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Archäologie: Älteste Spuren von Flachsfasern entdeckt

Archäologen haben 34.000 Jahre alte Flachsfasern gefunden, die Menschen einst zur Herstellung von Kleidung, Körben und Seilen benutzten - etwa 6000 Jahre früher als bislang vermutet. Der Fund macht deutlich: Unsere Vorfahren mochten es bunt.

Wissenschaftler haben in Georgien 34.00 Jahre alte Reste von Flachsfasern gefunden, die Menschen zur Herstellung von Kleidung und Gebrauchsgegenständen verwendeten. Die Nutzung von Pflanzenfasern durch Menschen ist somit rund 6000 Jahre älter als bisher angenommen. Die Wissenschaftler hatten in den Fundstätten aus der Steinzeit eigentlich nach Pollenresten gesucht und waren nur durch Zufall bei mikroskopischen Untersuchungen auf die Flachsreste gestoßen. Dies berichten der Archäologe Ofer Bar-Yosef von der Harvard-Universität in Cambridge und seine Kollegen im Fachblatt "Science".

Menschen färbten die Fasern bunt

Die Leinenfasern stammten von wilden Pflanzen, die die Menschen in ihrer Umgebung sammelten. "Der Einsatz von Fasern war ein entscheidender Schritt. Sie könnten für Teile von Kleidungsstücken, Seile, Körbe oder zur Herstellung von Gebrauchsgegenständen verwendet worden sein", sagt Bar-Yosef.

Aus Fasern gefertigte Gegenstände boten den Menschen, die vor 34.000 Jahren im heutigen Georgien unter unwirtlichen Lebensbedingungen lebten, einen Überlebensvorteil. Die Jäger und Sammler hatten vielfältige Verwendungsmöglichkeiten für die Pflanzenfasern. Sie konnten sich damit gegen die Kälte schützen oder Transporthilfen für Gegenstände daraus fertigen. Die Fasern wurden entweder in Rohform verwendet oder miteinander verdreht zur Herstellung von Seilen genutzt. Offenbar färbten die Menschen sie sogar ein. Einige wiesen Reste von Pigmenten auf, die aus Wurzeln oder anderen Pflanzenteilen gewonnen werden. Dabei mochten es die Menschen offenbar bunt: Die Forscher fanden gelbe, rote, blaue, violette, schwarze, braune, grüne und khaki-farbene Fasern.

Mit bloßem Auge nicht zu erkennen

Entsprechende Funde aus der Tschechischen Republik legten bislang nahe, dass der Fasergebrauch durch Menschen höchstens 28.000 Jahre alt ist. "Das Alter der Fasern war eine große Überraschung", sagt Bar-Yosef. Die Fasern und die mit ihnen gefertigten Gegenstände sind größtenteils Abbauprozessen zum Opfer gefallen und mit dem bloßen Auge nicht mehr zu erkennen. Durch eine Isotopenanalyse konnte sein Team das Alter der Fasern datieren. Diese Methode basiert auf dem radioaktiven Zerfall von Kohlenstoffatomen. So kann bestimmt werden, wann eine Pflanze gewachsen ist oder, wie im Falle der Flachsfasern, wann Menschen sie ernteten und für ihre Zwecke einsetzten.

Der eigentliche Zweck der Untersuchung war ursprünglich ein anderer: Die Wissenschaftler wollten Veränderungen in Vegetation und Temperatur während der letzten paar tausend Jahre rekonstruieren. Bei Pollenuntersuchungen an Böden gerieten ihnen die Strukturen der Flachsfasern unter die Linse.

DDP / DDP
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