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Mundraub Studie zeigt, warum Möwen so heiß auf Pommes und Pizza sind

Was dem Menschen  mundet, schmeckt auch mir, denkt diese Möwe.
Was dem Menschen  mundet, schmeckt auch mir, denkt diese Möwe.
© Lunamarina / Getty Images
Möwen werden immer gieriger und schnappen Menschen das Essen weg. Eine Studie zeigt nun, dass die Vögel das menschliche Verhalten genau beobachten, um an Nahrung zu kommen. Eine gute Strategie in der urbanen Umgebung.

Jedes Seebad kennt das Problem: Gierige Möwen schnappen den Gästen das Essen aus der Hand – ganz egal ob es sich um Pizza oder Fischbrötchen handelt. Viele Orte gehen so weit, Verbote zu erlassen, damit die Möwen nicht angefüttert werden. Eine Studie der Universität Exeter zeigt nun, dass die Möwen weit klüger sind als gedacht. Sie scheinen genau zu beobachten, welche Nahrungsmittel Menschen berühren. Und sie wissen, dass es sich um besondere Leckerbissen handeln muss. "Viele Arten können sich in städtischen Umgebungen nicht gut behaupten ", schreibt die Hauptautorin Madeleine Goumas. Möwen hingegen "scheinen in städtischen Gebieten recht gut zurechtzukommen, was für einen Seevogel sehr ungewöhnlich ist".

Goumas hat schon früher untersucht, wie Möwen sich von menschlichen Verhalten beeinflussen lassen. Sie konnte zum Beispiel zeigen, dass Möwen sich von einem Raubzug abhalten lassen, wenn sie angestarrt werden. Senkt der Mensch aber den Blick oder ist abgelenkt, werden sie mutiger.

Snacks für die Vögel

Im neuen Experiment wurden die Möwen von Blaubeerkuchen in Versuchung geführt. Die Leckerbissen waren allerdings so präpariert, dass die Vögel nicht mit der Beute wegfliegen konnten. Schließlich wollten die Forscher nicht schuld daran sein, dass Möwen dieses wenig artgerechte Futter zu sich nehmen.

Berührung macht attraktiv

Einen der beiden Köder fasste Goumas jeweils unter den Augen der Möwe ausgiebig an und legte ihn dann zurück. Der andere Köder blieb unberührt. Bei ihrem Experiment stürzten sich 79 Prozent der Möwen auf den Köder, der zuvor berührt wurde. Die Forscher nehmen an, dass allein die Tatsache, dass der Köder für einen Mensch interessant war, die Möwen angelockt hatte. Dabei stellen sich die Vögel ziemlich schlau an.

Das gleiche Experiment mit nicht-essbaren Objekten – Schwämmen - ging ganz anders aus. Rein aus Neugierde näherten sich wiederum Möwen den Schwämmen, aber hier gab es keine Vorliebe für den, den die Forscherin zuvor geknetet hatte.

Der Mensch definiert die Lebensbedingungen

Die Möwen vollbringen damit zwei intellektuelle Leistungen. Sie unterscheiden zwischen Fressen und Nicht-Fressen. Beim Essbaren orientieren sie sich am Verhalten des Menschen, weil sie hoffen, so auf Nahrung zu stoßen. Interessant ist auch, dass nur eine Minderheit der Möwen diesen Trick raushatte. Die meisten Möwen waren schlicht zu scheu, um am Experiment teilzunehmen. Sie flogen weg, ohne ihr Glück am Kuchen zu probieren. Die Anwesenheit des Menschen lockte diese Möwen nicht an, sie schreckte sie ab.

Viele Umgebungen hat der Mensch stark verändert. Das Überleben von Arten hängt davon an, wie schnell sie sich an vom Menschen gemachte Veränderungen anpassen können. Schnelles Lernen ist ein Vorteil, Fehleinschätzungen können zum Aussterben führen. Schildkrötenküken etwa orientieren sich an der Straßenbeleuchtung und nicht am Meer und werden dann auf den Straßen getötet. Bislang wurde selten untersucht, wie wild lebende Tiere menschliches Verhalten interpretieren. Die bisherige Forschung konzentrierte sich auf domestizierte Tiere. Die zunehmende Verstädterung und Präsenz des Menschen führen allerdings dazu, dass sehr viele Tiere nicht in einer Wildnis, sondern in einer vom Menschen geprägten Umgebung überleben müssen.

Mehr Möwenüberfälle drohen

Wenn man über die Bedeutung der kleinen Entdeckung spekuliert, bedeutet sie nichts Gutes für Strandbesucher. Gerade die Nahrung, die Menschen zu sich nehmen, gilt bei den Möwen als besonders attraktiv. Obendrein ist zu befürchten, dass mit der Zeit die Scheu weiter abnimmt und der Anteil der frechen Raub-Möwen steigen wird. Letztlich ist der Mensch kein gefährlicher Fresskonkurrent. Er schimpft zwar, wenn das Matjesbrötchen erbeutet wird, und fuchtelt mit den Armen, aber wirklich gefährlich wird er dem Vogel nicht.

Quelle: The Royal Society

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