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Uterus-Transplantation Schwedische Frauen spenden ihre Gebärmütter an Töchter


Zum ersten Mal weltweit haben zwei Frauen die Gebärmütter ihrer Mütter eingepflanzt bekommen. Die Operationen seien erfolgreich verlaufen, ein deutscher Experte warnt jedoch vor zu viel Euphorie.

Ein zehnköpfiges Chirurgenteam hat zwei Frauen die Gebärmütter ihrer Mütter transplantiert. Eine der beiden Empfängerinnen hatte ihre eigene Gebärmutter wegen Gebärmutterhalskrebs verloren. Die andere Patientin war ohne Uterus zur Welt gekommen. Beide Frauen sind nach Angaben der Hochschule zwischen 30 und 40 Jahre alt. Die Transplantationen seien das Ergebnis "umfassender Forschungsarbeit an der Göteborger Universität seit 1999", hieß es in der Mitteilung weiter. In Schweden könnten zwischen 2000 und 3000 Frauen keine Kinder bekommen, weil sie keinen Uterus haben.

Die Eingriffe an der Sahlgrenska-Universitätsklinik seien die weltweit ersten beiden derartigen Transplantationen von Mutter auf Tochter gewesen. In der Türkei war vergangenes Jahr erstmals eine Gebärmutter erfolgreich transplantiert worden - allerdings nicht von Mutter auf Tochter.

Verwandtschafts-Vorteil

Das Risiko, dass die Körper der beiden über 30 Jahre alten Frauen die neue Gebärmutter abstoßen, liegt nach Einschätzung der Ärzte bei den bei Transplantationen üblichen 20 Prozent. Um das Risiko zu minimieren, seien die Uteri der jeweiligen Mütter verwendet worden. Die nahe Verwandtschaft bringe einen "theoretischen Vorteil" und außerdem sei die Funktionstüchtigkeit dieser Gebärmütter schon bewiesen worden.

In einem Jahr sollen die Frauen durch eine sogenannte In-vitro-Fertilisaton (IVF) künstlich befruchtet werden. Dabei sollen Eizellen der jungen Frauen, die vor der Transplantation entnommen wurden, mit dem Sperma ihrer jeweiligen Partner befruchtet und schließlich in der neuen Gebärmutter platziert werden. Erst im Jahr 2014, wenn die Kinder geboren werden sollten, wird sich demnach der wirkliche Erfolg der Operationen zeigen.

"Ethisch absolut grenzwertig"

Die Transplantation sei also in diesem Fall nur ein erster Schritt, sagte der Vorsitzende der #link;http://www.repromedizin.de;Deutschen Gesellschaft für Reproduktionsmedizin#, Christian Thaler. "Die prinzipielle Sorge ist, dass die Gebärmutter im Verlauf der Schwangerschaft eine Vielfalt an Veränderungen durchlaufen muss, die dann für das Wohlbefinden des Kindes von größter Bedeutung sind. Ob und in welchem Ausmaß dies bei einem Transplantat funktioniert, ist vorher kaum absehbar."

Wenn die Schwangerschaft erst einmal begonnen habe, sei das unumkehrbar, sagte der Mediziner. "Das ist ein Experiment mit zwei Patienten - Mutter und Baby - das erfüllt mich in hohem Maß mit Sorge." Bei allem Verständnis für den Kinderwunsch einer Frau, halte er die gegenwärtigen Transplantationsversuche für "ethisch absolut grenzwertig".

Den vier Frauen gehe es nach der Operation gut. Die Organspenderinnen sollen demnächst aus dem Krankenhaus entlassen werden.

juho/DPA/AFP DPA

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