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Psychologie: Sieht so die Durchschnittsdeutsche aus?

Ein paar durchschnittliche Frauengesichter gefällig? Ein Blogger will aus 40 Ländern und Regionen das weibliche Normalo-Gesicht ermittelt haben. Das Ergebnis ist äußerst attraktiv - und umstritten.

Wie sieht eigentlich die typische Deutsche aus? Wie die typische Thailänderin, die typische Brasilianerin und die typische Französin? Ein Blogger will diese Frage mithilfe eines Computerprogramm des "Face Research Lab" der Universität Glasgow beantwortet haben. Damit legte er Fotos verschiedener Frauen aus den jeweiligen Ländern übereinander, um so das Aussehen der Durchschnittsfrau in dem jeweiligen Land zu ermitteln.

Kritiker monieren zwar bereits, dass die Ergebnisse allesamt zu attraktiv ausgefallen seien - aber das liegt größtenteils schlichtweg an der Methode. In der Wissenschaft wird der Effekt so erklärt: Der Computer passe die Gesichtsformen aneinander an, bevor die Aufnahmen übereinander gelegt werden, heißt es auf den Seiten des "Face Research Lab.

Markantes und Unebenes mittelt sich durch die Vielzahl der Aufnahmen aus, die am Computer entstandenen Gesichter sind symmetrischer als die echten. Aus der Psychologie sei bekannt, dass solche harmonischen Durchschnittsgesichter als attraktiver wahrgenommen würden als die tatsächlichen Alltagsgesichter, heißt es auf den Seiten des "Face Research Lab". Anders gesagt: Schönheit ist Mittelmaß. Oder?

Ganz so lässt sich diese Mittelmaßhypothese nicht mehr halten. Denn Studien, darauf weisen auch die schottischen Forscher hin, zeigen: Es gibt auch unveränderte Alltagsgesichter, die als hübscher beurteilt werden als die am Computer entstandenen Gesichter. Zudem: Entsteht ein Computergesicht aus vielen attraktiven Gesichtern, wird es als äußerst attraktiv wahrgenommen. Werden die als schön empfunden Merkmale - etwa große Augen - zusätzlich noch überspitzt, beurteilen Probanden dieses Endprodukt als das schönste Gesicht.

Wie viele Gesichter für eine Protofrau aus einer Region übereinandergelegt wurden, ist nicht genau bekannt; ebenso wenig wie die genauen Kriterien, nach denen der Blogger die Frauen auswählte. Die Protofrauen sind daher in erster Linie eine schöne Spielerei - die allerdings durchaus etwas über unsere Wahrnehmung verrät.

Wer selbst Gesichter miteinander mischen möchte, kann dies auf der Seite des "Face Research Lab" tun. Dort findet sich neben einem "Mittelmaßhersteller" auch ein Tool, mit dem sich die Emotionen, das Alter oder das Geschlecht einer aufgenommenen Person verändern lassen. Auch das eigene Foto kann hochgeladen und bearbeitet werden.

Das "Face Research Lab" ist am Institut für Neurowissenschaft und Psychologie der Uni Glasgow angesiedelt. Geleitet wird es von dem Psychologieprofessor Ben Jones und der Psychologin Lisa DeBruine. Wie der durchschnittliche Labormitarbeiter dort aussieht, lässt sich hier entdecken.

In einer ersten Version des Artikels hieß es, die Wissenschaftler des "Face Research Lab" hätten die Collage erstellt. Tatsächlich haben sie damit nichts zu tun. Der Blogger verwendete dazu lediglich das Computerprogramm, das von der Uni kostenlos im Netz zur Verfügung gestellt wird. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

nik/lea
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