HINRICHTUNG Exitus im Morgengrauen


Sechs Jahre nach dem Anschlag auf ein Regierungsgebäude in Oklahoma-City ist der Bombenleger Timothy McVeigh am Montag hingerichtet worden.

Sechs Jahre nach dem Anschlag auf ein Regierungsgebäude in Oklahoma-City ist der Bombenleger Timothy McVeigh am Montag hingerichtet worden. McVeigh starb nach einer Injektion dreier giftiger Chemikalien und wurde um 14.14 Uhr MESZ für tot erklärt. Der Hinrichtung in Terre Haute im Bundesstaat Indiana wohnten zehn Überlebende des Anschlags und Angehörige von Opfern sowie Journalisten bei. Außerdem verfolgten etwa 300 weitere Überlebende und Angehörige von Opfern per Video die Exekution am Bildschirm in Oklahoma. Bei dem Anschlag 1995 waren 168 Menschen getötet und rund 500 verletzt worden.

Der hochdekorierte Golfkriegsveteran McVeigh hatte zwar öffentlich den Tod der Menschen bedauert, seine Tat jedoch bis zuletzt gerechtfertigt. Er habe einen persönlichen hasserfüllten Krieg gegen den Staat und die US-Regierung geführt, sagte einer seiner Biografen. Und er sei mit der Überzeugung in den Tod gegangen, dass er diesen Krieg mit 168 zu eins gewonnen habe.

Rachefeldzug für FBI-Operation

McVeigh hatte die Operation der Bundespolizei FBI gegen die Davidianer-Sekte im Waco im US-Staat Texas im Jahr 1993 zum Anlass für seinen Rachefeldzug genommen. Damals hatten FBI- Einsatzkräfte einen Hof der Sekte mit schweren Waffen gestürmt;

rund 80 Menschen kamen dabei ums Leben.

Der Anschlag in Oklahoma-City war der folgenschwerste Terrorakt in der Geschichte der USA. Die Explosion zerstörte ein Hochhaus im Zentrum der Stadt. An dessen Stelle steht heute ein Denkmal für die Opfer des Anschlags. Unter ihnen waren auch zahlreiche Kinder. Das Todesurteil gegen McVeigh ist das erste nach US-Bundesrecht seit 1967.

Während der Dauer seines Prozesses hatte McVeigh keine Reue gezeigt und den Tod der Menschen als »legitime Taktik« seines persönlichen Krieges gegen die US-Regierung in Kauf genommen. Er hat zwar den Tod der Menschen bedauert, seine Tat jedoch bis zuletzt als militärische Aktion gerechtfertigt. Eine Berufung gegen das Urteil lehnte er ab.

Eiskrem als letzte Mahlzeit

Am Abend vor seiner Hinrichtung habe er sich gut gelaunt gezeigt, sagte einer von McVeighs Anwälten. »Er ist erstaunlich guter

Dinge, gesprächig, freundlich und hat seinen Sinn für Humor bewahrt.» Am Sonntag war er in eine Zelle neben der Hinrichtungskammer verlegt worden. Seine Anwälte sagten, McVeigh habe sich auf den Tod vorbereitet und keine Angst gezeigt.

Per Telefon habe er sich von Familienangehörigen verabschiedet. Nach Angaben eines Gefängnissprechers bekam er als letzte Mahlzeit Eiskrem mit Minzschokolade-Chips.

McVeigh war seit 1988 in der US-Armee und hatte am Golfkrieg gegen Kuwait teilgenommen, wo er mehrere Auszeichnungen erhielt. Danach wollte er Mitglied einer Eliteeinheit werden, brach die Ausbildung aber schon am zweiten Tag ab. 1991 verließ er die Armee und schlug sich mit Gelegenheitsjobs durch.

Einige Gegner der Todesstrafe in den USA protestierten in Terre Haute gegen die Hinrichtung, doch es kamen weit weniger als erwartet. Hunderte Polizisten patroullierten durch die Stadt, um Gewalttaten von Sympathisanten McVeighs zu verhindern. Behörden, Schulen und Freizeiteinrichtungen blieben aus Sicherheitsgründen geschlossen.


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