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Muskeltraining: Woran erkennt man ein gutes Fitness-Studio?

Krafttraining ist heute ein Volkssport. Gut so, sagen die Experten. Denn starke Muskeln verbrennen Fett, schonen die Bänder und halten die Psyche fit. Ein Sportwissenschaftler verrät, woran man ein gutes Studio erkennt.

Von York Pijahn

"Waden gut, Schenkel nicht schlecht, der Bauch geht noch." Mit diesen Worten beschrieb Franz Kafka die Erfolge seines regelmäßigen Krafttrainings. Denn der Prager Schriftsteller trainierte seinen Körper mit Hanteln - und soll sogar seiner Verlobten Felice das Pumpen mit Gewichten empfohlen haben. Kafkas Hobby ist mittlerweile ein deutscher Volkssport: Fünf Millionen Frauen und Männer trainieren in rund 5500 Fitness-Studios ihre Muskeln. Jeder Zweite ist älter als 40 Jahre. Und die meisten kommen nicht nur, um besser auszusehen, sondern um etwas für die Gesundheit zu tun.

"Tatsächlich nützt Krafttraining dem Körper in vielen Bereichen", sagt der Hamburger Sportarzt und Triathlet Johannes Lüke, 32. Denn vom Scheitel bis zur Sohle verlieren wir zwischen dem 25. und dem 80. Lebensjahr bis zu 40 Prozent der Masse unserer rund 640 Muskeln. Wer hingegen gezielt trainiert, hält diesen Rückgang auf und entlastet durch die Kraftpakete Bänder, Gelenke und Knorpel. Muskeln erhöhen außerdem den Energieverbrauch des Körpers - und das selbst im Schlaf. "Platt gesagt: Je mehr Muskeln ich habe, desto mehr kann ich essen, ohne anzusetzen", sagt Lüke. Ein trainierter Körper verträgt Stürze besser, das Schlaganfall- und Herzinfarktrisiko sinkt, und auch die Psyche schätzt das Krafttraining: Denn das Mehr an Muskeln wirkt stimmungsaufhellend, belegen mehrere Studien.

Es gibt noch mehr gute Gründe, um in ein Fitness-Studio einzutreten. Denn anders als zu Hause lassen sich hier unter Anleitung von Profis Eisen stemmen, die Fehlhaltung korrigieren und ein Trainingsplan aufstellen, mit dem mitunter schnell Erfolge zu sehen und zu spüren sind.

Einer dieser Profis ist der 36-jährige Pedro Gonzalez: Sportwissenschaftler, Konditionstrainer des Hamburger Eishockeyteams Freezers und der ersten Fußballmannschaft des FC St. Pauli. Er kennt nicht nur die wichtigsten Übungen, die auf dem Programm der meisten Studiobesucher stehen sollten, sondern er weiß auch, woran man ein gutes Fitness-Studio erkennt.

Größe

"Fragen Sie nach der Mitglieder- und der Quadratmeterzahl des Studios. Pro Mitglied sollte rund ein Quadratmeter Platz sein", sagt Gonzalez.

Qualifikation

Der Trainingsleiter sollte Sportwissenschaftler oder Sportlehrer sein. Gonzalez: "Der Titel 'Fitnesstrainer' sagt nicht viel, da den jeder bekommt, der an vier Wochenenden eine entsprechende Fortbildung besucht."

Betreuung

Was wollen Sie mit dem Training erreichen? Wie viel Zeit haben Sie für die Arbeit an den Geräten? Ein guter Trainer stellt beim ersten Treffen viele Fragen, bevor er mit Ihnen gemeinsam einen Trainingsplan schreibt. Auf diesem stehen gewöhnlich acht Übungen. "Doch es reicht nicht, dem Sportler diesen Plan einfach in die Hand zu drücken", sagt Gonzalez.

An Ihrem ersten Tag an den Geräten sollte er Sie eine Stunde begleiten, Ihnen jede Technik im Detail erklären und festlegen, wie viele Gewichte Sie auflegen dürfen. Innerhalb der nächsten Trainingstage kontrolliert er, dass Sie die Übungen beherrschen. Nach circa einem Monat folgt eine zweite Kontrolle. Gonzalez: "Danach macht ein guter Trainer alle zwei Monate einen einstündigen Gesprächstermin mit Ihnen aus und passt den Trainingsplan an Ihre Fortschritte an."

Wie gut der Service eines Fitness-Centers ist, lässt sich nicht beim ersten Besuch erkennen. Doch es gibt eine Faustregel: In einem guten Studio ist immer ein Trainer in der Nähe, der korrigiert und hilft.

Geräte

Die Maschinen müssen - wie das ganze Studio - sauber aussehen, den technischen Standard kann ein Laie allerdings kaum erkennen. "Wichtig ist, dass der Gerätebereich genug Platz für Freihantelübungen bietet. Diese Belastung mit Gewichten abseits der Maschinen ist sehr effektiv und vor allem für ambitionierte Fitness-Sportler ein Muss", sagt Gonzalez. Ein Drittel der Fläche sollte deshalb für Freihanteln zur Verfügung stehen.

Kurse

Wenn es nicht ein reines "Pumperstudio" ist, sollte es täglich fünf bis zehn Kurse anbieten, zum Beispiel für Step-Aerobic oder Yoga. Lassen Sie sich die Kursräume zeigen. Unter dem Bodenbelag sollten Schwingelemente verlegt sein, da das Training sonst die Gelenke zu sehr belastet.

Vertrag

Die Mitgliedschaft sollte zum Quartal kündbar sein. "Aufnahmegebühren sind nicht mehr üblich, dafür ist die Konkurrenz zu groß", sagt Gonzalez. Erkundigen Sie sich, ob und zu welchem Termin Sie aus dem Vertrag aussteigen können, falls Sie umziehen oder arbeitslos werden sollten.

Lage

Am besten liegt das Fitness-Studio auf der Strecke zwischen Ihrem Büro und Ihrer Wohnung. Die Suchmaschine des Arbeitgeberverbandes deutscher Fitness und Gesundheitsanlagen hilft, ein günstig gelegenes Studio zu finden: www.dssv.de, Stichwort "Studiosuche".

Preis

Der Beitrag für ein Studio, das all diese Anforderungen erfüllt, kostet rund 720 Euro im Jahr, schätzt Pedro Gonzalez. Doch das ist nur ein grober Richtwert. Fest steht, dass hohe Gebühren nicht Qualität bedeuten. So bekam der sehr elegante "Holmes Place" (980 bis 1150 Euro Jahresbeitrag) bei einer Studie der Stiftung Warentest im Herbst 2006 die Gesamtnote ausreichend (3,7). Das um rund 800 Euro billigere McFit schnitt mit einer 2,9 besser ab.

In jedem Fall sollten Sie ein kostenloses Probetraining vereinbaren, um festzustellen, ob Ihnen das Studio wirklich gefällt. Manche Häuser bieten sogar einen bezahlten Probemonat an, bevor ein Kunde sich länger binden muss. Nur den ersten Muskelkater, den erhalten Sie überall gratis.

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