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Wettersatellit: "Metop" kennt das Wetter von morgen

Gute Nachricht für alle Strandnixen, Biergartengänger und Kraftwerkbetreiber. Der neue Satellit "Metop" macht zwar keinen Sommer, soll aber zuverlässiger und vor allem früher als bisher das kommende Wetter vorhersagen.

Wer schon am Dienstag wissen will, wie das Wetter am Wochenende wird, bekommt seinen Wunsch bald erfüllt. Ein neuer europäischer Wettersatellit soll von Mitte dieses Jahres an einen weiteren Blick in die Zukunft erlauben als bisher. Metop (Meteorological operational polar satellite) heißt die neue Generation der Satelliten. Ende Juni soll das erste Exemplar vom russischen Baikonur aus seine Reise ins All antreten.

Metop wird die Satelliten vom Typ Meteosat sowie vom Nachfolgemodell MSG ergänzen. Gebaut werden die drei fliegenden Stationen im All vom europäischen Raumfahrtkonzern EADS Astrium. Dabei hat der Standort in Friedrichshafen am Bodensee mit 422 Millionen Euro ein großes Stück vom Auftragskuchen abbekommen.

Bessere Trefferquote

"Die Wettervorhersage wird genauer und langfristiger möglich", sagt Uwe Minne, Direktor Erdbeobachtung und Wissenschaft von Astrium Friedrichshafen. "Bisher können Meteorologen das Wetter für drei Tage ziemlich exakt vorhersagen, künftig sind es fünf Tage", erläutert er. Denn Metop liefert präzisere und umfangreichere Daten.

"Die Trefferquote bei der Vorhersage wird in Zukunft besser werden", sagt auch Uwe Kirsche, Sprecher des Deutschen Wetterdienstes in Frankfurt/Main. Wunderdinge erwartet er jedoch nicht. Bei turbulenten Wetterlagen, bei denen es darum geht, ob es regnet oder nicht, verringere sich die Treffsicherheit bei längeren Zeiträumen.

In 100 Minuten um die Erde

Dass Metop mehr kann als seine Vorgänger, liegt vor allem an seiner anderen Umlaufbahn. Die Meteosat-Satelliten, die allabendlich die Wetterbilder im Fernsehen liefern, umrunden die Erde über dem Äquator einmal in 24 Stunden in 36.000 Kilometer Höhe. Angesichts der Erdumdrehung ändern sie ihre Position zu einem Bezugspunkt auf der Erde nicht. "Auf Europa beispielsweise schaut der Satellit schräg", erklärt Minne.

Metop dagegen nimmt den Weg über Nord- und Südpol in 820 Kilometer Höhe. Für die Erdumrundung braucht er nur 100 Minuten. Der neue Satellit, der nach fünf Jahren Lebensdauer 2010 und 2015 durch zwei weitere Exemplare ersetzt werden soll, liefert eine Fülle weiterer Daten. So misst er Temperatur- und Feuchtigkeit der Atmosphäre, den Wind oder die Temperatur der Meere. Auch das Ozon wird Metop überwachen. "Je mehr dieser physikalischen Parameter ein Meteorologe zur Verfügung hat, desto besser wird seine Vorhersage", sagt Minne.

Wie ein riesiger Karton mit Insektenfühlern

Zuverlässige Prognosen sind kein Luxus, sondern mitunter bares Geld. Nicht nur der Biergartenwirt freut sich, wenn er richtig geplant hat. "Wenn die Kraftwerksbetreiber wissen, es wird in den nächsten Tagen kälter, dann bereiten sie das Hochfahren der Anlage vor", erläutert Minne.

Metop überträgt die Messdaten einmal pro Erdumrundung zur Bodenstation. Von der Zentrale der Europäischen Agentur für satellitengestützte Meteorologie (Eumetsat) in Darmstadt werden sie an die Nutzer, die nationalen Wetterdienste der 18 Eumetsat- Mitgliedsländer, übermittelt.

Die Satellitenbauer vom Bodensee sind für die Nutzlast-Instrumente des 4300 Kilogramm schweren Metop zuständig, der wie ein riesiger Karton aussieht, aus dem Antennen wie Insektenfühler herausragen. Im April tritt das Teil seine Reise ins französische Toulouse an, wo es mit der Plattform verbunden wird, bevor es an Bord einer Sojus-Rakete in den Weltraum startet.

Gisela Mackensen/DPA / DPA
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