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Thomas Südhof: Medizin-Nobelpreis geht an deutschen Forscher

Der Nobelpreis für Medizin geht in diesem Jahr an drei Forscher, die Transportmechanismen in Zellen entdeckt haben. Einer der Wissenschaftler stammt aus Deutschland, die anderen beiden aus den USA.

Der Nobelpreis für Medizin geht in diesem Jahr an James Rothman, Randy Schekman und den in Deutschland geborenen Thomas Südhof. Sie haben wesentliche Transportmechanismen in Zellen entdeckt, deren Defekte Grundlage von Diabetes, Tetanus und vielen anderen Krankheiten sind. Das teilte das Karolinska-Institut am Montag in Stockholm mit. Die höchste Auszeichnung für Mediziner ist mit umgerechnet 920.000 Euro (8 Millionen Schwedischen Kronen) dotiert.

Mit freudiger Überraschung hat Schekman auf die Nachricht aus Stockholm reagiert, dass er dieses Jahr mit zwei weiteren Forschern mit dem Medizin-Nobelpreis ausgezeichnet wird. "Meine Reaktion, als ich das gehört habe, war Zweifel und Freude", sagte der 64-jährige Molekularbiologe von der kalifornischen Elite-Universität Berkeley nach der Ankündigung des Nobelpreis-Komitees am Montag der Nachrichtenagentur AFP.

Lohn für jahrzehntelange Forschungsarbeit

Auch wenn die Auszeichnung sein Leben verändere, werde er seine Forschungen fortsetzen, versicherte Schekman. Zunächst hatte er aber profanere Dinge im Kopf: "Wenn die Telefone nicht mehr klingeln, will ich duschen und eine zweite Tasse Kaffee trinken." Was er mit dem Preisgeld anfange, könne er noch nicht sagen. Die acht Millionen schwedische Kronen (925.000 Euro) werden zu gleichen Teilen an die drei Preisträger ausgezahlt.

Der Nobelpreis für ihn, seinen US-Kollegen James Rothman und den Deutschen Thomas Südhof sei der Lohn für jahrzehntelange Forschungsarbeit. "Ich bin seit 37 Jahren da dran, und Rothman etwa genau so lange", sagte Schekman. "Wir haben vor 25 Jahren festgestellt, dass wir am gleichen Thema arbeiten."

Verleihung im Dezember

In den Zellen werden Stoffe oft in winzigen Bläschen, den Vesikeln, verpackt und weitergeleitet. "Ohne diese wunderbar präzise Organisation würde die Zelle im Chaos versinken", schreibt das Nobel-Komitee. "Ein defektes Vesikel-Transportsystem kommt in einer Reihe von Krankheiten vor", erläuterte die Vorsitzende des Komitees, Juleen Zierath. Das Transportsystem spielt etwa eine Rolle bei der Nervenleitung und im Hormonsystem oder bei Immunkrankheiten.

Schekman entdeckte eine Reihe von Genen, die für den Vesikeltransport notwendig sind. Rothman entschlüsselte, wie die Vesikel in die richtige Zelle eindringen, um dort ihre Fracht abzuladen. Südhof entdeckte, welche Signale die Vesikel dazu bringen, die von ihnen transportierten Stoffe zur richtigen Zeit am richtigen Ort freizusetzen. Südhof wurde 1955 in Göttingen geboren und studierte auch an der Universität der Stadt, wo er 1982 seine Doktorarbeit abschloss. Daraufhin ging er an die Universität von Texas und 2008 an die Standford Universität.

Keine Medikamente, aber Diagnosen

"Tetanus ist etwa eine Krankheit, die diesen Vesikel-Transport beeinflusst", sagte Jan-Inge Henter von der Nobel-Jury. Sein Kollege Göran Hansson ergänzte: "Sie (die Entdeckung) hat bislang nicht zu Medikamenten geführt, aber zu Diagnosen."

Am Dienstag und Mittwoch werden die Träger des Physik- und des Chemie-Nobelpreises benannt. Die feierliche Überreichung findet traditionsgemäß am 10. Dezember statt, dem Todestag des Preisstifters Alfred Nobel. Im vergangenen Jahr hatten der Brite John Gurdon und der Japaner Shinya Yamanaka die Auszeichnung für ihre Arbeiten zur Verjüngung erwachsener Zellen erhalten.

tkr/DPA/AFP / DPA