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US-Politik "Im Morgengrauen erschießen": Trump-Anwalt fordert den Tod des gefeuerten CISA-Chefs Krebs

Christopher Krebs, ehemaliger Direktor der Cybersicherheitsagentur des US-Heimatschutzministeriums
Christopher Krebs, ehemaliger Direktor der Cybersicherheitsagentur des US-Heimatschutzministeriums
© Carolyn Kaster / DPA
Er hatte gewagt, die Wahl als sicher zu bezeichnen - und wurde prompt entlassen. Donald Trump und sein ehemaliger Cybersicherheits-Chef Christopher Krebs trennten sich nicht im Guten. Der Anwalt des Präsidenten Joe diGenova ging bei Trumps Lieblings-Nachrichtenseite Newsmax nun trotzdem entschieden zu weit.

Der Schlagabtausch zwischen dem Noch-Präsident Donald Trump und seinem ehemaligen Cybersicherheits-Chef Christopher Krebs geht seit knapp zwei Wochen immer weiter. Nachdem Krebs und seine auch für die Wahlen zuständige Cybersicherheits-Behörde CISA die Wahl entgegen den Behauptungen Trumps zur "sichersten der US-Geschichte" erklärt hatten, musste der Beamte gehen. In einem Interview hatte Krebs Trumps Weigerung, seine Niederlage anzuerkennen, eine Farce genannt. Trumps Anwalt Joe diGenova hat nun aber den Bogen endgültig überspannt. 

In einem Video-Interview mit der bei Republikanern als rechtere Alternative zu Fox News beliebter werdenden Nachrichtenseite "Newsmax" äußerte er sich schockierend direkt. "Jeden der denkt, die Wahl wäre mit rechten Dingen zugegangen - wie dieser Idiot Krebs, der Typ ist ein Vollidiot -, sollte man foltern und vierteilen, im Morgengrauen nach draußen bringen und erschießen", redete sich der Anwalt um Kopf und Kragen. diGenova ist Teil des Anwalts-Teams um Rudi Giuliani, das im Namen Trumps vermeintlichen Wahlbetrug aufdecken soll. Auch der Präsident selbst hatte den Anwalt namentlich bei Twitter als Teil seines Rechtsbeistands genannt.

Krebs bleibt cool

In der politischen Szene sorgte die krasse Äußerung für eine schockierte Reaktion. Auch Krebs selbst äußerte sich. Auf die Frage, ob er selbst sich durch die Aussage bedroht fühlte, blieb Krebs im Interview mit "NBC" kühl. "Ich will denjenigen nicht die Genugtuung geben, zu wissen, wie ich darauf emotional reagiere", antwortete er knapp. "Es ist auf jeden Fall eine gefährlichere Sprache, die da benutzt wird." Er sehe die USA als Rechtsstaat und werde auch alle seine rechtlichen Mittel ausschöpfen, so Krebs. "Ich habe ein hervorragendes Team von Anwälten - die auch vor Gericht gewinnen", erklärte er mit einem Seitenhieb auf die bisher ausschließlich negativ verlaufenen Trump-Prozesse gegen die Wahl. 

Für diGenova könnte die Äußerung noch Folgen haben. Der seit 1970 zugelassene Anwalt solle seine Lizenz abgesprochen bekommen, forderten Beobachter von der für ihn zuständigen Anwaltskammer des District Columbia. Gegenüber dem Rechts-Blog "Law and Crime" hielt der Rechts-Professor Stephen Gillers das für durchaus realistisch. Die Drohung sei eine illegale Handlung. "Aus meiner Sicht reicht dieser Kommentar, um seine Eignung als Anwalt in Frage zu stellen."

Der drohende Anwalt versucht sich mittlerweile herauszureden: Die Äußerung sei nur als Scherz gemeint gewesen, behauptete er gegenüber dem "Washington Examiner". "Es muss jedem Zuhörer klar sein, dass es sich um eine sarkastische Bemerkung im Spaß gehandelt hat", behauptet diGenova. Er habe "nichts böses" damit gemeint. "Natürlich wünsche ich Mr. Krebs keinen Schaden. Das war nur Übertreibung im politischen Diskurs."

Immer mehr Gewaltdrohungen

Die Bereitschaft, solche Aussagen als Scherz zu sehen, dürfte sich im aktuellen politischen Klima der USA aber in Grenzen halten. Neben Krebs hatten auch zahlreiche Wahlhelfer, Mitarbeiter der für die Auszählungen verantwortlichen Behörden und Politiker Todesdrohungen erhalten. Die fielen teils alles andere als subtil aus: Am Haus eines 20-jährigen Wahlhelfers war etwa ein zum Henkersknoten gebundenes Seil gefunden worden, die Ehefrau des für die Wahl in Georgia verantwortlichen Beamten Brad Raffensberger wurde per SMS mit dem Tod und mit sexueller Gewalt bedroht. "Es wird jemand verletzt, jemand erschossen, jemand getötet werden. Und das ist nicht richtig", klagte der aus Georgia stammente Republikaner Gabriel Sterling am Dienstag verzweifelt in Richtung Trump. "Mr. President, Sie scheinen die Wahl in Georgia verloren zu haben. Hören Sie auf, Menschen zur Gewalt anzustacheln."

Bei Christopher Krebs dürfte die Drohung zumindest ihre Wirkung verfehlt haben. In einem Meinungs-Stück in der Washington Post machte der Experte seine Position noch einmal klar. Der Titel: "Ich wurde von Trump dafür gefeuert, aber ich sage es trotzdem noch einmal: Die Wahl war nicht manipuliert".

Quellen:Law and Crime, Washington Post, Chicago Tribune, NBC, Washington Examiner


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