Zum Tode Allen Carrs Der Gehirnwäscher


Er war der berühmteste Ex-Raucher, von seinen Anhängern erfuhr er große Bewunderung: Ratgeberautor Allen Carr ist an Lungenkrebs gestorben. Seine Werke haben nicht nur für Begeisterung gesorgt.
Von Björn Erichsen

Er hat selbst gequalmt wie ein Schlot. Jahrzehntelang, rund 100 Zigaretten täglich. Bis zu diesem einem Tag: Es war der 15. Juli 1983, als sich Allen Carr seine letzte Zigarette ansteckte. Doch, was andere bereits als persönlichen Erfolg feiern, reichte dem gelernten Wirtschaftsprüfer aus England beiweiten nicht. Er fühlte sich berufen: "Ich wollte nun auch den Rest der Menschheit heilen." Nun ist der "Non-Fume-Papst" Allen Carr im Alter von 72 Jahren in seinem Haus im spanischen Malaga an Lungenkrebs gestorben.

An Selbstbewusstsein hat es Allen Carr wahrlich nie gemangelt. Und tatsächlich war er auf seiner selbst erklärten Mission außerordentlich erfolgreich. "Easy Way" nannte er die von ihm entwickelte Methode, die er in zahlreichen Büchern niederschrieb und die seine Jünger in über 30 Ländern in Seminaren und Selbsthilfekursen anbieten. Sein erstes Buch "Endlich Nichtraucher!" hat sich weltweit millionenfach verkauft, gilt als erfolgreichste "Stop-Smoking"-Bibel überhaupt. Seine zahlreichen Anhänger bedachten ihn mit geradezu messianischer Verehrung.

Flugangst und Alkoholismus

Allen Carr hat für sich in Anspruch genommen, "der Erste gewesen zu sein, der den Mechanismus der Nikotinsucht wirklich begriffen hat". Von Hilfsmitteln wie Nikotinpflastern oder Raucherpillen hielt er gar nichts, stattdessen setzte er auf innere Selbstüberwindung der Raucher, appellierte wortgewaltig an ihren "gesunden Menschenverstand". Gebetsmühlenartig werden dazu beim "Easy Way" die Vorteile des Nichtrauchens gepredigt. "Eine Gehirnwäsche als Antwort auf die vorher erlebte Gehirnwäsche" nannte er es selbst einmal.

Wissenschaftliche Belege für den Erfolg seiner Methode sind rar. Eine Studie der Universität Wien kam aber zu dem Ergebnis, dass jeder zweite, der sich mit Carr das Rauchen abgewöhnt hatte, auch nach drei Jahren noch abstinent war. Damit sei die Technik erfolgreicher als Alternativmethoden. Bei anderen Thesen Carrs, der unter anderem auch Ratgeber zu Flugangst und Alkoholismus verfasste, standen Wissenschaftlern die Haare zu Berge: So behauptete er, im krassen Gegensatz zur gängigen Lehrmeinung, dass etwa Alkoholiker keinerlei körperlichen Entzug spüren würden.

Nicht operierbarer Lungenkrebs

Im Sommer diesen Jahres hatte Allen Carr bei einer Routineuntersuchung die Diagnose "nicht operierbaren Lungekrebs erhalten". Freunde des Autors führten dies vor allem auf eine jahrelange Teilnahme an seinen Entwöhnungskursen zurück, in denen jeweils zu Beginn noch kräftig geraucht werden durfte. Carr sei dadurch ständig und stark dem Passivrauchen ausgesetzt gewesen. Gerüchte, dass er heimlich weitergeraucht habe, gab es freilich auch immer.

Man mag von Allen Carr halten, was man will. Den Verdienst, viele Menschen von der Nikotinsucht befreit zu haben, kann man ihm nicht absprechen. Dass der weltweit bekannteste Ex-Raucher nun ausgerechnet an Lungenkrebs gestorben ist, mag so mancher als Fingerzeig deuten, selbst die Glimmstängel wegzulegen. Entsprechend kommentierte Carr selbst die Krebs-Diagnose: "Wenn man davon ausgeht, dass ich mindestens zehn Millionen Raucher von ihrer Sucht geheilt habe, dann ist dies wohl ein Preis, den zu zahlen sich gelohnt hat."


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