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Weltlachtag: "Ausgelacht wird niemand"

Lachen ist gesund, so sagt man und auch die Wissenschaft bestätigt diese Alltagsweisheit. In professionellen Lachclubs wird daher nicht nur rhythmisches "Hoho" oder "Haha" für den Weltlachtag, den 1. Mai, praktiziert.

Die Symptome erscheinen auf den ersten Blick gefährlich: Die Menschen weinen, mitunter schmerzt sogar die Brust, der Körper schaukelt hin und her, Atem und Blutdruck rasen, das Zwerchfell hüpft. Dabei leidet jeder gerne unter solch einem Lachanfall. Lachen sorgt aber nicht nur für gute Laune, sondern wirkt auch gesundheitsfördernd. "Beim Lachen werden im Gehirn Glückshormone, so genannte Endorphine ausgeschüttet, und Stress abgebaut", sagt der Psychologe und Psychotherapeut Michael Titze aus Tuttlingen. Am 1. Mai ist Weltlachtag.

Viele positive Auswirkungen des Lachens

Im Blut erhöht sich beim Lachen die Zahl der Abwehrzellen, so dass Krankheitskeime besser bekämpft werden können. 17 Gesichtsmuskeln werden so angespannt, dass sogar Tränen fließen können. "Während eines Lachanfalls, der durchschnittlich sechs Sekunden dauert, erhöht sich der Puls auf 120 Schläge pro Minute", sagt Titze. Kurze Zeit danach erweitern sich dann die Arterien, so dass über längere Zeit der Blutdruck gesenkt wird.

Lachforscher, so genannte Gelotologen, haben sogar herausgefunden, dass Lachen einen positiven Einfluss auf Schmerzen hat. In Experimenten konnte nachgewiesen werden, dass sich die Schmerzgrenze bei Versuchspersonen nach oben verschoben hatte. Sie hatten zuvor ein lustiges Video gesehen. Schließlich wird beim Lachen die Atmung so angeregt, dass es zu einem beschleunigten Austausch von verbrauchter und Sauerstoff angereicherter Luft kommt. "Menschen, die viel lachen, schlafen besser und haben mehr Abstand zu belastenden Problemen", sagt Gudula Steiner-Juncker, Leiterin des nach eigenen Angaben europaweit ersten Lachclubs in Wiesbaden.

Lachclubs: nicht nur zum Spaß da

So liegt es nahe, Lachen als therapeutisches Mittel einzusetzen. "In den Lachclubs geht es um die heilsame Kraft des Lachens, ausgelacht wird aber niemand", sagt Steiner-Juncker, die als Klinik-Clown Kindern in Krankenhäusern wieder zum Lachen bringt. Denn oft wird zu wenig gelacht: Während Erwachsene täglich höchstens zwei bis drei Mal herzhaft lachen, machen dies Kinder zehn Mal häufiger.

Das Hauptziel in den Lachclubs ist nicht nur Spaß zu haben, sondern es sollen Körper, Geist und Seele wieder bewusst wahrgenommen werden. In den Lachclubs wird nach der Methode des Inders Madan Kataria aus Bombay vorgegangen. "In Indien treffen sich regelmäßig zehntausende Menschen, um zu Lachen", sagt Titze. Nicht so viele sind es in Deutschland. "In unserem Lachclub treffen sich regelmäßig etwa 20, von der Hausfrau bis zum Piloten", sagt Steiner-Juncker.

Viele wollen wie Kinder sein

Dabei werden Yoga-Techniken mit Lachübungen vermischt. Lachen hat laut Steiner-Juncker mit Yoga einige Gemeinsamkeiten. "Wenn man lacht, hört der Verstand auf, ähnlich wie bei der Meditation", sagt die Lachexpertin. Regelmäßiges Lachen führe zu einer inneren Ruhe und Gelassenheit. "Lachen und Yoga habe auch viel mit Bewegung zu tun. Man kann eben nicht unbewegt lachen", sagt Steiner-Juncker.

In ersten Übungen im Lachclub werde oft tief ein- und ausgeatmet. Mit paradoxen Vorstellungen könne Heiterkeit und Lachen ausgelöst werden. Beim Thema Streit könne die Gruppe beispielsweise mit erhobenen Zeigefinger umherlaufen und dabei lachen, sagt Stein-Juncker. Wenn einer lacht, lachen alle anderen mit. "Jeder weiß, wie ansteckend dies sein kann", sagt die Lachtherapeutin. Auch rhythmisches "hoho" oder "haha" wird praktiziert.

Humor als psychotherapeutisches Mittel

Viele, die in den Lachclub kommen, wollen wie Kinder sein und ihre Sorgen nicht mehr so ernst nehmen. Sicher sei, dass depressive Verstimmungen bei den Lachclubteilnehmern verschwinden und die Grundstimmung besser wird.

Die Erkenntnisse der Lachforschung über die gesundheitsfördernden Effekte des Lachens haben dazu geführt, dass auch in psychotherapeutischen Verfahren Humor als Mittel eingesetzt wird. "Der Patient soll aber nicht um jeden Preis zum Lachen gebracht werden", sagt Titze. Vielmehr solle ein Prozess angeregt werden, der zu einer selbstbejahenden, mutigen Einstellung führt, die mit Heiterkeit und Lebensfreude einhergehe.

Frank Leth/AP