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Familienplanung: Mehr Söhne durch Müsli?

Die Ernährung einer Frau kann das Geschlecht des Kindes beeinflussen - das ist zumindest das Ergebnis einer britischen Studie. Mehr Kalorien sowie regelmäßiges Frühstücken vergrößern demnach die Chancen auf einen Sohn. Wer Diät hält, bekommt eher eine Tochter. Was ist dran an der gewagten These?

Von Nina Bublitz

"Du bist, was deine Mutter isst!" Mit dieser, für eine wissenschaftliche Publikation unüblich schmissigen Überschrift betiteln britische Forscher ihre Untersuchung über den Einfluss der mütterlichen Ernährung auf das Geschlecht des Kindes. Die Forscher um Fiona Mathews befragten 740 Schwangere zu ihrem Essverhalten vor der Empfängnis sowie in den ersten Wochen der Schwangerschaft. Das Ergebnis: Je mehr Kalorien die Mütter im Zeitraum vor der Befruchtung zu sich genommen hatten, desto größer war die Wahrscheinlichkeit, dass sie später einen Jungen gebaren. Eine schlüssige Erklärung für diesen beobachteten Zusammenhang geben die Forscher der Universitäten Exeter und Oxford allerdings nicht. Die Arbeit ist in den "Proceedings of the Royal Society B" veröffentlicht.

Kein Zusammenhang zum Körpergewicht

Die Wissenschaftler teilten die werdenden Mütter entsprechend der durchschnittlich konsumierten Kalorien im Jahr vor der Schwangerschaft sowie zu Beginn der Schwangerschaft in drei Gruppen mit niedriger, mittlerer sowie hoher Kalorienzufuhr ein. Die Daten von 721 der 740 befragten Frauen flossen in de Auswertung ein. 56 Prozent der Frauen aus der Gruppe mit der höchsten Kalorienaufnahme brachten einen Sohn zur Welt. Von den Müttern, die am wenigsten Kalorien zu sich genommen hatten, bekamen dagegen 55 Prozent ein Mädchen und 45 Prozent einen Jungen.

Einen Zusammenhang zwischen dem Körpergewicht der Frauen oder der Nährstoffdichte des Essens sowie dem Geschlecht des Kindes fanden die Forscher nicht. Und nur ein Lebensmittel - bzw. eine Essgewohnheit - spielte der Untersuchung nach eine direkte Rolle: Frauen, die täglich frühstückten und, wie in England üblich Müsli oder Cornflakes aßen, brachten häufiger einen Sohn zur Welt.

Aus Sicht der Forscher liefern die Ergebnisse eine Erklärung für ein bekanntes Phänomen: In den vergangenen 40 Jahren fiel der Anteil der neugeborenen Jungen in den Industrieländern zwar schwach, aber stetig. Die Wissenschaftler erläutern nun, dass in der gleichen Zeit im Durchschnitt die Kalorienaufnahme gesunken sei - trotz des Trends zu Übergewicht, das eher auf fehlende Bewegung und energiedichtere Lebensmittel zurückzuführen sei. Mathews und Kollegen merken allerdings an, dass nicht alle großen Ernährungsstudien diesen postulierten Trend zur geringeren Kalorienaufnahme untermauern. Auch im Tierreich steige in Zeiten des Überflusses die Anzahl männlicher Nachkommen, während sie in Notzeiten sinke. Der Theorie nach eine Taktik, mit der die Tiere ihrem Nachwuchs die größtmöglichen Überlebenschancen sichern.

Frühstücken für den Stammhalter?

Damit es keine Missverständnisse gibt: Festgelegt wird das Geschlecht natürlich allein durch das vom Mann stammende Spermium: Trägt es ein X-Chromosom mit sich, wird das Kind ein Mädchen, enthält das Spermium ein Y-Chromosom, entwickelt sich ein Junge. Wissenschaftler haben allerdings verschiedene Faktoren entdeckt, die eines der Geschlechter begünstigen können, zum Beispiel der hormonelle Status der Frau. Eine Rolle soll auch der Zeitpunkt spielen, an dem die Spermien sich auf den Weg machen. Geschieht dies - relativ zum Eisprung gesehen - früh, begünstigt dies die Entwicklung eines Jungen, passiert es eher spät, die eines Mädchens. Wer häufig Sex hat, ließe sich dann folgern, bekommt eher einen Jungen, weil die Wahrscheinlichkeit einer frühen Befruchtung größer ist. Vielleicht - das schreiben auch die britischen Forscher - haben die Frauen, die häufig Müsli frühstücken, auch einfach ein aktiveres Sexualleben. Man weiß es nicht. Und es bleibt zu erwähnen, dass auch die Theorie um den Empfängniszeitpunkt umstritten ist, weil widersprüchliche Ergebnisse vorliegen.

Ob also tatsächlich die Angewohnheit jüngerer Frauen, aufs Frühstück zu verzichten, dazu führt, dass in den Industrienationen weniger Jungen zur Welt kommen, oder ob doch Faktoren wie das Vorhandensein diverser hormonell aktiver und anderer Schadstoffe in der Umwelt stärker ins Gewicht fallen, bleibt zu klären.

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