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WHO-Studie scheitert Antibaby-Spritze für den Mann fällt durch


Männern bleibt die Verhütung per Injektion wohl erstmal erspart. Eine aktuelle Studie mit Testosteron-Spritzen hat Forscher und Freiwillige enttäuscht: Etliche Testpersonen bekamen Depressionen, Pickel und Übergewicht.

Die Idee einer Antibaby-Spritze für den Mann ist mehr als 30 Jahre alt - und wird trotzdem Zukunftsmusik bleiben: Eine 2009 gestartete Studie der Weltgesundheitsorganisation WHO ist wegen erheblicher Nebenwirkungen vorzeitig abgebrochen worden. "Die Spritze in der jetzigen Zusammensetzung funktioniert nicht", sagte der Leiter der Studie, Michael Zitzmann, vom Centrum für Reproduktionsmedizin der Universität Münster. Bei zehn Prozent der 400 Testpersonen sei es zu unangenehmen Folgen gekommen.

Insbesondere bei älteren Familienvätern traten Nebenwirkungen auf, darunter Depressionen, Gewichtszunahme oder Akne. Dabei wurde die Verhütungsspritze vor Beginn der großen WHO-Studie in mehreren kleineren nationalen Studien getestet, ohne dass dabei derartige Nebenwirkungen auftraten.

Sexualhormon bremst Samenproduktion

In Halle beteiligten sich 43 Männer. Generelle Bedingung war, dass alle Freiwilligen im Alter zwischen 18 bis 45 Jahren in einer festen Partnerschaft leben und die Frauen mit dem Test einverstanden sind. Den Männern wurde die Antibaby-Spritze alle acht Wochen gegeben. Die Testosteronzufuhr von außen bewirkte, dass die Hoden die Produktion des körpereigenen Testosterons einstellten und als Folge auch tatsächlich keine Samenzellen erzeugt wurden.

"Die Erwartungen sind nicht erfüllt worden", sagt der Leiter der Studie in Halle, Hermann Behre, der auch Direktor des Zentrums für Reproduktionsmedizin und Andrologie des Universitätsklinikums Halle ist. "Zwar haben in Halle neun von zehn Männern die Spritze vertragen, aber insgesamt ist der Anteil der Unverträglichkeit zu hoch." Die komplette Auswertung der Studie werde im Oktober vorliegen. "Aber wir können schon jetzt davon ausgehen, dass es in dieser Form nicht funktioniert", bestätigt Behre.

Pharmabranche sieht keinen Markt

Auch die Pharmaindustrie ist skeptisch. Ein Forschungsprojekt auf Basis einer Hormonspritze und eines Implantates wurde nach der Übernahme der Schering AG durch die Bayer AG im Jahr 2007 eingestellt. "In den nächsten 10 bis 15 Jahren gibt es dafür keine Marktchancen", sagt Friederike Lorenzen von der Bayer Pharma AG. Auch die im Verband Forschender Arzneimittelhersteller organisierten 43 Pharmafirmen forschen den Angaben zufolge nicht an einem Verhütungsmittel für den Mann.

Dennoch: Behre sieht weiterhin große Chancen für eine Antibaby-Spritze für den Mann. "Wir sind an einem Erfolg näher dran als manche glauben." Der Mediziner favorisiert die reine Testosteron-Spritze. "In China wurde eine derartige Testosteronspritze an über 1000 Männern mit Erfolg getestet. Die Ergebnisse liegen seit 2009 vor", sagt der Wissenschaftler.

fw/DPA DPA

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