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Artenschutz Vogelsterben in Europa – wie die Landwirtschaft unsere Vögel ausrottet

Der normale Hausspatz verschwindet aus Europa.
Der normale Hausspatz verschwindet aus Europa.
© Amit Machamasi/ / Picture Alliance
Die Vögel verschwinden aus Europa. In nur 40 Jahren hat der Bestand um etwa 20 Prozent abgenommen. Betroffen sind nicht allein die Arten auf der "Roten Liste" – auch ganz gewöhnliche Arten wie Spatzen und Stare verschwinden.

In nur 40 Jahren sind 600 Millionen Vögel in Europa verschwunden. Das sind etwa 20 Prozent, so eine Studie der "Royal Society for the Protection of Birds" (RSPB) und "BirdLife International". Und der Grund ist nicht die Zersiedelung. Professor Richard Gregory von der RSPB sagte dazu: "Landwirtschaftliche Flächen in ganz Europa sind für Vogelpopulationen und andere Wildtiere sehr viel unwirtlicher geworden. Der Verlust von weitverbreiteten und häufig vorkommenden Arten hat kaskadenartige Auswirkungen auf das Ökosystem, dessen Untersysteme sich so schnell verändern, dass sie nicht mehr in der Lage sind, uns zu versorgen, unsere Nahrung zu liefern und unser Klima zu regulieren. Das Verschwinden der Vögel ist ein Warnsignal."

Daten aller Vogelarten

Für die Studie wurden Daten von 378 Vogelarten in den Ländern der EU und Großbritanniens ausgewertet. Insgesamt gingen zwischen 1980 bis 2017 etwa 900 Millionen Vögel verloren. Doch bei bestimmten Arten gab es einen Zuwachs von 340 Millionen. Der Netto-Verlust wird daher auf 560 bis 620 Millionen geschätzt. Die Studie legt den Fokus auf den Gesamtbestand der Vögel und nicht auf die bedrohten Arten. Vögel, die auf der Roten Liste stehen, kommen nicht in großen Beständen vor. Doch die Studie zeigt, wie bedroht inzwischen auch Arten sind, von denen es Millionen Exemplare gibt.

Den größten Rückgang erlebten Vögel, die von landwirtschaftlichen Flächen und Grünland leben. Die Haussperlingspopulation ist um 247 Millionen zurückgegangen, die Zahl der Schafstelzen um 97 Millionen, die Zahl der Stare um rund 75 Millionen (das sind 60 Prozent) und die der Feldlerche um 68 Millionen. Diese Verluste kann auf Dauer auch eine massenhaft vorkommende Art nicht verkraften. Die Daten sind besonders erschreckend, weil der Rückgang nach 1980 gemessen wurde, als die Zeit des hemmungslosen Einsatzes von Chemie in der Landwirtschaft bereits vorüber war. Seit dem Jahr 2000 wurde die Abnahme gebremst, eine positive Trendumkehr ist allerdings nicht in Sicht.

"Reservate" reichen nicht

Die bisherigen Schutzbemühungen sind unzureichend. So gelingt es durchaus, in Naturschutzgebieten seltene Arten auf kleinem Niveau zu stabilisieren. Davon profitieren sehr seltene Vögel und besonders markante Raubvögel. Doch in absoluten Zahlen sind das kleine Bestände, die dort geschützt werden. Die Masse der Vögel, die ihren Lebensraum außerhalb von Naturschutzgebieten finden muss, verschwindet in atemberaubendem Tempo. Die Konzentration der Bemühungen auf herausragende Arten geschieht letztlich zu Lasten von "gewöhnlichen" Vögeln wie den Spatzen, die den stärksten Bestandsrückgang erleben müssen.

Die genauen Ursachen des Vogelsterbens sind noch nicht erforscht. Letztlich kann die Abnahme nicht verwundern. In Europa geht auch der Bestand an Insekten dramatisch zurück, es ist unausweichlich, dass der Vogelbestand diesem Trend folgt. Zu denken sollte einem geben, dass Städte und bebaute Gebiete inzwischen zu Schutzzonen für die Tierwelt geworden sind.

Quelle: Ecology and Evolution


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