"Static Kill" erfolgreich BP stopft Öl-Bohrloch


BP spricht von einem "Meilenstein": Die Versiegelung des defekten Bohrlochs im Golf von Mexiko mit Schlamm ist nach Angaben des Ölmultis bislang erfolgreich verlaufen. Noch ist es aber zu früh zum Jubeln.

Mehr als drei Monate nach der Bohrinsel-Explosion im Golf von Mexiko hat der britische Energiekonzern BP bei der Versiegelung des lecken Bohrlochs eine wichtige Hürde genommen. Mithilfe eingepumpten Schlamms sei das "gewünschte Ergebnis" erzielt worden, teilte BP am Mittwoch mit. Der Druck in dem Bohrloch in rund 1500 Meter Tiefe werde nun durch den Schlamm "kontrolliert" und die Lage beobachtet. Davon hänge ab, ob bei dem "Static Kill" genannten Verfahren weiterer Bohrschlamm oder Zement eingepumpt werde.

BP sprach von einem "bedeutenden Meilenstein". Der Konzern hatte seit Dienstagnachmittag Ortszeit acht Stunden lang schweren Schlamm in das Bohrloch gepresst. Das Unternehmen werde nun mit dem Krisenbeauftragten der US-Regierung, Thad Allen, darüber beraten, wie weiter vorgegangen werde, erklärte das Unternehmen. Dazu gehöre die Frage, ob auf demselben Weg Zement in das Bohrloch gepumpt werde, um die Quelle dauerhaft zu verschließen.

Noch zu früh zum Jubeln

Aber selbst wenn alles weiter nach Plan läuft, wird BP danach einen endgültigen Erfolg noch nicht verkünden. Das "Endspiel", so hoffen jedenfalls die Verantwortlichen, wird in der kommenden Woche beginnen. Dann soll auch das Öl-Reservoir in etwa vier Kilometern Tiefe im Meeresboden verschlossen werden. Bei der Operation "Bottom Kill" will BP ebenfalls Schlamm und Zement in die Steigleitung pumpen - durch einen Nebenzugang, der seit Mai gebohrt wird.

Vor Beginn des "Kill"-Manövers hatten Ingenieure noch verschiedene Tests an dem Leck vorgenommen, das seit dem 15. Juli mit einer riesigen Verschlusskappe provisorisch verschlossen worden war. Unter anderem wurde eine Flüssigkeit in die Steigleitung eingeleitet, um den Innendruck zu prüfen und etwaige Widerstände im Rohr aufzuspüren. Es gab keine bösen Überraschungen - und so konnte der "Static Kill" am Nachmittag sogar schon etwas früher beginnen als gedacht.

Schlimmste Ölpest aller Zeiten

Am Montag hatten neue Schätzungen das riesige Ausmaß der Katastrophe noch einmal vor Augen geführt. Nach Angaben von Forschern strömten nach dem Versinken der Bohrinsel "Deepwater Horizon" am 22. April insgesamt 4,9 Millionen Barrel Öl in den Golf von Mexiko - das sind rund 780 Millionen Liter. Niemals zuvor wurde eine schlimmere Ölpest registriert.

Gemessen an den neuen Schätzungen über die ausgelaufenen Ölmenge droht BP eine Entschädigungsforderung der US-Regierung in Höhe von 17,6 Milliarden Dollar (gut 13 Milliarden Euro). Pro Barrel ausgelaufenen Rohöls kann laut US-Recht eine Strafe von bis zu 4300 Dollar fällig werden. Bislang bildete BP Rücklagen zum in Höhe von 32,2 Milliarden Dollar. Einen Teil der Kosten will BP offenbar auf Subunternehmer abwälzen. Nach eigenen Angaben stellte BP den Partnerfirmen Mitsui und Anadarko Rechnungen in Höhe von insgesamt knapp 1,3 Milliarden Dollar. Die wirtschaftlichen und ökologischen Gesamtschäden lassen sich bislang nur abschätzen.

joe/AFP/DPA DPA

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