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Christopher Krebs "Es ist eine Farce": Trumps gefeuerter Cybersicherheits-Chef spricht über den Rauswurf und die Wahl

Christopher Krebs leitete die von Trump ins Leben gerufene Behörde CISA
Christopher Krebs leitete die von Trump ins Leben gerufene Behörde CISA
© Carolyn Kaster/ / Picture Alliance
Donald Trump wettert unbeirrt gegen die vermeintlich gestohlene Wahl zum Präsidenten. Weil sein Cybersicherheits-Chef ihm widersprach, musste er gehen. Jetzt äußert sich Christopher Krebs erstmals in einem Interview zu seiner Entlassung - und legt nach.

Auch vier Wochen nach der US-Wahl führt der Noch-Präsident Donald Trump seinen Feldzug gegen das vermeintlich gefälschte Ergebnis fort. Eines seiner Bauernopfer: der Leiter der für Cybersicherheit verantwortlichen Behörde CISA. Christopher Krebs hatte es gewagt, den Vorwürfen Trumps zu widersprechen - und wurde dann per Twitter geschasst. In seinem ersten Interview nach der Entlassung fand er nun klare Worte.

"Es ist alles Unfug", sagte Krebs zu den Anschuldigungen des Wahlbetrugs. "Ich stehe zwar nicht mehr im Dienst des Staates. Aber ich habe dem Staat noch einige Dienste zu erweisen", erklärte der Zeit seines Lebens als Republikaner registrierte Krebs seinen Auftritt beim legendären TV-Format "60 Minutes". Es sei schwer, von seinem Schwur, die Verfassung gegen Bedrohungen von innen wie von außen zu verteidigen, einfach abzutreten, erklärte der sichtlich bewegte Krebs. "Und wenn ich auch nur eine Person überzeugen kann, dass diese Wahl mit rechten Dingen zugegangen ist, dann habe ich das Gefühl, meinen Job getan zu haben."

Sicherste US-Wahl aller Zeiten

Denn davon ist Krebs überzeugt: "Es gab keinerlei Hinweise oder Beweise, dass es irgendeine Art von Hack oder Kompromittierung der Wahlsysteme am, vor oder nach dem 3. November gab." Dafür hätten die zahlreichen Bemühungen der CISA gemeinsam mit dem FBI, dem Verteidigungsministerium und den Geheimdiensten in den letzten drei Jahren gesorgt, die jeden möglichen Angriffspunkt identifiziert und dann gesichert hätten. Kein Wunder, dass die CISA vor zwei Wochen die Wahl zur "sichersten der US-Geschichte" erklärte. Kurz danach musste Krebs auf Anweisung Trumps seinen Hut nehmen.

Dabei hatte der den Experten überhaupt erst auf seinen Posten gebracht. Die CISA wurde erst unter Trump als Teil des Heimatschutzministeriums gegründet, Krebs war einer der wenigen Beamten der Behörde, der seinen Job fast durch Trumps ganze Amtszeit behielt. Sein vorgesetzter Posten, der Heimatschutzminister, wurde in den vier Jahren unter Trump ganze fünfmal neu besetzt. 

In der Zeit hatte Krebs seinen Job sehr ernst genommen, erzählt er nun. "Wir haben ungefähr dreieinhalb Jahre damit verbracht, jedes mögliche Szenario für einen Angriff durch einen ausländischen Akteur durchzugehen", berichtet er. Es seien unzählige Szenarien gewesen. Die wichtigste Erkenntnis sei gewesen, für jede Stimme auch einen Papiernachweis zu haben, auch für die elektronisch abgegebenen. "95 Prozent der 2020 abgegebenen Stimmen hatten einen Papiernachweis. 2016 waren es nur 82 Prozent", so Krebs. Erst dadurch sei es nun möglich, sämtliche Theorien zu gehackten Wahlmaschinen oder automatisiertem Wahlbetrug auszuschließen: Die Handauszählung hätte das Ergebnis der elektronischen Wahl in jeder Nachzählung bestätigt.

Klarer Widerspruch gegen Trump

Damit widerspricht Krebs klar den Behauptungen Trumps und dessen Verbündeter, die immer wieder von systematisch getauschten Stimmen sprechen. "Wir können so ziemlich klar belegen, dass sensationsheischende Behauptungen, dass die Hersteller von Wahlmaschinen, ihre Geräte oder die Systeme dahinter gehackt worden wären, nicht stimmen. Es ist einfach Unfug", stellt sich der Sicherheitsexperte klar gegen die Vorwürfe des Präsidenten.

Dass nun die Anwälte Trumps um Rudi Giulliani das anzweifeln, geht Krebs gegen den Strich. "Das regte mich auf. Ich sehe es als klaren Versuch, den Glauben in einen ordnungsgemäßen Verlauf der Wahlen zu untergraben, um Menschen zu verängstigen." Es gehe ihm dabei nicht nur um die Arbeit seiner Behörde. "Da sind zehntausende von Wahlhelfern, die nonstop gearbeitet haben, 18 Stunden am Stück, monatelang. Und die bekommen nun Morddrohungen, weil sie eine der wichtigsten Institutionen unserer Demokratie gestemmt haben - eine Wahl." Die Pressekonferenz Giullianis habe ihn fassungslos gemacht. "Da wurde aktiv die Demokratie untergraben. Und das ist gefährlich."

"Echte Helden"

Auch die Drohungen gegen einige gewählte Vertreter einiger Bundesstaaten kann Krebs nicht nachvollziehen. "Es ist - aus meiner Sicht - eine Farce, was gerade passiert." Selbst gestandene Republikaner wie der im Swingstate Georgia für die Wahlen zuständige Brad Raffensberger würden von ihrer Partei angegriffen, weil sie sich Trumps Forderung, ihm die Wahl zuzugestehen, entgegenstellten. "Er hat die Treue zum Land seiner Parteitreue vorgezogen, um eine freie und faire Wahl zu ermöglichen. Das sind echte Helden, echte Patrioten", ist Krebs überzeugt.

Am meisten ärgere ihn aber der Umgang mit seiner Kündigung. Dass Trump ihn feuerte, hätte ihn nicht überrascht, erklärt der 43-Jährige. Aber dass ihm nach dreieinhalb Jahren engster Zusammenarbeit beim Aufbau der Behörde ein ordentlicher Abschied verwehrt worden sei, hätte ihn am meisten mitgenommen. "Ich liebe dieses Team. Und ich bekam nicht die Chance, mich richtig zu verabschieden. Das ist das Schlimmste für mich."

Quelle:60 Minutes

mma

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