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Sprachverarbeitung: Redensarten fordern Gehirn heraus

Redewendungen verarbeitet das Gehirn langsamer als wörtlich gemeinte Sätze. Eine italienische Forscherin mit dem passenden Namen Proverbio fand zudem heraus, welche Hirnhälfte für das Verarbeiten von Metaphern zuständig ist.

Redewendungen werden im Gehirn langsamer verarbeitet als wörtlich gemeinte Sätze

Redewendungen werden im Gehirn langsamer verarbeitet als wörtlich gemeinte Sätze

Menschen brauchen länger, um Redewendungen zu Verstehen als wörtlich gemeinte Sätze. Das fanden italienische Forscher in Experimenten heraus, bei denen Probanden entscheiden mussten, ob ein Satz, der entweder im wörtlichen oder übertragenen Sinn gemeint war, zu einem Wort passte, das dem Satz folgte. Dabei maßen die Forscher die Gehirnaktivitäten und Reaktionszeiten der Versuchsteilnehmer und entdeckten, dass die Reaktionszeit bei nicht wörtlich gemeinten Sätzen länger war. Auch waren jeweils andere Hirnareale für die verschiedenen Arten der Sprachverarbeitung zuständig. Über ihre Resultate berichten die italienische Forscherin Alice Proverbio von der Milano-Bicocca-Universität in Mailand und ihre Kollegen im Fachjournal "BMC Neuroscience".

Zum Prozess der Sprachverarbeitung im menschlichen Gehirn gibt es verschiedene Thesen. Immer wieder ordnen Wissenschaftler dabei der rechten Hirnhälfte eine dominante Rolle zu. Das italienische Team hat dies nun auf die Probe gestellt und in einer Studie an 15 Studenten untersucht. Diese mussten 360 Sätze danach beurteilen, ob sie inhaltlich mit einem Zielwort zusammenhingen, das im Anschluss an die Sätze auf einem Bildschirm erschien. Die eine Hälfte der Sätze war wörtlich zu verstehen, die andere machte nur als Metapher Sinn. Die Wissenschaftler zeichneten dabei auf, wie lange die Studenten brauchten, bis sie sich entschieden hatten, ob ein Zusammenhang zwischen Satz und Zielwort bestand oder nicht. Außerdem registrierten die Forscher mit 128 Elektroden auf den Köpfen der Probanden deren Gehirnaktivitäten.

Rechte Hirnhälfte ist für Metaphern zuständig

Die Studenten reagierten schneller, wenn die Sätze wörtlich zu nehmen waren, als wenn sie erst im übertragenen Sinn verständlich wurden. Zudem verarbeiteten sie die Sprache auf unterschiedliche Art, je nachdem, ob Metaphern enthalten waren oder nicht. Grundsätzlich sind mehrere Bereiche beider Hirnhälften in die Sprachverarbeitung involviert. Einige Prozesse werden aber tatsächlich vermehrt in der rechten Hemisphäre ausgeführt. Die Leiterin der Studie mit dem passenden Namen Alice Proverbio - italienisch für "Sprichwort" - erklärt, die Aktivität der rechten Hirnhälfte sei entscheidend für das Verständnis von Redewendungen, sogenannter idiomatischer Sprache.

Eine andere These zur Verarbeitung der idiomatischen Sprache konnten die Forscher nicht bestätigen: Nämlich jene, dass der übertragene Sinn nur verstanden wird, indem ein Teil des Gehirns den wörtlichen Sinn unterdrückt. Dies müsste sich in einer vermehrten Aktivität des linken unteren Großhirn-Frontallappens äußern. Diese Hirnstruktur ist für die Identifizierung von Satzkonstruktionen verantwortlich, die zwar grammatikalisch korrekt sind, aber inhaltlich keinen Sinn ergeben, wie dies bei Metaphern der Fall ist, wenn man diese wörtlich nimmt. Wenn der Großhirn-Frontallappen also keine Aktivität zeige, bedeute dies, dass Redewendungen nicht zuerst wörtlich genommen würden, sondern zwar langsamer, aber doch direkt und nicht über einen Umweg wie die Unterdrückung anderer Prozesse verarbeitet würden, schließen die Forscher.

DDP / DDP
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