Steinzeit Not macht demokratisch


Die stets unsichere Nahrungsversorgung ließ in den steinzeitlichen Jäger- und Sammlerkulturen demokratische Strukturen entstehen. Ging es einer Kultur hingegen zu gut, kam auch die Ungerechtigkeit.

Häufige Wetterkapriolen und eine unsichere Nahrungsversorgung begünstigen demokratische Strukturen in einer Gesellschaft, wie sie in vielen Jäger- und Sammlerkulturen zu finden sind. Strenge Hierarchien und Rangordnungen bis hin zu Sklaventum entstehen hingegen vor allem dann, wenn sichere und beständige Nahrungsquellen vorhanden sind. Das erklärt Ian Keen von der Australischen Nationaluniversität in Canberra. Er berichtet über seine Forschungsarbeit im Fachmagazin "Current Anthropology" (Bd. 47, Nr.1).

Aborigines sind demokratisch

Vor der Kolonialisierung Nordamerikas verfügten die Ureinwohner an der Nordwestküste sowie im Südosten des Landes über ausreichend Nahrung, etwa in Form von Fischen. Die einzelnen Stämme waren relativ groß und verteidigten ihr Territorium und ihre Nahrungsquellen gegeneinander. Alle diese Bedingungen begünstigten laut Keen die Entwicklung von unterschiedlichen sozialen Stellungen der einzelnen Mitglieder eines Stammes, was etwa zu Gesellschaftsstrukturen mit einem Häuptling an der Spitze führte. Bei den meisten Jäger- und Sammler-Kulturen fehlten dagegen solche ausgeprägten Hierarchien, entdeckte der Forscher.

Zum selben Ergebnis kam der Wissenschaftler, als er Aborigines-Stämme in Australien untersuchte. Das unvorhersehbare Klima und die unsichere Nahrungsversorgung sorgten in den meisten Fällen für eine Gleichstellung der einzelnen Mitglieder, sagt Keen. Nur im tropischen Norden des Kontinents gab es vorübergehende Ungleichheiten zwischen der sozialen Stellung in Form von Polygamie: Einige ältere Männer konnten mehr als 20 Ehefrauen für sich beanspruchen. Diese Vielehen waren aber nur dort möglich, wo es reichliche Ressourcen gab und die Populationsdichte relativ hoch, schreibt der Forscher.

DDP


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