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Streit um Krebsgene US-Gericht untersagt Patente auf menschliches Erbgut


Für zwei Brust- und Eierstockkrebs auslösende Gene hält ein US-Pharmaunternehmen die Patente. Ist das zulässig? Das Oberste Gericht der USA hat nun entschieden: nein.

Das Oberste Gericht der USA hat in einer Grundsatzentscheidung Patente auf menschliches Erbgut verboten. Die menschliche DNA sei ein "Produkt der Natur", das nicht patentiert werden könne, erklärte der Supreme Court am Donnerstag. Künstlich nachgeahmtes Erbgut könne aber sehr wohl patentiert werden, "da es nicht von der Natur hergestellt wird", erklärte das Gericht weiter.

Die Richter entschieden über eine Klage gegen das Pharmaunternehmen Myriad Genetics, das sich Patente auf zwei krebsauslösende Gene gesichert hatte. Dies gab dem Unternehmen bislang die Möglichkeit, Tests für die Gene mit den Abkürzungen BRCA1 und BRCA2 exklusiv zu vermarkten. Diese Gene können Brust- und Eierstockkrebs auslösen.

Teure Krebstests

Die Kläger warfen dem Unternehmen unter anderem vor, die mehrere tausend Dollar teuren Tests seien für viele Patienten unerschwinglich. Zudem blockiere die Patentierung der Gene deren Erforschung durch andere Unternehmen oder Institutionen.

Das Urteil war mit Spannung erwartet worden, weil es Auswirkungen auch auf zahlreiche andere Bereiche der Gentechnik und der Medizin haben dürfte. Patente wurden unter anderem auch im Zusammenhang mit anderen Krebskrankheiten sowie Alzheimer angemeldet.

Angelina Jolie trägt dieses Gen in sich

"Naturgesetze" und "Naturphänomene" könnten ebenso wenig Patentschutz erhalten wie "fundamentale Werkzeuge der wissenschaftlichen und technologischen Arbeit", entschieden die Richter. Ein Gen könne nicht einfach nur deswegen patentiert werden, "weil es isoliert wurde", erklärten sie.

Myriad Genetics hatte in dem Verfahren argumentiert, es habe nur wegen der Aussicht auf gute Gewinne die hohen Kosten für die Decodierung der Gene und die Entwicklung der Tests tragen können. Ein Anwalt des Unternehmens bezeichnete Gene zudem als "menschliches Konstrukt".

Dagegen wandte sich ein Zusammenschluss von rund 150.000 Klägern, unter ihnen Wissenschaftler, Ärzte und Patientinnen. "Heute hat das Gericht eine bedeutende Hürde für die Patientenbetreuung und medizinische Innovationen beiseite geräumt", freute sich eine Anwältin der Bürgerrechtsbewegung ACLU nach dem Urteil.

Zuletzt hatte Hollywoodstar Angelina Jolie die Diskussion über den Umgang mit Risiko-Genen weltweit in die Schlagzeilen gebracht. Die Schauspielerin berichtete Mitte Mai in einem Beitrag in der "New York Times", wie sie sich vorsorglich beide Brüste amputieren ließ, weil bei ihr das Gen BRCA1 entdeckt worden war. Sie hatte daher ein deutlich erhöhtes Risiko für Brust- und Eierstockkrebs.

swd/AFP AFP

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