olsen schlägt aus seinem Ausflug zur Internationalen Raumstation nun wenigstens für wohltätige Zwecke Kapital. Neben den Rebstöcken hatte er auch noch 500 Weinflaschen-Etiketten dabei. Mit dem offiziellen Stempel der Raumstation versehen, zieren sie nun unter anderem edle Tropfen vom Kap. "Diese Flaschen stehen nicht zum Verkauf und werden einzig und allein für Benefiz-Veranstaltungen genutzt", sagt Botha.

Auch Shuttleworth nutzt Flug ins All für Benefizaktionen

Die Nachfrage hält sich bisher noch in Grenzen: Je eine Flasche mit Cabernet Sauvignon sowie der südafrikanischen Rebsorte Pinotage von seinem 180 Hektar großen Gut brachten zusammen gerade mal 2600 Rand (360 Euro) bei einer Auktion ein. Doch spätestens Anfang April, da sind sich die Experten sicher, dürfte das Interesse am "Wein mit dem Weltraumsiegel" steigen. Denn dann kommt zur Internationalen Weinmesse jede Menge Fachpublikum nach Kapstadt. Ob auch Olsen dabei sein wird, der sich zurzeit mit den Co-Raumfahrern Sergej Krikaljow (Russland) und John Phillips (USA) am Kap aufhält, ist noch unklar.

Der amerikanische Wissenschaftler und Unternehmer, der sich sein zehntägiges Weltraumabenteuer 20 Millionen US-Dollar (17 Millionen Euro) kosten ließ, folgt mit seiner Benefizaktion dem Beispiel seines Vorgängers Mark Shuttleworth. Beide verbindet nicht nur die Vorliebe für edle Tropfen vom Kap. Auch der Südafrikaner Shuttleworth, der sich schon vor Olsen den Jugendtraum von einem Flug ins All erfüllt hatte, verschrieb sich nach seiner Rückkehr der Wissenschaft und der Armutsbekämpfung. Anders als Olsen beschränkte sich Shuttleworth dabei jedoch nicht nur aufs Spenden sammeln.

Er hatte sein Abenteuer mit einer selbst finanzierten nationalen Kampagne umrahmt, um in seinem Heimatland das Interesse der Jugend für Naturwissenschaften zu wecken. Kostenlos entwickelte er zudem eine Software, die dem südafrikanischen Bildungssystem den schnellen Anschluss ans Computer-Zeitalter ermöglichen soll. An Bord der Raumstation hatte auch er in der Schwerelosigkeit für eine Universität seines Landes experimentiert. Ihr Standort: Stellenbosch, Kernland der südafrikanischen Weinindustrie.

Ralf E. Krüger/DPA / DPA