Suchtbericht 2006 Weniger Drogentote, mehr junge Kiffer


2005 starben so wenig Menschen infolge von Drogenkonsum wie seit 1989 nicht mehr. Union und SPD sind jedoch uneins, wie man mit Heroinabhängigen weiter verfahren soll.

Die Zahl der Drogentoten ist erneut gesunken und befindet sich auf dem niedrigsten Stand seit 1989. Wie aus dem am Mittwoch veröffentlichten Drogen- und Suchtbericht der Bundesregierung hervorgeht, starben im vergangenen Jahr 1.326 Menschen an den Folgen ihres Rauschgiftkonsums. Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Sabine Bätzing, sprach von einer erfreulichen Entwicklung. Auch die Zahl der polizeilich aufgefallenen Erstkonsumenten harter Drogen sei gesunken.

Tabak- und Alkohol-Konsum erschreckend hoch

Es bestehe jedoch kein Anlass zur Entwarnung. So gebe etwa der steigende Cannabis-Konsum bei Jugendlichen Anlass zur Sorge. Das Einstiegsalter sei inzwischen auf 16,4 Jahre gesunken. Je früher die Jugendlichen anfingen, Joints zu rauchen, desto größer sei auch das Risiko einer psychischen Abhängigkeit, warnte sie.

Zudem seien das Ausmaß der Tabak-, Alkohol- und Medikamentenabhängigkeit und die damit verbundenen gesundheitlichen, sozialen und volkswirtschaftlichen Schäden immens, warnte die SPD-Politikerin.

Rauchen ist nicht mehr so "cool"

Sie wies auch auf die Schlüsselfunktion der Tabakprävention hin. Menschen, die Zigaretten rauchten, griffen leichter zum Joint. Daher sei es erfreulich, dass die Raucherquote bei Jugendlichen zwischen zwölf und 17 Jahren von 28 im Jahre 2001 auf 20 Prozent 2005 gesunken sei. Rauchen gelte bei Jugendlichen inzwischen nicht mehr so sehr als cool. Als Erfolg im Kampf gegen das Rauchen bezeichnete Bätzing das Abgabeverbot an Jugendliche unter 16 Jahren, das Verbot von Kleinpackungen und der kostenlosen Abgabe von Zigaretten zu Werbezwecken. Entscheidenden Anteil habe auch die dreistufige Tabaksteuererhöhung gehabt.

Die Zahl der Drogentoten ist seit dem Jahr 2000 rückläufig. Auch die Zahl der polizeilich aufgefallenen Erstkonsumenten so genannter harter Drogen sei rückläufig, heißt es in dem Bericht. Bätzing führte das auf den Ausbau der Beratungsangebote und die verbesserte Substitutionsbehandlung der letzten Jahre zurück.

Drogen-Modellversuch läuft im Juni aus

Union und SPD sind jedoch uneins über die Abgabe von Heroin auf Rezept an Schwerstabhängige. Während sich Sabine Bätzing für die Fortsetzung eines entsprechenden Modellprojektes aussprach, wandte sich die gesundheitspolitische Sprecherin der Unionsfraktion, Annette Widmann-Mauz, dagegen.

An dem Ende Juni auslaufenden Modellversuch in Hamburg, Hannover, Bonn, Köln, Frankfurt, Karlsruhe und München nahmen mehr als 1.000 Patienten teil. Bätzing sagte, dass für viele gesundheitlich und sozial bereits verelendete Schwerstabhängige die Therapie ein "letzter Strohhalm" gewesen sei. Sie sichere das Überleben der Patienten und trage zu einer Verminderung der Beschaffungskriminalität bei.

Städte wollen Modellprojekt fraktionsübergreifend weiterführen

Bätzing wies darauf hin, dass die teilnehmenden Städte fraktionsübergreifend für die Weiterführung des Projektes seien. Widmann-Mauz betonte, die Union verfolge eine ausstiegsorientierte Drogenpolitik. In dem von der Union mitgetragenen Modellversuch hätten sich in nur zwei Dutzend Fällen Verbesserungen ergeben. Es sei zu früh, daraus die Konsequenzen zu ziehen.

Der drogen- und suchtpolitische Sprecher der Grünen-Fraktion, Harald Terpe, erklärte hingegen, das dreijährige Projekt habe die Überlegenheit der heroingestützten Behandlung gegenüber der Methadonsubstitution klar nachgewiesen. Er appellierte an die Unionsfraktion, ihren Widerstand gegen eine Gesetzesänderung zur Fortführung der Methode aufzugeben.

AP/Reuters AP Reuters

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