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"Jugend forscht": Die Faszination des Steckschlüsseleinsatzes

Sie führen akribische Messungen durch - und zerlegen auch mal die Modelleisenbahn, um ein Bauteil für ihre Forschung zu gewinnen: die Teilnehmer von "Jugend forscht". Nun wurden die besten Tüftler im Bundesfinale gekürt. Ministerin Schavan begeisterte sich dabei für Werkzeug.

"Wir haben praktisch seit einem Jahr daran gearbeitet, überwiegend nachmittags oder in den Ferien", sagt der 18 Jahre alte Dominik Hangleiter. Der Schüler von der Ricarda-Huch-Schule in Braunschweig arbeitete mit seinen Mitschülern Jannes Gladrow (19) und Michael Noll (17) zum Thema "Reversible holographische Datenspeicherung mit Spiropyranderivaten". Vereinfacht: Aus dem Projekt der drei jungen Männer könnte sich ein neuer Datenträger ergeben, der mehr Informationen als eine DVD aufnehmen kann. Den für ihre Arbeit notwendigen 20.000 Euro teuren Laser haben die Jungforscher von der Industrie geliehen bekommen, den Rest des Apparates haben sie aus einfachen Plastikbehältern oder einem Signalmast einer Modelleisenbahn zusammengestückelt. "Das Material haben wir überall zusammengeklaubt." Hangleiter und seine Mitschüler zählen zu den besten deutschen Jungforschern, die beim Finale des 43. Bundeswettbewerbs "Jugend forscht" in Bremerhaven ihre Projekte vorstellten. Sie wurden für die ür die beste interdisziplinäre Arbeit ausgezeichnet.

Die 19-jährige Anja Adler aus Halle erhielt den mit 1700 Euro dotierten Preis des Bundespräsidenten für eine außergewöhnliche Arbeit: Sie hatte das in ihrer Heimatregion verbreitete Mineral Porphyr als Mittel zur Renaturierung von öden Tagebauhalden entdeckt. Damit könne man den Boden aufwerten, ja düngen: "Es sorgt schnell für stabile Pflanzen und eine dichte Grasnabe", sagte die Studentin.

Mehr Überholmanöver in der Formel 1

Mit Hilfe der Simulationen von Milad Mafi könnte die Formel 1 wieder spannender werden: Dass es dort kaum noch spektakuläre Überholmanöver gebe, habe konstruktionstechnische Gründe, erklärte der 16-Jährige. Unweigerlich zögen die Fahrzeuge Luftwirbel wie eine Schleppe hinter sich her. Doch mit dieser Erkenntnis wollte sich Milad nicht zufrieden geben: Er entwickelte Regeländerungen für die Konstruktion von Autos, die wieder rasante Überholmanöver möglich machen sollen. Ein großer Autobauer sei auf sein Projekt bereits aufmerksam geworden und unterstütze ihn, konnte der Jungforscher stolz berichten. Mit seinem Projekt kam er auf Platz 3 im Fachgebiet Physik, das mit 20 Präsentationen beim Bundesfinale am stärksten vertreten war.

"Wir sind überzeugt, Sie sind die Forscher von morgen", sagt denn auch Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU) bei der Kür der Bundesgewinner und Sonderpreisträger. Die Arbeiten beschäftigen sich mit neuartigen Düngern, sechsfüßigen Robotern, mit dem Golfstrom oder dem Echo des Urknalls im All.

Messung von Umweltschäden

Dass aus bierernster Forschung auch ein lukratives Geschäft werden könnte, hoffen Lisa Schowe (17) und Anja Massolle (16) vom Johann- Conrad-Schlaun-Gymnasium in Münster. "Wir haben in den Medien viel über Pestizide gelesen und daraufhin unsere Idee entwickelt", sagen die beiden Jugendlichen, die den Preis im Bereich Biologie gewannen. Sie konstruierten Geräte zur Messung von Umweltschäden an Pflanzen. Jetzt denken sie einen Schritt weiter. "Wir arbeiten an einer tragbaren Box, die in der Landwirtschaft eingesetzt werden könnte."

Im Fachgebiet Arbeitswelt siegten Dominik Rupp (18) und Bernhard Strobl (21) aus Bayern. Die Auszubildenden präsentierten einen innovativen Steckschlüsseleinsatz zum Schneiden von Außengewinden (s. Foto).

Für manche gehen die wissenschaftlichen Präsentationen weiter: Einige der Bundessieger werden am europäischen Ausscheidungskampf in Kopenhagen teilnehmen. Für Ministerin Schavan ist mit dem Bundeswettbewerb jedenfalls eins ganz deutlich geworden: "Es gibt ungewöhnlich viel Originalität in der jungen Generation."

DPA/AP/AP/DPA

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